RISE AGAINST: Nürnberg, Hirsch, 26.04.2007

RISE AGAINST: Nürnberg, Hirsch, 26.04.2007

Da schiebt eine Freundin neulich ganz nebenbei das Album The Sufferer & The Witness einer Band namens RISE AGAINST über den Tisch, und endlich ist man mal wieder so richtig ergriffen von einer CD aus dem Punk-Genre. Lange ist es her, dass man zuletzt ein derartiges Energielevel gespürt hat, wie es einem hier aus jedem Ton und aus jeder Textzeile entgegenspringt: Hellwache Songideen, umwerfende Dynamiken und eine unfassbare Geschmeidigkeit, was die Verschmelzung von Melodie und Härte, dem Erbe der Hardcore-Bewegung (MINOR THREAT) mit dem Sound der neuen Schule (REFUSED, BILLY TALENT) angeht.

Bei klaren, pulsierenden Hymnen wie Chamber The Cartridge, Ready To Fall, Worth Dying For und Prayer Of The Refugee geht einem nicht nur das Herz auf, für dreieinhalb Minuten möchte man auch wieder daran glauben, dass Musik doch die Welt verändern kann. Natürlich spielt man so einen beherzten Sound nur mit dem Feuer der Jugend als Motor – und es sei diesen Goldbuben aus Chicago/Illinois gewünscht, dass sie mit ihrer Musik niemals alt werden. Und am Ende vielleicht noch wie die (einstmals ebenfalls unsterblichen) BAD RELIGION als peinliche Punkrock-Rentner im Vorprogramm der TOTEN HOSEN enden.

Dreh- und Angelpunkt bei RISE AGAINST ist Sänger Tim McIlrath, dem die blutjungen Fans auch im seit Monaten ausverkauften und aus allen Nähten platzenden Hirsch aus der Hand fressen. Der agile Fronter kann sich an diesem Abend gleichsam in die übermächtigen Singalongs hineinfallen lassen, die das Publikum wie aus einem Mund zurück zur Bühne schleudert. Darf kopfüber eintauchen in dieses Meer aus schlingernden und schleudernden, tanzenden und tobenden Leibern vor der Bühne.

Dass der Vierer live in Nürnberg das Niveau der CD nicht ganz hält, liegt da schon fast in der Natur der Sache. Vom ersten Ton an wird die Truppe derart abgefeiert, dass manches Details in dieser Sauna schlicht und einfach verpufft. Was will man aber auch machen, wenn das Publikum lauter ist als die Band?

Was im Rausch der allgemeinen Begeisterung ebenfalls nicht groß auffällt, ist, dass die Amis ihren Auftritt routiniert herunterspulen und bereits nach 55 Minuten wieder von der Bühne verschwinden. Vielleicht liegt es an der letzten Show in der alten Welt, dass sie schließlich doch noch einmal zurück kommen – erst Sänger McIlrath solo mit zwei bemerkenswerten Akustiknummern (falls hier noch mal ein Leben nach RISE AGAINST gefragt ist – voilà!) und dann die ganze Truppe mit zwei weiteren Abrissbirnen als Rausschmeißer. Eine Band, eine Nacht, drei Worte: Wau!

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.