ANUBIS: A Tower Of Silence

ANUBIS: A Tower Of Silence

Nach dem Debüt und Kritikerliebling „230503“ servieren uns ANUBIS mit „A Tower Of Silence“ wie erwartet einen würdigen Nachfolger. Stilistisch hat sich nichts Großartiges geändert. Auch auf diesem Konzeptalbum über ein 11-jähriges verstorbenes Mädchen, dessen Geist nach wie vor in ihrem Häuschen umherspukt und keine Ruhe findet, dominiert melodischer Prog-Rock, der ganz und gar nicht unheimlich klingt, aber dennoch zu überzeugen weiß.

Die im Info erwähnten 40 Jahre Musikgeschichte höre ich im Sound der Australier nur relativ selten, vielmehr scheint die Band eindeutig von Achtziger-Veteranen wie MARILLION oder IQ inspiriert. Vor allem Letztere kommen mir beim Genuss von „A Tower Of Silence“ immer wieder in den Sinn, was zum Einen an der sanften, einschmeichelnden Stimme von Robert James Moulding liegt, die mich immer mal wieder an Peter Nicholls erinnert. Zum Anderen legen ANUBIS sehr viel Wert auf ausgefeilte Melodien mit Ohrwurmcharakter, sodass selbst die schlappen 17 Minuten des Openers „The Passing Bell“ überhaupt nicht fordernd oder komplex wirken, sondern sich ruckzuck festsetzen. Überragend ist auch der Sound, der der Musik Raum zum Atmen lässt und ganz und gar nicht an plastische wirkende Neo-Progger erinnert.
Ebenfalls herausragend: die niemals überladene Instrumentierung, bei der immer zum richtigen Zeitpunkt das richtige Instrument das Richtige macht. Egal ob es sich um sphärisch-melodische Synthesizer-Flächen oder um dezente Aku-Gitarren handelt, alles steht im Dienste des Songs und die Band vermeidet es, die Stücke künstlich zu überfrachten. Vor allem die Tasteninstrumente in jeglicher Form tragen durch einfache Flächen, die mehr durch Sound als durch Spiel prägen, enorm zur Atmosphäre bei und lassen einen immer wieder wohlige Schauer über den Rücken laufen

Einziger Kritikpunkt dürfte wohl einmal mehr die enorme Länge von über 72 Minuten sein, wobei ich grundsätzlich eben nicht der Fan überlanger Alben bin. Da es erwartungsgemäß keine härtetechnischen Ausbrüche gibt, kommt mir die Spielzeit aufgrund der ruhigen Gesamtausrichtung eben erst recht lang vor. Das ändert so oder so nichts daran, dass „A Tower Of Silence“ für Prog-Rocker eine lohnenswerte Anschaffung darstellt und den meisten Veröffentlichungen aus diesem Bereich überlegen ist. ANUBIS komponieren ohne Selbstverliebtheit, das hört man dann eben auch zu jeder Sekunde heraus.

Veröffentlichungstermin: 01.09.2011

Spielzeit: 72:16 Min.

Line-Up:
Robert James Moulding – vocals, percussion, guitar soundscapes

Douglas Skene – electric guitar, 12 string guitar, classical guitar, vocals

Dean Bennison – electric and acoustic guitar, 12-string guitar, lap steel guitar, vocals

Nicholas Antionette – bass, vocals

David Eaton – organ, mellotron, piano, moog, synthesizers, guitar, vocals

Steven Eaton – drums, percussion, vocals

Produziert von Dean Bennison, David Eaton & Robert James Moulding
Label: Bird´s Robe Records / Just for Kicks

Homepage: http://www.anubismusic.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/anubismusic

Tracklist:
01. The Passing Bell (Parts I – VI)
02. Archway Of Tears
03. This Final Resting Place
04. A Tower Of Silence
05. Weeping Willow
06. And I Wait For My World To End
07. The Holy Innocent
08. All That Is…
I. Light Of Change
II. The Limbo Of Infants
III. Endless Opportunity

Ulle