DIRA MORTIS: Forward To The Abyss Of Misanthropy

DIRA MORTIS aus Polen spielen technisch anspruchsvollen Death Metal amerikanischer Prägung zwischen SUFFOCATION, IMMOLATION und MORBID ANGEL, einem Schuss NILE und (zumindestens auf vorliegendem Album) mit einem großen Problem.

„Forward To The Abyss Of Misanthropy“ enthält alle üblichen Zutaten für Technischen Death Metal: jede Menge schnelle Double-Bass-Passagen mit Riff-Geschiebe und tiefen Growls, Blast-Beat-Artistik mit Jammerhaken-Soli, vertrackte Riffs und überraschende Breaks, anspruchsvolle Tempo-Verschleppungen und fantastische Arbeit an allen Instrumenten. Dazu die übliche kraft-meierische Produktion an der Grenze zur Sterilität, der standard-mäßige Gitarren-Sound der Marke Pimp-My-Boogie, die Drums im Soundbild weit vorne und sehr trocken bis unrealistisch, aber alles noch im Rahmen und für das Genre völlig ok.

Das Problem am vorherigen Abschnitt liegt nicht in der Aufzählung der eigentlich ja wünschenswerten Stilmittel, sondern in dem Begriff „übliche Zutaten“. Das Problem an DIRA MORTIS ist leider eines, dass sie mit vielen Tech-Death-Bands teilen. Sie können alles toll spielen, jede Genre-Zutat umsetzen, spieltechnische Höchstleistungen vollbringen, aber leider wird nichts davon so etwas wie eine eigene Identität entwickeln. Es ist einfach nur das Übliche. Ich finde einfach keinen Grund, statt dieser Platte nicht direkt einen SUFFOCATION-Klassiker aufzulegen.

DIRA MORTIS sind der perfekte Arbeitnehmer

Aus kapitalistischer Sicht sind Bands wie DIRA MORTIS so etwas wie der perfekte Arbeitnehmer. Man hält sich hundertprozentig an alle Prozesse, liefert immer tolle Performance, besitzt alle notwendigen Skills, tanzt nicht aus der Reihe und fällt nicht durch störende Kreativität auf. Wow, bitte sofort einstellen, den Mann!

Aber wollen wir das wirklich hören? Es fällt mir immer schwer zu solchen Platten zu schreiben, dass sie mir eigentlich nicht gefallen, weil ich einen Heidenrespekt vor der technischen Leistung der Musiker habe, die ich nicht mal ansatzweise imstande wäre zu vollbringen, selbst wenn ich ab jetzt 10 Jahre durchgehend jeden Tag 8h üben würde.

Das Licht im Keller

Aber die künstlerische „Leistung“ oder besser Darbietung, da „Leistung“ bei Kunst als Kriterium ohnehin nicht anwendbar ist, das ist ja gerade die Kunst, ist leider minimal bis nicht vorhanden. Nichts auf dieser Platte berührt mich emotional oder auf einer anderen Ebene als der Anerkennung einer handwerklich guten Leistung. Das Hören der Platte hat in etwa den Effekt, als würde ich im Keller das Licht anmachen und denken: „Toll, dieser Elektriker, das Licht ist richtig hell hier unten!“.

Es lässt mich jedes Mal verzweifeln, wenn Bands mit so tollen Musikern sich nicht aus der Deckung wagen und mal was Eigenes probieren, denn was könnten sie mit Ihren Fähigkeiten nicht alles erreichen? Aber vielleicht stehen sie sich auch gerade mit ihren Fähigkeiten selbst im Weg. Wir werden es vermutlich auch im Fall DIRA MORTIS nicht erfahren.

 

Release Date: 25.12.2020

Label: Selfmadegod Records

Line Up:
Leszek Makowiecki – guitar
Múcislaw – guitar, bass
Vizun – drums
Kuba Brewczynski – vocals

https://diramortis1.bandcamp.com/

DIRA MORTIS “Ancient Breath of Forgotten Misanthropy” Tracklist

1. Legions Heading For Eternity
2. Worshipping The Terror Of Madness
3. Sepulchlar Maniac (Audio bei YouTube)
4. Twilight Of Divine Purgatory?
5. The Falling Majesty Of Abomination
6. Forward To The Abyss Of Misanthropy
7. The Altars Fall