AMORIELLO: Phantom Sounds

Es ist halt immer wieder spannend, was Thomas uns als nächstes bietet unter seinem Banner AMORIELLO. Schräg ist es schon, wie er es auf der einen Seite schafft, für sein Projekt hochkarätige Musiker zu gewinnen. Um dann das Ergebnis ausschließlich auf Vinyl oder Tape anzubieten wie bei seiner ersten Single, beim Debütalbum oder der EP “Near Dark”. Musik für Freaks, die den klassischen Hard Rock, Neo-Klassik-Metal und Gitarrengeschredder lieben. Präsentiert von einem total sympathischen Mann, der nicht nur als Musiklehrer arbeitet oder als Kollege für das Boston Rock Radio geschrieben hat. Highlight bleiben immer noch seine Kinderbücher, wo er über das Thema Musik Kindern die Welt und das Miteinander erklärt. Mehr über Thomas kann man auch in unserem Interview von 2019 lesen.

Im März ist sein aktuelles Album „Phantom Sounds“ erschienen. In Lambertville, New Jersey war man diesmal ganz zeitgemäß, es erschien als CD über Shredguy Records aus Columbus/Ohio sowie digital. Nun folgt die Vinylauflage bei unserem heimischen Hamburger Label H42 Records. Darauf gibt es wie zu erwarten wieder klasse Musik, die schon typisch nach dem klingt, was AMORIELLO bisher präsentiert hat, aber auch neue Töne erklingen lässt.

AMORIELLO bietet auf „Phantom Sounds“ Vertrautes und Neues

Mit „Villain“ zeigt AMORIELLO gleich kraftvoll, dass er nichts verlernt hat, im Gegenteil. Schwedischer Hard Rock trifft auf harte RAINBOW im Duell mit 80er BLACK SABBATH und DIO. Ein toller Song, der zum Mitwippen, gern auch dezentem Bangen, zumindest aber zum Spaß haben einlädt. Wie auf dem ganzen Album sitzt hier Cameron Fleury (TERRORHORSE) an den Drums, Giovanni Sena (AGE OF ARTEMIS) am Bass sowie Anthony Stahl (DEADRISEN) an den Keyboards. Und mit Herbie Langhans (FIREWIND, KAMELOT, AVANTASIA u.a.) nebenan aus Hannover hat er die perfekte Stimme gefunden. Das gilt auch für „Unruly King“, eine griffige Uptempo-Nummer, wieder viel Schweden-Metal drin, frühe EUROPE treffen auf Thomas´ Liebling MALMSTEEN. Und wieder die perfekte Stimme für den Song, diesmal von POWER THEORY´s Jim Rutherford. Beim ruhigeren, fast doomigen „Medieval Warrior“ kommen sie inklusive Gitarrensolo von Piet Sielck von IRON SAVIOR. Dieser starke Auftakt macht wieder deutlich, dass AMORIELLO seinen Gästen den größtmöglichen Raum bietet und sich selbst songdienlich zurückzieht, um sich dann natürlich aber immer wieder mit klasse Gitarren nach vorne zu drücken.

