AEVERIUM: The Harvest [EP][Eigenproduktion]

AEVERIUM: The Harvest [EP][Eigenproduktion]

Vor gut 10 Jahren, als selbst der allerallerallerhärteste Metaller bei My Immortal eine Gänsehaut bekam, fetter als die Nietenarmbänder der letzten überlebenden True-Metaller,  hätte man sicher übersättigt abgewunken und eine Band wie AEVERIUM in den Topf der zahllosen EVANESCENCE, LACUNA COIL oder WITHIN TEMPTATION-Klone geworfen. Wenn aber heute eine Band solch einen Sound fährt, lange nach dem Megatrend, dann meint sie es ernst! Mit reichlich Selbstbewusstsein, man will ganz bescheiden die ganze Welt erobern, und mit der 4-Track-EP The Harvest im Gepäck präsentiert die Band vom Niederrhein einen starken Einstand.

Der Opener zeigt sich dann gleich mal als große Verneigung vor LACUNA COIL. Woran viele Bands schon oft gescheitert sind, aber AEVERIUM machen gleich alles richtig. Die kraftvolle helle Stimme von Aeva Maurelle ist der von Cristina without fucking H recht ähnlich, ebenso die Melodieführung. Als Gegenpart präsentiert Marcel Römer eine erfreulich fette, rockige, auch mal derb aggressive Stimme (optisch eh eher der Typ Hardcore-Brüllbär) – ein Kontrast, der sofort Spaß macht. Während viele Sänger in solchen Bands die Sängerin nur ergänzen können, bekommt er hier verdient reichlich eigenes Rampenlicht. So auch beim düsteren Rest In Peace, das mich dazu gebracht hat, nach Ewigkeiten mal wieder die October Rust und Bloody Kisses zu hören, eine schöne Verbeugung vor Peter Steele! Während sich Marcel noch mal beim heavy groovenden Gothic-Kracher Heaven´s Burning mit dezentem H.I.M.-Touch und cremigem Hardrock-Solo in den Vordergrund schiebt, gehört Aeva der balladeske Schlusstrack The Ground Beneath Your Feet, sehr schön die Streichereinlagen. Wer die genretypischen Balladen mag, der wird auch hier dahin schmelzen.

Die bärigste Sänger und die knusprigste Frontfrau nützen aber wenig, wenn die Band nichts drauf hat, und auch hier ist alles im TYPE O-grünen Bereich. Alle zeigen sich als versierte Musiker, auf ganz große Wow-Momente muss man allerdings verzichten. Eine Reise unterm Kopfhörer lohnt sich trotzdem, Momente zum genauer Hinhören gibt es reichlich. Dagegen wird es aber wirklich schwer, irgendwas zum Nörgeln zu finden. Auch der Sound könnte passender kaum sein, immerhin hatte man hier Unterstützung von Könnern wie Sander Gommans (AFTER FOREVER, HDK, SCHEEPERS) und der bezaubernden AMANDA SOMERVILLE (u.a. TRILLIUM, AVANTASIA, EPICA), aufgenommen wurde in der Rockstation im niederländischen Reuver gleich hinter der Grenze nahe der Bandheimat Schwalmtal. Das wirklich einzige, was hier noch fehlt, ist der Song, der sich dauerhaft im Kopf festsetzt, wie sie die Vorbilder damals vorgelegt haben.

Wer auf kraftvollen, zeitlosen, abwechslungsreichen (Gothic-) Metal steht, irgendwo grob zwischen LACUNA COIL mit deutlicherem Heavy-Touch, Kitsch- und Bombastfreien WITHIN TEMPTATION und modernem Groove-Metal, der sollte bei AEVERIUM zugreifen, eine Band mit Zukunft! Wenn auf dem Album irgendwann noch ein paar echte Hits folgen, dann steht der geplanten Welteroberung nicht mehr viel im Weg.

AEVERIUM: Video Heaven´s Burning (Harvest Time) bei YouTube

Veröffentlichungstermin: 05.12.13

Spielzeit: 16:25 Min.

Line-Up:
Aeva Maurelle – Vocals
Marcel Chubby Römer – Vocals
Michael Karius – Guitar
Lars Dannenberg – Bass
Andreas Delvos – Keyboards
Klaus Radtke – Drums

Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.aeverium.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/aeverium

Tracklist:
1. Do You Remember
2. Rest In Peace
3. Heaven´s Burning (Harvest Time)
4. The Ground Beneath Your Feet

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.