KNOCK OUT FESTIVAL: Schwarzwaldhalle, Karlsruhe, 19.12.2015
Reibungslos organisiert und musikalisch gut besetzt (BLIND GUARDIAN, OPERATION:MINDCRIME, RAGE, AXXIS usw.) bescherte das KNOCK OUT FESTIVAL 2015 alles, was das Metal-Herz begehrt.
Die Grundidee (Polka-Coverversionen) überrascht niemand mehr. Doch wenn man vor der Bühne steht, tanzt, hüpft, singt, pogt und trinkt (erfahrene Fans können das alles auf einmal), dann ist die Welt in Ordnung, dann grinst man seine Mitmenschen fröhlich bis grenzdebil an, dann weiß man, dass Humppa das Gesetz ist.
Es gibt krumme Takte und Hammond-Orgel-Ausbrüche, doch das eigentlich Progressive an der Musik ist ihr Mut zur Weite. PINK FLOYD bekommen hier keine echte Konkurrenz. Die Entwicklung von SPOCK´S BEARD geht jedoch klar in die Gegenrichtung von schneller, härter und frickeliger.
FIDDLER´S GREEN segeln mit SANTIANO und schaffen es, dabei verhältnismäßig eigenständig zu klingen.
Empfehlenswert für Fans von NEVERMORE! Das starke Album besticht durch knackige Thrash-Riffs, viel Power und kraftvollen Gesang.
Gothic-Piano-Rock? Ein Hybrid aus NEW MODEL ARMY, DEINE LAKEIEN und NIGHTWISH? Auf alle Fälle ein dynamisches, frisches Album mit exzellentem Songwriting, dessen Abwechslungsreichtum nie zerfahren wirkt.
Die Bombastorgie mit Unmengen Gesangsspuren und dichter Atmosphäre knüpft direkt ans Vorgänger-Album an. Leider fehlen dem Songwriting die zündenden Ideen. Die überfrachtete Produktion klingt zudem erschreckend drucklos. Das Klangbild mit Hansis Stimme und den Gitarren-Leads versprüht freilich auch anno 2015 seine ureigene Magie ("Prophecies"!), selbst wenn vom melodischen Speed Metal der ersten vier, fünf Alben sonst nichts mehr geblieben ist.
Wenig Metal, viel 70er, reichlich Melodien - dieses Akustik-Album ist dabei so sperrig, dass einmal mehr nur jenes Publikumssegment angesprochen wird, das disharmonische Einwürfe und exzentrischen Gesang toleriert.
Folkige JAG PANZER treffen auf HEATHEN-Thrash; OVERKILL-Bass-Sound begegnet grandiosem Alan Tecchio-Gesang. US-Metal-Fans, die auf reichlich Abwechslung stehen und nichts gegen eine moderne Produktion haben, werden das Solo-Debüt des SYMPHONY X-Bassisten interessant finden.
Schöne Musik mit großer Ähnlichkeit zu MIKE OLDFIELD - "Amarok" und "Ommadawn" treffen den Soundtrack-Charakter von "The Songs Of Distant Earth".
Ein überdurchschnittliches Hardrock-Speed-Metal-Gemisch - für alte RIOT-Fans entpuppt sich die Nostalgie als ein zweischneidiges Schwert. Man freut sich, dass der Outlaw zurück ist und die zweistimmigen Gitarren-Leads funkeln. Man hat aber auch das Gefühl, dass besonders im Uptempo-Bereich noch mehr geht, weshalb ich hoffe, dass wir in Zukunft noch viel von RIOT V hören werden.
Guter Pop mit Schwedentod- und Melodic Metal-Einflüssen - in der ersten Albumhälfte gibt es ein paar Hitkandidaten. Über weite Strecken passen die Songs besser in eine normale Disco als auf eine Rockkneipenbühne.
Haben wir noch die 90er? Hardrock mit kernigen, recht düsteren Riffs trifft auf Weichspül-Pop oder in anderen Worten: Das Unausgereifte der 70er trifft das Uninteressante der 80er.
Eine schöne Live-Erinnerung für Fans der Progressive-Metaller - optisch bekommt man allerdings überwiegend Standfußball geboten.
Zahmer Grunge trifft poppigen Indie-Rock - und mir stehen die verbliebenen Haare zu Berge, weil Bandkopf Sascha Paeth einst mit HEAVEN`S GATE tolle Songs gebaut hatte und nun derart belanglose Mucke abliefert.
Frickel, düdel, swinginging, wrumm - ein gutes, frisches Album zwischen Progrock und Jazz, das mit reichlich Saxophon und dynamischen Arrangements gewürzt wurde.