DESASTER: Churches Without Saints

DESASTER liefern, was man von DESASTER erwartet.

Schlanke 33 Jahre sind die Koblenzer Urgesteine DESASTER schon aktiv, wenn auch lediglich Gitarrist Infernal von Anfang an dabei war. Bassist Odin ist immerhin seit 1993 am Start und Sataniac, “der neue” am Mikro, feiert dieses Jahr auch schon zwanzigjähriges Dienstjubiläum. Das Küken in der Band ist Hont, der 2018 die Nachfolge von Kult-Drummer Husky angetreten hat und vorher bei – ihr ahnt es nicht – den deutschen Indie Rockern JUPITER JONES die Felle gestreichelt hat. Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass er in den Neunzigern auch schon mit Sataniac bei DIVINE GENOCIDE aktiv war.

Sataniac keift wie ein Pittbull und Infernal hat die passenden Riffs dazu

Mit “Churches Without Saints” veröffentlichten DESASTER ihr neuntes Studioalbum, fünf Jahre nach dem letzten Werk “The Oath Of An Iron Ritual”. Und die Koblenzer klingen immer noch so roh, unpoliert und tollwütig wie eh und je. Alleine das Gekeife von SATANIAC, welches stets ein wenig an einen tollwütigen Pitbull erinnert lässt den gemeinen Schönwettermetaller vermutlich vor Schreck auf den nächsten Baum springen. Darunter packt Urgestein Infernal seine typischen Riffs und Leads mit diesem groben Gitarrensound, der irgendwie nach rostigen Schwertern klingt. Schwerter für Satan natürlich!

Von Altersmilde haben DESASTER auch nach über dreißig Jahren nichts gehört

Nach dem Intro “The Grace Of Sin”, welches man schon wieder vergessen hat, bevor es ausgeklungen ist, brettert “Learn To Love The Void” im schönsten Up Tempo Ufta-Beat drauf los. “Exile Is Imminent” stimmt uns mit dem recht flotten Intro, bei dem Bassist Odin mal ein wenig im Spotlight steht auf einen Tanzflächenfeger ein, DESASTER entscheiden sich dann aber doch für die Variante Mid Tempo-Walze. Der Titelsong kommt sogar richtig fies schleppende daher, zählt für mich aber auch zu den stärksten Songs des Albums. “Hellputa” (ein Song über ne Ex von SATANIAC?) macht in einer wunderschönen Primitivität einfach alles platt, Vollgas in die Fresse. Und wer danach noch steht, für den treten DESASTER danach mit “Sadistic Salvation” das Gaspedal nochmal weiter durch.

DESASTER halten auf “Churches Without Saints” gut die Balance zwischen schnellem Geprügel und Mid Tempo

Allgemein halten DESASTER ganz gut die Balance zwischen schnellem Geprügel und der guten, alten, stumpfen Mid-Tempo-Keule, die den Kopf zum Rollen bringt. Mit dem sieben Minuten langen “Endless Awakening” haben DESASTER am Ende noch mal eine richtig geile Hymne platziert, bei der ich vor allem den im Hintergrund gut wahrnehmbaren Bass von Odin ziemlich großartig finde. Das eine oder andere Riff hier, meine ich zwar schon zu “Hellfires Dominion”-Zeiten gehört zu haben, wenn Recycling aber immer so gut funktionieren würde, wie hier, hätten wir echt einen Haufen Probleme weniger. Das Outro “Aus Asche” versprüht zum Abschluss Post Punk-Vibes. Was ist denn bitte hier los? Aber es klingt verdammt cool, wenn auch ziemlich überraschend. Schönes Stück, welches einen Hassbatzen von einem Album ruhig ausklingen lässt.

Stumpf ist Trumpf, nur der Sound ist etwas dumpf

Davon abgesehen rauscht “Churches Without Saints” mit der erwarteten Überraschungsfreiheit durchs Ohr. Wenn man DESASTER kauft, weiß man, was man bekommt. Kritisieren könnte man den etwas dumpfen Sound und manche Songs klingen schon sehr vertraut, sprich von der eigenen Diskographie inspiriert. Aber hey, DESASTER machen den Scheiß seit über dreißig Jahren, da darf man sich auch mal wiederholen. Alles in allem ist “Churches Without Saints” ein weiteres, starkes Album der Koblenzer, denen in diesem Genre keiner was vormacht.

Veröffentlichungsdatum: 04.06.2021

Spielzeit: 46:03

Line Up:
Satanic – vocals
Infernal – guitars
Odin – bass
Hont – Drums

 

Label: Metal Blade Records

Bandhomepage: http://www.total-desaster.com/
Facebook: https://www.facebook.com/666Desaster666
Bandcamp: https://desaster.bandcamp.com/

DESASTER Churches Without Saints Tracklist

1. The Grace of Sin
2. Learn to Love the Void (Video bei YouTube)
3. Failing Trinity
4. Exile Is Imminent
5. Churches Without Saints
6. Hellputa
7. Sadistic Salvation
8. Armed Architects of Annihilation
9. Primordial Obscurity
10. Endless Awakening
11. Aus Asche