ANNA KATHARINA: Saitensprung

ANNA KATHARINA: Saitensprung

Da ich den Erstling „Neuland“ bislang leider verpasst habe, kam ich erst jetzt in Kontakt mit Anna Katharina Kränzleins Soloprojekt. Ärgerlich, wie ich finde, denn was die SCHANDMAUL-Geigerin auf ihrem Zweitwerk „Saitensprung“ präsentiert, ist Instrumentalmusik auf höchsten Niveau. Zugegeben, der Albumtitel selbst ist nicht unbedingt originell, doch dafür sind es die elf Arrangements umso mehr.

Von schnellem, tanzbarem Folk, über anspruchsvolle Klassik, bis hin zu orientalischen Klängen wie in „Nimbu Pani“ reicht die musikalische Bandbreite auf „Saitensprung“. Bei letzterer Nummer und bei „Loibere Risen“, welches bereits im Jahr 2005 auf „Renaissance“ von den Pagan-Folkern FAUN vertont wurde und das auch in ANNA KATHARINAs Interpretation nicht auf Gesang verzichten muss, wechselt die Münchnerin sogar von der Geige zur Drehleier, was dem Album dank zusätzlicher Klangfarben größeren Abwechslungsreichtum verschafft.

Die Arrangements auf „Saitensprung“ sind durchgehend spannend

Nun mögen vielleicht dennoch Zweifel aufkommen, ob eine fast ausschließlich von der Violine getragene Instrumentalplatte über komplette Albumlänge ausreichend Facettenreichtum besitzt. Aber auch hier kann Entwarnung gegeben werden. ANNA KATHARINA ist selbstverständlich eine viel zu professionelle und versierte Musikern, um dem Hörer mit pausenlosem Gefiedel auf die Nerven zu gehen. Stattdessen hat sie zusammen mit Produzent Günther Gebauer und ihren Freunden Michael Ende am Bass sowie Specki T.D. am Schlagzeug (beide LETZTE INSTANZ) durchweg spannende und mitreißende Arrangements ausgearbeitet.

So wissen Eigenkompositionen wie das folkige „Flying Cow“ oder die überaus gelungene James Bond-Hommage „Geschüttelt – Nicht Gerührt“ ebenso zu überzeugen wie Edvard Griegs „In Der Halle Des Bergkönigs“. Auch die Eigeninterpretation von Johann Sebastian Bachs „Solopartita in Bach Partita E-Dur“ darf zweifelsohne zu den Höhepunkten des Albums gezählt werden. Einzig auf das abschließende „Hallelujah“ aus der Feder Leonard Cohens hätte ich persönlich verzichten können. Aber angesichts des sonst durchweg starken Materials trübt das den Gesamteindruck nur unwesentlich.

ANNA KATHARINA bannt die Leidenschaft zu ihrem Instrument auf CD

Fakt ist, dass ANNA KATHARINA mit „Saitensprung“ ein kurzweiliges und hochabwechslungsreiches Album gelungen ist, welches den Hörer die Leidenschaft der Musikerin zu ihrem Instrument während jeder Sekunde spüren lässt. In optischer Hinsicht äußert sich diese durch eine edle Aufmachung im Digipack, dessen Booklet neben geschmackvollen Fotografieaufnahmen der Künstlerin auch kurze Hintergrundinformationen zu jedem Song enthält. Kurzum, wer sich also – wie ich – bislang noch nicht auf „Neuland“ gewagt hat, sollte spätestens jetzt einen musikalischen „Saitensprung“ ernsthaft in Betracht ziehen.

Veröffentlichungstermin: 16.10.2009

Spielzeit: 39:57 Min.

Line-Up:
Anna Katharina Kränzlein – Geige, Bratsche, Drehleier, Gesang
Günther Gebauer – Gitarre, Keyboards, Gesang, Programmings & Arrangements
Martin Kälberer – Udu
Michael Ende – Bass
Specki T.D. – Drums & Percussion

Produziert von von Günther Gebauer
Label: F.A.M.E. Recordings

Homepage: http://www.annakatharina-saitensprung.de

ANNA KATHARINA „Saitensprung“ Tracklist

01. Captain Islay
02. In Der Halle Des Bergkönigs
03. Nimbu Pani
04. Zigeunerweisen
05. Loibere Risen
06. Hüttenlargo – Nuttentango – Glückskeks
07. Flying Cow
08. Geschüttelt – Nicht Gerührt
09. Bach Partita E-Dur
10. Close Your Eyes – Version Anna Katharina
11. Hallelujah

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.