MELVINS: Tres Cabrones

MELVINS: Tres Cabrones

Da lacht die kleine Ziege auf dem Cover, denn sie ist nicht mehr allein: Tres Cabrones, das sind Buzz Osborne, Dale Crover und Mike Dillard, eine Art MELVINS-Prototyp. Und kleine Zicklein sind sie in der Tat: Sie sind verspielt, haben stets den Schalk im Nacken, sind lustig drauf, aber kaum geht ihnen was gegen den Strich, schon werden sie biestig und schnappen und bocken. Aber liebhaben muss man sie natürlich trotzdem, weil sie so ein schön kratziges Fell haben, frech sind und ein bisschen stinken. Natürlich sind die MELVINS auch in dieser Besetzung irgendwie die gleichen und doch irgendwie anders. Tres Cabrones fetzt los, könnte vielleicht das Bindeglied zwischen Houdini und (A) Senile Animals sein, ist noisig, punkig, sehr rockig, vermeidet viele Experimente und ist trotzdem unberechenbar.

Zwischen Grunge, Noiserock und Punk sind die MELVINS aber die meiste Zeit angesiedelt, so dass eben dreckige Riffs, wuchtige Grooves, der von Dale Crover patent pumpende Bass und meistens recht mies gelauntes Geschrei den Weg vorgeben. Zwar beweisen die MELVINS immer noch Humor, Tres Cabrones ist aber überraschend heavy und boshaft, wie City Dump, American Cow und Psychodelic Haze zeigen. Das wird noch ausgebaut, wenn die MELVINS mit Dogs And Cattle Prods und I Told You I Was Crazy in Richtung Sludge abdriften, bei Letzterem lassen sie es sich nicht nehmen, scheinbar deplatzierte Retro-Sci Fi-Sounds einzubauen.

Ein paar gnadenlos zerlegte Traditionals – Tie My Pecker To A Tree, 99 Bottles Of Beer und You´re In The Army Now – sorgen hingegen für Stimmung und sind gleichzeitig unglaublich blöd. Auch schön sind der debile Mitklatschteil am Ende vom schmissigen Opener Dr. Mule und die Covers Walter´s Lips von THE LEWD, beziehungsweise Stick ´Em Up Bitch von den POP-O-PIES – das alles geht schnell und gnadenlos in die Beine. Ein bunt gemischtes, MELVINS-typisches Potpourri aus Heaviness und Spaß ist es, was Tres Cabrones auszeichnet – wie immer gegen jede Regel, wie immer unkonventionell und wie immer einfach brillant. Na gut, Buzz Osbourne könnte Mr. Hankey engagieren und mit ihm zusammen ein EDIT PIAF-Coveralbum machen und ich würde es lieben. Bye bye, geliebte Objektivität.

Davon abgesehen ist Tres Cabrones garantiert nicht das beste Album in der Geschichte der MELVINS, es ist besser als Freak Puke , aber kann mit Klassikern á la Stoner Witch nicht mithalten. Nun ist das BIG BUSINESS-Duo beurlaubt, Major Osborne und Ltd. Crover rekrutieren den MELVINS-Urschlagzeuger Mike Dillard und fangen in der Umkleide ein heißes Techtelmechtel an, und Tres Cabrones will trotzdem nicht aus der Reihe tanzen. Vielleicht, weil die MELVINS sowieso nur aus der Reihe tanzen. Wie dem auch sei, Tres Cabrones ist, darauf kann das Publikum der Band natürlich zählen, ein wunderbares Album mit mehr Ideen und Knallersongs, als die meisten Bands in ihrer ganzen Karriere haben. Egal wer da am Schlagzeug sitzt, wer da Bass spielt, wer im Proberaum die Cuba Libres mixt oder wer nach der Probe gewissenhaft durch saugt, schön dass in dieser Welt wenigstens auf eine Band Verlass ist. Los, kaufen!

Veröffentlichungstermin: 8. November 2013

Spielzeit: 44:27 Min.

Line-Up:
Buzz Osborne – Guitar, Vocals
Dale Crover – Bass
Mike Dillard – Drums

Produziert von Toshi Kasai und die MELVINS
Label: IPECAC RECORDINGS

Homepage: http://www.melvins.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/melvinsarmy

Tracklist:
1. Dr. Mule
2. City Dump
3. American Cow
4. Tie My Pecker To A Tree
5. Dogs And Cattle Prods
6. Psychodelic Haze
7. 99 Bottles Of Beer
8. I Told You I Was Crazy
9. Slump Farmer
10. You´re In The Army Now
11. Walter´s Lips
12. Stick ´Em Up Bitch