ALPHAVILLE: Eternally Yours [2CD]

ALPHAVILLE? Wieder mal Popmusik bei Vampster? Ja ja, ich hab mich auch weggeduckt bei der ersten Ankündigung von „Eternally Yours“. Aber der Promoter des Vertrauens zieht seine musikalische Späterziehung gnadenlos durch, und er weiß, warum. ALPHAVILLE muss niemand vorstellen, vor allem Mitte der 80er waren die Jungs aus Münster die deutsche erfolgreiche Antwort auf die angesagten New Wave/Synthie-Pop-Bands. Kurz ein „Foreeever Young“ oder was Großes aus Japan angedeutet, und jeder hat unweigerlich einen hartnäckigen Ohrwurm im Kopf. Dabei handelt es sich bei ALPHAVILLE nicht um eine Trend-Eintagsfliege, offensichtlich sind sie durchgehend immer mal mehr oder weniger aktiv. Und liefern nun mit dem Doppel-Album „Eternally Yours“ eine etwas andere „Best Of“.

ALPHAVILLE lifern auf „Eternally Yours“ 40 Jahre Bandgeschichte im klassischen Gewand

Sänger Marian Gold hat die Hits aus 40 Jahren Bandgeschichte neu aufgenommen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Statt kleinem Ensemble in der Studioecke gibt es die große Besetzung, die Zahl der beteiligten MusikerInnen ist beeindruckend. Man braucht also nicht an schillernde 80er Diskolichter und Plastikbeats denken, hier ist echte Musik angesagt. Schwer breitet sich anfangs „Dream Machine“ aus, bevor ein dezenter Groove einsetzt. Theatral, kurz blitzen PINK FLOYD auf. Spätestens bei „Summer In Berlin“ hört man genau hin, was die Musiker dort abliefern, überall gibt es tolle Momente zu entdecken. Da sind unverkennbar Profis am Werk. Darauf ruht sich der Hausherr Marian Gold nicht aus, er zeigt auf dem kompletten Album, wie vielseitig er seine angenehme Singstimme einsetzt. Krass, wie seine gereifte Stimme immer mal die jugendlichen Vibes mitbringt, welche die Hits damals geprägt haben.

Marian Gold erfreut mit gereifter Stimme und jugendlichen Vibes, welche die Hits damals geprägt haben

So macht es wirklich Spaß, die peppige Umsetzung von „Big In Japan“ zu verfolgen, wie erwartet Ohrwurm-Alarm! Dabei sind es die ruhigen Songs, die mir weitaus besser gefallen. Vielleicht auch, weil ich nur die frühen Megahits kenne und viele Songs für sich stehen, da ich die Originale nicht kenne. Schließlich war man damals voll Metal und hat sowas nicht gehört! Oder wenn, dann heimlich. „Dance With Me“ lädt melancholisch wieder zum Zuhören ein, ein beswingter „Summer Rain“ für die SINATRA/DEAN MARTIN-Fraktion. „Apollo“ hat einen dezenten BOWIE-Touch, bei „Elegy“ mag man trotz anderer Stimmfarbe immer mal an den großen Freddy Mercury denken, noch mehr bei „MoonGirl“. Bei „Lassie Come Home“ kommt JETHRO TULL im Klassikgewand mit ohne Flöte vorbei. Es bleibt total interessant, wie Marian Gold die Vocals variiert und wie großartig das Orchester aus den Songs eine Größe herausholt, die sie im originalen Plastiksound natürlich nicht zeigen konnten.

Das Orchester holt aus den ALPHAVILLE-Songs eine Größe heraus, die sie im originalen Plastiksound nicht zeigen konnten

Auf der zweiten CD geht es etwas lauter zur Sache, ein spinniges Theremin wabbert „A Victory Of Love“ in ferne Galaxien, den Hit „Sounds Like A Melody“ erkenne auch ich. Weiter geht es, mal ruhiger, mal zappelig tanzbar. Die zweite Hälfte der CD gehört nochmal den größten Hits in verschiedenen Versionen. „Forever Young“ in einer dem Original nahen Version, die zeigt, dass der Song ohne Plastiksound auch heute noch funktioniert. Auch mit gezupftem Cello, zarten Holzbläsern und singenden Violinen oder als passender Single-Mix. Ähnlich werden auch „Big In Japan“ und „Sounds Like A Melody“ nochmals durchgerührt. So geballt ist dann jede Chance vertan, diese Melodien wieder aus dem Kopf zu kriegen.

Wer ALPHAVILLE mag, der bekommt hier großes Kino

Es ist durchaus beeindruckend, was hier geboten wird. Frontman/Bandkopf Marian Gold lebt sich aus und zeigt, dass hier ein gewachsener Musiker steht. Der sich diese charismatische, immer noch jugendliche Stimme bewahrt hat. Die er so gut ausspielen kann, weil ihm das Orchester Babelsberg eine fantastische Umsetzung der Lieder als Fundament legt. Man hört gern genau hin, immer neue Kleinigkeiten treten hervor. Alles klingt gefühlsecht, nach konzentriertem Spaß, und das in einem kraftvollen, differenziertem Sound, der viel Raum lässt für das Dynamikspiel der Instrumente. Dazu kommt eine hübsche Aufmachung, „Eternally Yours“ erscheint auch als 3-Vinyl-Version.

„Eternally Yours“ wurde unverkennbar mit Leidenschaft für diese Musik gemacht. Marian Gold und seine beiden Arrangeure Max Knoth und Christian Lohr haben den Songs ein ganz neues Bild gegeben. Der anfängliche Gedanke, man versucht aus alten Hits nochmal was rauszupressen, ist schnell verflogen. Wer ALPHAVILLE mag, der bekommt hier großes Kino. Wer sich für interessante klassische Umsetzung von Popmusik interessiert ist hier richtig. Wer ALPHAVILLE bisher nicht mochte, der kann sie hier neu entdecken, wenn er keine Angst hat vor klassischen Instrumenten.

Veröffentlicht am 23.09.2022

Spielzeit: 55:30 / 56:27 Min.

Label: Neue Meister / Edel

Homepage: https://www.alphaville.info

Mehr im Web: https://www.facebook.com/alphavilleofficial

Die Tracklist von “Eternally Yours”:

CD 1:
1. Dream Machine
2. Summer In Berlin
3. Big In Japan
4. Dance With Me
5. Summer Rain
6. Apollo
7. Elegy
8. Lassie Come Home
9. MoonGirl
10. Welcome To The Sun

CD 2:
1. A Victory Of Love
2. Sounds Like A Melody
3. Around The Universe
4. Eternally Yours
5. Diamonds Are Forever
6. Flame
7. Forever Young (Video bei Youtube)
8. Big In Japan (BassRoque Version)
9. Sounds like A Melody (Chamber Version)
10. Forever Young („Petite“)
11. Big In Japan (Single Edit)
12. Sounds Like A Melody (Single Edit)
13. Forever Young (Single Edit)