AMORIELLO hat die passenden Gäste geladen für „Phantom Sounds“

Bei „Haunted“ gibt es wieder eine kraftvolle Nummer mit rauen, teils erzählerischen Vocals von Titta Tani (SHINING FURY, ARTHUR FALCONE’ STARGAZER) und passenden, epischen Keyboard-Teppichen. Macht auch Lust, mal wieder eine AXEL RUDI PELL-Platte rauszuziehen. Beim feurigen „Funhouse Opus 13“ zeigt Thomas dann doch seine Leidenschaft fürs Gitarresägen. Unterstützt wird er dabei von Sonia Nusselder (SONIA ANUBIS, BURNING WITCHES) und Bobby Koelbe von DEATH. Eine wilde Abfahrt, die natürlich richtig Spaß macht. Alles bisher durchaus typisch AMORIELLO, überraschend aber doch der „Witching Hour Blues“. Zäh mit tollen, melodischen Vocals von Titta kriecht der Song irgendwo zwischen doomiger Trägheit und grungigem Dreck durch bluesige Sümpfe. Sperrig zappelig geht es dann bei „Mach 5“ zur Sache, Will Shaw (DEADRISEN, RUST BELT GOTHIC) schraubt seine Stimme gern mal in schmerzhafte Höhen. Prrrrkkk ist das Weinglas gesprungen. Irgendwie lässt einen der Song mit einem Grinsen zurück, die Jungs hatten sicher viel Spaß beim Aufnehmen. Vorbei ist der Spaß dann mit „Candelabra“. Nicht weil es schlimm ist, im Gegenteil. Zart akustisch zeigt Thomas hier seine Liebe für die klassische Gitarre. Episch, sphärisch, schwebend mit keltisch anmutendem Singsang der Argentinierin Melitza Torres (LILIUMDUST).

AMORIELLO hat mit „Phantom Sounds“ seinen bisher besten Release raus gehauen

Wer die ersten Releases von AMORIELLO kennt, der fühlt sich auf „Phantom Sounds“ sofort zuhause. Immer noch sind 80er BLACK SABBATH und DIO erkennbar, viele Verbeugungen gehen Richtung RAINBOW und DEEP PURPLE, auch durch die Keyboards von Anthony Stahl und Ariel Perchuk (KENZINER, LILIUMDUST). Die hier weitaus eingebetteter klingen und nicht als Füllsounds dienen, oft zum genauer Hinhören einladen. Die Rhythm-Section legt ein passendes Fundament für die Gitarrenarbeit des Hausherrn. Thomas AMORIELLO´s Liebe für MALMSTEEN weicht einem breiteren Feld schwedischer Hard`n´Heavy-Bands, wobei sein Held natürlich weiterhin immer mal durchklingt. Als Gitarrist erkennt man gut, wen Thomas beim Ausarbeiten seiner Gitarrenarbeit im Kopf hatte. Ohne dabei in platte Zitate der Vorbilder zu verfallen, es klingt immer nach AMORIELLO. Zusammen mit starken, passenden Stimmen und klasse Musikern hat er, das kann man so in Stein meißeln, seinen bisher besten Release raus gehauen. Dem Thomas gemeinsam mit Co-Produzent Carlos Alvarez ein kraftvoller, zeitloser Sound verpasst hat. Gemastered wurde das Album von Brett Caldas-Lima in den Tower Studio (Montpellier, Frankreich).

„Phantom Sounds“ sollte jedem Freund des traditionellen Metal/Hard Rock gefallen, der bei den genannten Bands aufhorcht. Es wäre Thomas zu wünschen, dass er sich mit dem neuen Album auch bei uns mit AMORIELLO einen festen Namen schaffen kann.

Veröffentlicht am 16.09.2022 (Vinyl) / 13.03.2022 (CD)

Spielzeit: 35:09 Min.

Lineup:
Thomas Amoriello – Lead & Rhythm Guitars, Co-producer
Cameron Fleury – Drums
Giovanni Sena – Bass
Ariel Perchuk – Keyboards (2,3,5,7)
Anthony Stahl – Keyboards (1,4,5,8)

Special Guests:
Herbie Langhans – Vocals (1)
Piet Sielck – Vocals, guitar solo (3)
Sonia Anubis – Guitar Solo # 2 (5)
Bobby Koelble – Guitar Solo #3 (5)
Titta Tani – Vocals (4,6)
Will Shaw – Vocals (7)
Jim Rutherford – Vocals, additional lyrics (2)
Melitza Torres – Vocals (8)

Label: H24 Records (Vinyl) / Shredguy Records (CD)

Homepage: https://thomasamoriello.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/thomas.amoriello.54

Die Tracklist von “Phantom Sounds”:

1. Villain (Lyrics-Video bei YouTube)
2. Unruly King
3. Medieval Warrior
4. Haunted
5. Funhouse Opus 13
6. Witching Hour Blues
7. Mach Five
8. Candelabra