ALPHA TIGER: Beneath The Surface

ALPHA TIGER: Beneath The Surface

Zitat aus dem Labeinfo: ALPHA TIGER, der lebende Beweis dafür, dass traditioneller Heavy Metal nicht zwangsläufig von gesetzten Damen und Herren dargeboten werden muss, holen mit ihrem Album Beneath The Surface zum zweiten Schlag aus. Ähm…? Nicht zwangsläufig von alten Herren? Haben die Jungs und Mädels von Century Media die letzten Jahre unter einem Stein gelebt? Das Land Schweden ist aber ein Begriff, oder? Wenn ich mir die ganzen Re-Releases der letzten Monate anschaue, scheint zumindest irgendwer bei CM schon mal davon gehört zu haben. Neben diversen Death Metal-Bands soll es da auch ein oder zwei (Dutzend) jüngere Bands geben, die dem traditionellen Metal frönen. Hab´ ich gehört. Nun ja, ALPHA TIGER also. Das Artwork des ersten Albums, der Bandname und  die Bandfotos führten leider dazu, dass ich mich erst mal nicht weiter mit den Jungs beschäftigt habe. Hat mich irgendwie alles nicht angesprochen. Ein Fehler, wie sich jetzt herausstellt. Aber gut, man ist ja lernfähig. Zwar ist das Artwork von Beneath The Surface ebenfalls nicht wirklich prall, der Inhalt entschädigt aber. Nein, ich meine nicht das Booklet. Die Musik meine ich.

Hier können ALPHA TIGER nämlich auftrumpfen. Klar, junge Bands, die alten Metal spielen, gab es in den letzten Jahren – siehe oben – mehr als genug. Während sich aber vor allem die schwedischen Vertreter größtenteils an IRON MAIDEN und MERCYFUL FATE orientieren, gehen diese Sachsen hier einen gänzlich anderen Weg. ALPHA TIGER klingen eigentlich kaum europäisch sondern viel mehr nach US Power Metal der melodischen, manchmal leicht progressiven Sorte. QUEENSRYCHE oder auch LETHAL sind mir als erstes durch den Kopf geschossen. Auch die frühen FATES WARNING lassen sich als Einfluss erkennen. Da passt es auch, dass Sänger Stephan Dietrich wie eine Mischung aus dem jungen Geoff Tate und John Arch klingt. Aber auch Fans von PHARAOH – um mal eine aktuelle Band zu nennen – werden wohl ihre Freude an Beneath The Surface haben.

Es ist schön zu sehen, beziehungsweise zu hören, dass es auch noch junge Bands gibt, die diesen Stil spielen und nicht den üblichen Verdächtigen nacheifern. Dieser Sound wird heute nicht mehr allzu oft gespielt – dafür alleine muss man diese Band eigentlich schon gerne haben. Erwähnen muss man auch die beiden Gitarristen Peter Langforth und Alexander Backasch, die hier wirklich Überragendes zum Besten geben. Die beiden hauen hier Soli und unglaublich schöne, mehrstimmige Harmonien raus, es ist zum Niederknien. Und erst das Songwriting! Nach dem Intro hauen ALPHA TIGER mit The Alliance und From Outer Space, zu dem auch ein Video gedreht wurde, erst mal zwei Up Tempo-Nummern raus, bei denen die beiden Gitarristen schon ein cooles Solo nach dem anderen raushauen und Stephan Dietrich in höchsten Tonlagen singt.

Was die Jungs aber mit dem folgenden, epischen Waiting For A Sign abliefern, stellt alles andere in den Schatten. Gesanglich zeigt sich Stephan Dietrich hier von seiner allerbesten Seite, von einfühlsamem, ruhigem Gesang während des balladesken Beginns bis zu hohen Schreien, alles mit jeder Menge Gefühl. Dazu die grandiosen Gitarrenharmonien. Meine Herren, in der Hinsicht hängen diese Sachsen gerade mal den Großteil der schwedischen Konkurrenz dermaßen ab, dass diese nur noch die Rücklichter am Horizont verschwinden sehen.Ganz großes Kino! Dieses Niveau halten natürlich nicht alle Songs, doch das war auch nicht zu erwarten. Aber dass wir uns nicht falsch verstehen, der Rest der Songs mag nicht ganz an diese Großtat herankommen, ist aber immer noch verdammt gut bis überragend. Da wäre zum Beispiel das super eingängige Along The Rising Sun, das vertrackte Eden Lies In Ruins oder der hymnische Rausschmeißer We Came From The Gutter.

Bemerkenswert ist auch, dass ALPHA TIGER sich nie auf zu platte Refrains einlassen, sondern auch hier etwas anspruchsvoller zu Werke gehen. Das mag nicht immer so einfach ins Ohr gehen wie die Bierzelt-Refrains manch anderer Bands, sorgt aber auch dafür, dass sich die Songs nicht so schnell abnutzen. Das alles macht zusammen ein herausragendes Album, bei dem jeder Fan anspruchsvollen, melodischen Heavy Metals zuschlagen sollte. Beneath The Surface wird am Ende des Jahres, da bin ich mir ziemlich sicher, in vielen Jahresbesten-Listen ganz weit vorne stehen.

Veröffentlichungstermin: 25.01.2013

Spielzeit: 56:42 (ohne Bonustracks) Min.

Line-Up:
Stephan Dietrich – vocals, piano
Peter Langforth – guitar, backing vocals
Alexander Backasch – guitar
Dirk Frei – bass
David Schleif – drums

Produziert von Mirco Godi Hildmann @ Musicflash Studio, Berlin
Label: Century Media

Homepage: http://www.www.alphatiger.de

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/AlphaTigerBand

Tracklist:
01. Intro
02. The Alliance
03. From Outer Space
04. Waiting For A Sign
05. Beneath The Surface
06. Along The Rising Sun
07. Eden Lies in Ruins
08. Rain
09. Crescent Moon
10. We Came From The Gutter
Bonus tracks Limited Deluxe Edition:
11. S.D.I. (LOUDNESS cover)
12. Flight Of The Warrior (RIOT cover)

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.