KNIFE, WARRANT – Der schwarze Keiler, Stuttgart, 01.04.2026

Retro Abend im Stuttgarter Club „Der schwarze Keiler“: Speed Metal von WARRANT, Thrash Speed Punk von KNIFE mit mindestens zwei Generationen auf und vor der Bühne und der Erkenntnis, dass Musik einfach zeitlos sein kann.

Manchmal kommen sie wieder! KNIFE kehrten gut anderthalb Jahre nach ihrem Auftritt im Oktober 2024 wieder in den besten Keller Stuttgarts zurück und legten bei der „Speed Invasion Tour 2026“ zusammen mit WARRANT (D) einen Stopp in der schwäbischen Landeshauptstadt ein. Eigentlich gehören auch TASKFORCE TOXICATOR zum Tour-Line-up, in Stuttgart war die Band allerdings nicht dabei.

Seit mehr als 40 Jahren Frontmann bei der Speed Metal-Band WARRANT: Jörg Juraschek

WARRANT

Die Zuschauerzahl an diesem Mittwochabend dürfte gut dreistellig gewesen sein, im Schwarzen Keiler war’s angenehm voll. Der mit viel Herzblut geführte Club hat sich inzwischen ein treues Stammpublikum erarbeitet, das zuverlässig zu Konzerten erscheint. Dabei ist gar nicht so wahnsinnig wichtig, wer spielt, denn die Bandauswahl im Keiler ist immer eine gute. Heute waren für einige hingegen WARRANT die Hauptattraktion des Abends: Nach dem Konzert zeigte einer der Fans aus der ersten Reihe dem Sänger, Bassist und einzig verbliebenem Gründungsmitglied Jörg eine Sammlung alter BASF-Tapes mit Kopien der frühen WARRANT-Alben. Die veröffentlichte die Band vor mehr als 40 Jahren, „First Strike“ erschien 1984, „The Enforcer“ ein Jahr darauf. 2014 und 2025 folgten die Alben „Metal Bridge“ und „The Speed Of Metal“. Musikalisch sind sich WARRANT treu geblieben und bieten auch live zeitlos-altmodischen Speedmetal, wobei sich Sänger Jörg Juraschek ein paar Mal beim Publikum erkundigte, ob das denn auch den Geschmack der Anwesenden treffe: „Wollt ihr Speed?“ und „Wollt ihr noch mehr Speed?,“ fragte er. Die Antwort fiel positiv aus. Auch der Hinweis, dass man den Song „Cherry Pie“ nicht geschrieben habe, war eigentlich überflüssig. Den meisten Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern im Keiler war klar, dass hier nicht die gleichnamige US-Poser Metal-Band auf der Bühne stand, die Anfang der Neunziger mit „Cherry Pie“ einen Hit landete.

WARRANT-Gitarrist Michael Dietz, im Hintergrund der Titel des aktuellen Albums „The Speed Of Metal“

WARRANT traten als Trio auf, Gitarrist Adrian Weiss musste die Tour nach nur drei Shows leider aus privaten Gründen abbrechen. Deshalb widmeten ihm WARRANT die Show in Stuttgart. Jörg Juraschek war bei seiner Ansage anzumerken, wie sehr er daran zu knabbern hatte, dass ein Bandmember fehlte. „Für uns ist es etwas so Besonderes nach all den Jahren wieder auf Tour sein zu dürfen“, berichtete er zwischen zwei Songs mit echter Rührung. Dass sich die Band freute, auf einer Bühne zu stehen, war nicht zu übersehen. An der ein oder anderen Stelle fehlte vielleicht die Routine, dafür waren die drei Musiker echt und authentisch, und drückten ihre Songs mit ordentlich Power durch die Boxen. Schlagzeuger Marius Lamm fiel gar durch besonders energetisches Stageacting auf. Wer genau hinsah, konnte auch sein Smartphone entdecken, mit dem er den eigenen Auftritt als Video festhielt. Wie es sich für Old-School-Metalbands geziemt, hatte man auch ein Bandmaskottchen dabei: Der „Enforcer“ schaffte sich auf der engen Bühne mit einer Doppelaxt Platz. Empfangen wurde er mit Jubel, und seine Begeisterung darüber konnte auch seine Henkermaske nicht verbergen.

