IMMOLATION, MELECHESH, GOATWHORE und SICKENING HORROR am 15. März 2008 im Metropolis, München

Dass der Großraum München nicht mehr Fans mobilisieren kann, ist traurig. Vor allem bei einem derart großartigen Konzert.

Das Line-Up dieses Abends mutet vielleicht so spektakulär an, aber gleich vorab: Es war ein großartiges Konzert. Auch wenn ich das nach dem Betreten des Metropolis nicht vermutet hätte. Für einen Samstag Abend war es peinlich leer. Um die 50 Besucher tummelten sich in einem Club, der locker 400 Leute beherbergen kann. Dass der Großraum München mit immerhin zwei Millionen Einwohnern nicht mehr Fans mobilisieren kann, ist traurig. Ob das neue Rauchverbot daran schuld ist, wage ich zu bezweifeln, es gab genügend Leute, die sich davon nicht beeindrucken ließen und gegen Ende trotzdem rauchten. Ich denke eher, es liegt an der momentanen Übersättigung an Konzerten, gepaart mit einem Eintrittspreis von 22 €, was schlicht und ergreifend übertrieben ist.

Diese Gedanken waren allerdings verflogen, als um 19:45 Uhr bereits als zweite Band GOATWHORE die Bühne unsicher machten. Da im Metropolis ab 23:00 Uhr Black Music geboten wird, mussten die vier Bands schnell abgespeist werden, auf Kosten aller Anwesenden und vor allem SICKENING HORROR, die neben einigen anderen Besuchern auch ich verpasste. Dennoch waren GOATWHORE als zweite Band motiviert und lieferten ein verdammt geiles Set ab. Die vier Amis um SOILENT GREEN-Sänger Ben Falgoust ballerten auf altmodische Weise ihr Set runter, spielten tighten Black-Death Metal, der durch die Leistung von Schlagzeuger Zack Simmons auch den letzten der Anwesenden vom Hocker riss. Ben Falgoust zeigte, dass er einer der besten Sänger im Extremen Metalbereich ist und führte die Band sicher an – so muss das sein. Gitarrist Sammy Duet sorgte für die richtigen Riffs und den ordentlichen Look: Er und Bassist Nathan waren mit Nieten bepflastert, das war kitschig, debil und machte auf krude Art und Weise was her. Am besten war allerdings das Songmaterial, denn von alten Nummern wie Into a Dark Sun bis hin zu Material vom coolen, aktuellen Album A Haunting Curse wie Alchemy of the Black Sun Cult und dem Titeltrack, alles mit dem richtigen, fetten Sound versehen, blieben keine Wünsche unerfüllt. Schade, dass nach einer halben Stunde der Spuk schon vorbei war.

You´re not many, but you´re crazy bemerkte Melechesh Ashmedi, Chef der Wahl-Holländer MELECHESH ganz richtig. Die mittlerweile leicht gewachsene Schar an Zuschauern empfing diese Band mit unerwartetem Enthusiasmus. Auch mich steckte die vierköpfige Band mit Opener Of Mercury and Mercury sofort an und das obwohl ich bislang so gut wie keinen Kontakt mit ihnen hatte. Die Band zeigte eine dreiviertel Stunde lang ihr Können, balancierte zwischen altem und neuerem Material, zeigte dabei, dass sie nicht nur eine tighte und sichere Liveband sind, sondern auch den richtigen Draht zum Publikum haben. Selbst wenn MELECHESH an diesem Abend nur die drittbeste Band waren, Songs wie Leper Jerusalem und Rebirth of the Nemesis gingen runter wie Öl und wurden durch den druckvollen, klaren Livesound ordentlich untermalt. Schade nur, dass die drei restlichen Musiker eher wie Statisten wirkten und einzig Bandchef Melechesh Ashmedi im Vordergrund stand. Dennoch ein gelungener, intensiver Auftritt, der die Freunde auf den Headliner steigerte. So, wie es sich für eine ordentliche Aufwärmshow gehört.

Ich dachte, die wenigen Anwesenden könnten nicht mehr geben, als bei MELECHESH, aber so wie IMMOLATION von ihren Fans empfangen wurden, war es kein Wunder, dass die Band voll motiviert und tight das einstündige Set zockte. Eine ordentliche Setlist mit großartigen neueren Nummern wie Passion Kill, World Agony, The Condemned und Swarm of Terror wurde ergänzt mit den wichtigsten Hits der Band: Immolation, Burn with Jesus, Higher Coward und das abschließende Bring them Down ließ so gut wie keine Wünsche unerfüllt. Sänger und Bassist Ross Dolan mit seiner beeindruckenden Mähne ist ein richtig guter Frontmann, der unglaublich sympathisch und bodenständig auftritt. Agil ist auch Gitarrist Robert Vigna, der in seinem Alter deutlich mehr an Bewegung und Emotion in die einstündige Show legte, als manche jungen Prügelknaben, die nichts als 30 Minuten Propeller drauf haben und dann schlapp machen. Auch Schlagzeuger Steve Shalaty klotzte statt zu kleckern. Ohne mit der Wimper zu zucken, ballerte er auch die komplexen Nummern gnadenlos sicher durch.

Schade, dass IMMOLATION keine Zeit für Zugaben hatten, aber die einstündige Show reichte dennoch aus, um zu beweisen, dass diese Band auch nach über 20 Jahren noch voll dabei ist und ihren Status als Death Metal-Legende verdient. Vielleicht sogar mehr als andere Bands. Denn die New Yorker touren unermüdlich, leisten sich keine Pause und ruhen sich nicht wie andere auf ihren Lorbeeren aus. Dementsprechend enttäuschend ist es, wie wenig sie dafür bisher eingefahren haben. Ross Dolan verabschiedete sich mit den Worten See you next time! Das zeigt, dass IMMOLATION trotz allem noch nicht die Schnauze voll haben und uns weiterhin in Form von Touren und Alben beehren werden. Zum Glück.