ANNIHILATOR: Metal

ANNIHILATOR: Metal

Metal ist laut Jeff Waters eines der coolsten Gitarren-Alben aller Zeiten und die stärkste Scheibe seiner Karriere. Nun ja, letzteres behauptet Mr. Waters ja schon in verschiedenen Formulierungen seit mindestens 3 Alben. Nun also Metal, ein Titel der verpflichtet. Und um den Titel noch ein wenig zu untermauern, lud sich Mr. Waters gleich eine ganze Wagenladung an metallischer Prominenz ins Studio. Alles Leute, die sich als langjährige ANNIHILATOR-Fans geoutet haben und nun ein Album des Riff-Meisters mit ihren Gitarrenkünsten bereichern dürfen. Ausnahme ist hier Angela Gossow, die nur schreien darf. Der Opener Clown Parade lässt sich erst mal gar nicht schlecht an. Waters-typisches Stakkato-Riffing und ein Jeff Loomis, der mit einem großartigen Solo auftrumpfen kann. Aber der Bremsklotz kommt in Form von Frontmann Dave Padden. Gehen seine Shouts, trotz relativer Abwechslungs-Armut, eigentlich über die komplette Albumdistanz in Ordnung, kommt er an allen möglichen, unpassenden Stellen mit melodischem Gewinsel daher. Auch die Ohoho-Chöre zerstören den Song eher, als dass sie ihn aufwerten. Auch Couple Suicide mit Danko Jones hätte was werden können, eine ANNIHILATOR-untypische Rock-Nummer, die ganz klar von Dankos coolem Spiel lebt. Aber die wiederum völlig unpassenden Heavy-Passagen, die zwischendurch eingestreut werden, klingen genauso deplatziert wie Angela Gossows Gekeife im Hintergrund. Letzteres hätte man lieber an einigen Stellen als Ersatz für Dave Paddens Emo-Gejaule einbringen können. Die Metal-Hymne Army Of One, in der die großen Metal-Bands aufgezählt werden, ist genauso unspektakulär wie die meisten der folgenden Songs.

Irgendwann kurz vor Schluss kommt Metal dann doch noch etwas besser in Fahrt. Den ersten Lichtblick bietet die Riff-Granate Haunted. Double-Bass Geknatter bis zum Äußersten und ein Jesper Strömblad, der zeigt, dass er auch noch old-school kann, wenn er will. Leider ist der Song mit 8 Minuten etwas lang geraten, was Dave Padden im Mittelteil mal wieder für einen Ausflug in melodischere Gefilde nutzt. Etwas gestrafft wäre der Song noch besser gewesen aber immerhin. Bei Kicked erhält Jeff Waters Rückendeckung von TRIVIUM-Klampfenass Corey Beaulieu und liefert ein weiteres Highligt der Scheibe ab. Soli vom Feinsten sage ich nur! Detonation geht dann leider wieder unter. Mit Chasing The High gibt es zum Abschluss das dritte und letzte Highlight auf Metal. Da wird man sogar mit einem, verdächtig nach Alice im Wunderland, respektive in der Hölle klingenden Solo überrascht. Liegt es an mir oder sind ANNIHILATOR nur dann richtig gut, wenn sie drauf los prügeln? Nun ja, zumindest auf dieser Scheibe trifft das definitiv zu.

Was lehrt uns diese Scheibe also: Zum einen, dass Dave Padden – sicherlich nicht der beste Sänger, den ANNIHILATOR je hatten – dringend mal darüber nachdenken sollte, ob er Songs, die gute Ansätze haben, unbedingt mit falsch platziertem, melodischem Gesang an die Wand fahren muss. Manchmal muss ein Shouter halt einfach nur brüllen und gut is. Dass Metal aber letztendlich scheitert, liegt sicherlich nicht an Dave Padden. Da wäre zum anderen noch die Erkenntnis, dass es der Produktion gewaltig an Cojones mangelt. Ziemlich schlapp das Ganze. Und ja, jede Menge Gast-Musiker machen noch lange kein herausragendes Album. Um noch mal auf Jeff Waters Aussagen zu Metal zurück zu kommen: Ja, auf Metal sind einige hervorragende Gitarren-Parts zu hören, aber alleine Jeff Loomis liefert auf jeder NEVERMORE-CD bessere Soli im Dutzend ab. Sorry, aber vom coolsten Gitarren-Album aller Zeiten ist Metal ziemlich weit entfernt. Und vom besten Album in Jeff Waters Karriere ebenfalls. Dass er die alten Klassiker nicht mehr einholen würde, war eh klar, aber auch ein Album wie Carnival Diablos steht qualitativ ganz klar vor der neuen Scheibe. Und als letztes: Nein, richtig beschissen ist Metal nicht geworden, aber bis auf 3 Songs erschreckend belanglos. Alte ANNIHILATOR-Fans werden das Teil wohl trotzdem kaufen, allen anderen sei empfohlen, sich zum Einstieg lieber die ersten zwei Scheiben zuzulegen.

Veröffentlichungstermin: 13.04.2007

Spielzeit: 55:03 Min.

Line-Up:
Dave Padden – lead & backing vocals
Jeff Waters – lead & rhythm guitars, bass, lead vocals on Operation Annihilation
Mike Mangini – drums

Label: SPV/Steamhammer

Homepage: http://www.annihilatormetal.com

Tracklist:
01. Clown Parade – feat. Jeff Loomis (NEVERMORE)
02. Couple Suicide – feat. Danko Jones (DANKO JONES) & Angela Gossow (ARCH ENEMY)
03. Army Of One – feat. Steve Lips Kudlow (ANVIL)
04. Downright Dominate – feat. Alexi Laiho (CHILDREN OF BODOM)
05. Smothered – feat. Anders Bjørler (THE HAUNTED)
06. Operation Annihilation – feat. Michael Amott (ARCH ENEMY)
07. Haunted – feat. Jesper Strømblad (IN FLAMES)
08. Kicked – feat. Corey Beaulieu (TRIVIUM)
09 . Detonation – feat. Jacob Lynam (LYNAM)
10. Chasing The High – feat. Willie Adler (LAMB OF GOD)

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.