WARRANT-Schlagzeuger Marius Lamm
WARRANT haben die Setlist kurzfristig angepasst, Gitarrist musste die Tour aus privaten Gründen zwei Tage zuvor abbrechen.

Fotos: Markus Veyhle

KNIFE

Ganz dicht an den Fans: KNIFE-Sänger Vince Nihil

W.A.S.P., KING DIAMOND, RUNNING WILD und EXCITER – für diese Bandshirts hatten sich KNIFE entschieden, die Marburger packen in ihren wüsten Stilmix neben Thrash Metal ja auch ein wenig Punk und ganz viel klassischen Heavy Metal. Und wie WARRANT setzen KNIFE auf die Basics und holten nur beim Stageacting das große Besteck raus: Backdrop, Instrumente, Boxen und Verstärker als Staffage, für die Action sorgen die Musiker selbst, Showeffekte braucht es da nicht. Die vermisste auch niemand, denn bei KNIFE gibt’s genug zum Gucken, Fronter Vince Nihil lässt sich allenfalls von der kleinen Bühne in seinem Aktionsradius einschränken, Berührungsängste kennt dieser Mann nicht und der Kontakt zur ersten (und auch zweiten und dritten) Reihe steht gleich mit dem ersten Song. Und der Rest der Band steht ihm in nichts nach, alle sind immer ganz dicht dran am Publikum, nehmen Kontakt auf und so wird ein Konzert mit KNIFE zur lustigen und stets auch ein bisschen derben Party, bei der man gemeinsam die Songs der Band feiert.

Stand nicht eine Sekunde lang still: KNIFE-Gitarrist Laz Cultro

Er hatte allerdings auch recht leichtes Spiel, denn da waren einige sehr, sehr textsichere Herrschaften in den Schwarzen Keiler gekommen und stimmten lautstark in die Refrains mit ein. Dass Vince mit einer üblen Erkältung zu kämpfen hatte, konnte man ahnen, als er sich den Auftritt von WARRANT mit etwas bleichem Gesicht und dickem Schal um den Hals vom Bühnenrand aus ansah. Auf der Bühne war davon dann wenig zu merken, vielleicht waren der Gesang ein bisschen rauer und die Ansagen ein bisschen spärlicher. Nicht nehmen ließ er es sich allerdings, vor „With Torches They March“ rechtem Pack und allen die damit sympathisieren, den Weg zum Ausgang zu zeigen. Ich find’s gut, wenn sich Bands so positionieren.

Schweißtreibende Action mit KNIFE-Bassist Gypsy Danger

„With Torches They March“ war eines der Highlights der Setlist, dazu gehörten natürlich auch „Inside The Electric Church“, das nahezu komplett von den ersten Reihen mitgesungen wurde, die fröhliche Buchstabier-Übung „K.N.I.F.E.“ und „No Gods In The Dark“. Mit „Nightmare“ schmuggelten KNIFE gar einen neuen Song ins Programm, ohne ihn groß anzukündigen – Vince erwähnte nur ganz kurz, das die Band an einem neuen Album arbeite. Nach dem ersten Eindruck passt „Nightmare“ mit seinen scharfen Riffs ganz wunderbar ins Besteckkästchen der Band.

Konzentriert bei der Sache: Ferli Coltello, Drummer von KNIFE

Auf eine Zugabe verzichteten KNIFE, was für ein wenig Enttäuschung sorgte. Die Erklärung gab’s abseits der Bühne, Vince Nihil ließ sich trotz Husten zumindest kurz am Merch sehen und signierte Shirts und LPs, auch der Rest der Band mischte sich noch unter die Keiler-Menschen. Auch nach der Show ist diese Band sehr nahbar und schätzt ihre Fans. Wenn ihr zum dritten Mal in den Keiler kommt, bin ich auf jeden Fall wieder dabei!

Fotos: Markus Veyhle