CHAIN COLLECTOR: Forthcoming Addiction [Demo-CD]

Side-Projekt von GREEN CARNATION und CARPATHIAN FOREST-Musikern. Wer sich grob vorstellen kann, mit einer Mischung aus neueren NEVERMORE und GREEN CARNATION gut klarzukommen, der sollte sich näher mit CHAIN COLLECTOR befassen.

Nachdem GREEN CARNATION – für mich eine der ganz großen Hoffnungsträger im Heavy Metal – mit ihrem aktuellen Album The Quiet Offspring ein reinrassiges Licht-und-Schatten-Album veröffentlicht haben, in das ich bis heute noch nicht so recht reinfinden konnte, lagen all meine aktuellen Hoffnungen auf CHAIN COLLECTOR. Die Vorankündigungen eines Sounds, der grob eine härtere Ausrichtung von GREEN CARNATION darstellen sollte, ließen die Erwartungen sehr hoch steigen. Ganz überraschend traf bei uns dann ein 4-Track-Demo namens Forthcoming Addiction ein, das beinahe völlig untergegangen wäre und gerade noch rechtzeitig als das erste Lebenszeichen der Norweger identifiziert wurde.

Der erste falsche Eindruck: Licht und Schatten. Wobei beim ersten Hördurchlauf die Schattenseite sogar überwog. So lautete die erste grobe Wertung in etwa so: einfallsloses Riffing, gekünstelt auf modern getrimmt, einfallslose Melodielinien und inspirationsloses Songwriting.

Es gibt sie einfach, diese Alben, die einem zunächst eine vollkommen falsche Realität vorgaukeln und bei denen man nach vielen Hördurchläufen die Gefühle nach dem ersten Einlegen der CD nicht mehr nachvollziehen kann.

Die Erwartungshaltung spielt dabei sicher auch eine Rolle, also lösen wir uns als erstes von dem Gedanken, es mit einem GREEN CARNATION-Album in einem harten Soundgewand zu tun zu haben – schließlich sind an dem Album auch noch andere Musiker, u.a. von CARPATHIAN FOREST beteiligt, die ebenfalls ihren Beitrag zum Sound der Truppe leisten.

So steigt das Album mit einem ziemlich simplen, modernen Gitarrenriff ein, das man nach kurzer Zeit aber eher in die NEVERMORE-Richtung einordnet, als in die, die man allgemeinhin mit dem Begriff Nu Metal verbindet. Ähnlich wie die Musik von NEVERMORE funktioniert Wicked Mask dann auch. Die auf den ersten Blick ebenfalls relativ einfallslos wirkenden Melodielinien erweisen sich nach kurzer Zeit als echte Einbrenner und der wohl durchdachte Songaufbau begeistert mit jedem Hördurchlauf. Da steckt definitiv mehr dahinter, als man zunächst vermuten möchte. Die kleinen Gitarrensolo-Zwischenspiele lockern den Song sehr schön auf – wir erinnern uns: NEVERMORE – und der Beat drückt den Song immer gnadenloser in die Gehörgänge.

Winter Princess setzt genau an derselben Stelle an, geht ebenfalls gut nach vorne los und eröffnet mit einem schönen Gitarrenlead. Auch hier sind die Melodielinien wieder sehr simpel gehalten und doch wirken sie wie Ohrwürmer, die zum Glück nicht an den Nerven zerren. Zur richtigen Zeit dann wieder ein gekonnt eingebautes Break, das in einen unerwarteten Teil des Stückes überleitet und eine neue Fassette preisgibt. Immer mehr freundet man sich gleichzeitig mit dem roheren Gesangsstil von Kjetil Nordhus an, der vor allem im thrashigen Brückenteil richtig stark kommt und dem nochmals ein herrlich gemachter Übergang zum Refrain folgt.

Crucifixion erkennt man dann sofort als den GREEN CARNATION-Song der Demo-CD. Keine Frage, die ruhigen, sphärischen Gitarren und der typische Gesang zu Beginn des Stücks sprechen eine eindeutige Sprache. Das sind die Momente, für die man die Norweger liebt. Besonders bei diesem Song können die folgenden harten Riffs dann so richtig überzeugen. In Kombination mit den Sequenzern im Hintergrund kommt das mächtig heavy rüber. Sehr starke Kombination.

Fallen Angel erweitert den Stil dann nochmal um typische Göteborg-Elemente, die erneut alles andere als besonders einfallsreich sind, in der Kombination mit der Komplexität in den Feinheiten, den wohlgeformten Arrangements und dem melodischen Gesang von Kjetill Nordhus aber wieder einen besonderen Reiz erlangen.

Das endgültige Urteil ist also eindeutig: die Mischung funktioniert hervorragend! Kommt einem die Musik von CHAIN COLLECTOR im ersten Ansatz etwas zu einfach gestrickt und erzwungen vor, kann man nach kurzer Zeit wirklich nur von einem richtig starken ersten Lebenszeichen reden. Wer sich grob vorstellen kann, mit einer Mischung aus neueren NEVERMORE und GREEN CARNATION gut klarzukommen, der sollte sich näher mit CHAIN COLLECTOR befassen. In Kürze soll schon das erste Full-Length-Album der Band offiziell erscheinen und dann wird sich zeigen, wie sich die Band über ein ganzes Album hinweg verkauft. Ich persönlich verspreche mir davon jedenfalls eine ganze Menge!

Veröffentlichungstermin: April 2005

Spielzeit: 19:44 Min.

Line-Up:
Gøran Bomann – Guitar

Kjetil Nordhus – Vocals

Anders Kobro – Drums

Kjell Jacobsen – Guitar

Session:

Endre Kirkesola – Bass & keys

Produziert von Endre Kirkesola
Label: Eigenproduktion

Hompage: http://www.chaincollector.com

Tracklist:
1. Wicked Mask

2. Winter Princess

3. Crucifixion

4. Fallen Angel