DREAM THEATER & Pain of Salvation in der Sporthalle in Böblingen

DREAM THEATER & Pain of Salvation in der Sporthalle in Böblingen

Mit Spannung erwartete ich den Auftritt von PAIN OF SALVATION. Punkt acht Uhr ging die Saalbeleuchtung aus und der Titeltrack des letzten Albums Remedy Lane erklang vom Band. Kurz darauf betraten Drummer Johan Langell und Keyboarder Fredrik Hermansson die spärlich beleuchtete Bühne. Nach dem Intro sprang der Rest der Band auf die Bretter und legte mit Used einen furiosen Start hin. Von der ersten Sekunde an gab es kein Halten für die Saitenzupfer. Wer nicht gerade mit Singen beschäftigt war, erkundete jeden Quadratmeter der Bühne. Bei allem Enthusiasmus stand jedoch ganz klar die Musik im Vordergrund. Die bis zu vierstimmigen Gesangsarrangements kamen auf den Punkt genau rüber und auch der Sound konnte sich hören lassen.

Viele Besucher waren vermutlich nicht mit dem Songmaterial der Band vertraut und somit sichtlich überrascht von den Wendungen der Lieder. Die Band tat sich auch nicht unbedingt einen Gefallen ausgerechnet das sperrige Fandango als nächsten Song zu spielen. Glücklicherweise folgte das eingängige Ashes, mit dem PAIN OF SALVATION mit Sicherheit einige neue Fans an diesem Abend gewannen. Die dunkle Atmosphäre wurde dabei etwas durch Tuflus gestört, der an einem Seil von der Hallendecke heruntergelassen wurde. Tuflus, ein Stofflöwe, ist das Maskottchen von Sänger/Gitarrist Daniel Gildenlöw, der sichtlich erleichtert war, dass das vor wenigen Tagen von noch nicht genauer identifizierten Tourkollegen entführte Tier endlich wieder aufgetaucht war. (Mehr hierzu im Tourtagebuch der Band: http://home.wanadoo.nl/almarenherma/Tourdiary/Tourdiary15.htm)

Die neuen Stücke Undertow (bei dem Bassmonster Kristoffer Gildenlöw zum Cello griff) und Beyond The Pale wurden vom Publikum ebenfalls mit wohlwollendem Applaus bedacht, welcher mehr als gerechtfertigt war.

Daniel Gildenlöw verstand es mit kurzen Ansagen eine Brücke zwischen Band und Publikum zu errichten, und genau wie Gitarrist Johan Hallgren legte er eine Spielfreude an den Tag, die nicht am Handgelenk aufhörte. Den Abschluss bildeten Spirit of The Land und Inside, wobei Daniel seine Gitarre beiseite legte und einmal mehr demonstrierte, was für ein Ausnahmesänger er ist.

Die 45 Minuten haben definitiv Hunger auf mehr gemacht, und einmal mehr bewiesen, dass DREAM THEATER immer wieder ein Garant für tolle Vorbands sind. (Jutze)

Auch wenn die Publikumsreaktionen bei PAIN OF SALVATION ganz gut waren, wurde bei den ersten Klängen des DREAM THEATER-Intros recht schnell deutlich, dass die Schweden derzeit eben doch noch eher als echter Geheimtipp gehandelt werden müssen. Denn noch bevor die Bandmitglieder überhaupt erst die Bühne betraten, wurden DREAM THEATER derartig abgefeiert, als hätten sie gerade eben ihre zweite Zugabe gespielt. Und dass die Fans schon bestens mit dem neuen Album vertraut sind, wurde an den Reaktionen überaus deutlich, die bei den ersten Klängen von The Glass Prison erfolgten. DREAM THEATER legten also recht heftig los, wobei mich die Band zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht fesseln konnte. Jetzt wieder einmal über den Gesang von LaBrie herzuziehen erspar ich mir, aber insgesamt wirkten DREAM THEATER zunächst sehr kalt und publikumsfern. Und dieser Eindruck sollte sich vorerst auch nicht bessern. Mit einem langweiligen 6:00 wurde die Show fortgesetzt und selbst Beyond this Life wurde von der Band heruntergeleiert als würde sie ein Pflichtprogramm absolvieren – ein Pflichtprogramm auf hohem Niveau, ganz klar, aber die Zeiten, in denen die Band schon allein durch ihre wahnsinnige spielerische Leistung für offene Münder sorgt, sind inzwischen vorbei und eine umso wichtigere Rolle spielen die Songs und das Stageacting. Den Eindruck einer gelangweilten, vorhersehbaren Show verstärkte die Wahl der Ballade Hollow Years zu einem so frühen Zeitpunkt und so fürchtete ich schon, eines der langweiligsten Konzerte des noch jungen Jahres miterleben zu müssen.

Doch dann steigerte sich die Band zum Glück mit jedem weiteren Song und bei Take the Time fingen DREAM THEATER auch endlich an, ihre Steifheit abzustreifen und auch mal ihrem Hang zu Improvisationen nachzugeben, wodurch das Publikum mit einem sehr schönen klassischen Keyboard/Gitarren-Duell verwöhnt wurde.

Mit Misunderstood – dem zweiten von drei neuen Songs – kam dann auch echte Atmosphäre ins Spiel und nach einem sehr starken Lie folgte mit The Killing Hand einer der größten Höhepunkte des Abends. Dementsprechend frenetisch wurde der DREAM THEATER-Klassiker auch abgefeiert. Und nun ging die Band auch richtig ab. Kurz vor Ende des Songs flechteten die Ausnahmemusiker ein großartiges Instrumental ein, bevor sie den Schlussteil des Songs dann noch mal so richtig auskosteten und den Song um viele feine Aspekte bereicherten. Genial, da es sich bei The Killing Hand zum einen um einen verdammt geilen Song handelt und die Band ihn gleichzeitig mit ein paar echten Überraschungen versehen hat.

Weiter ging´s im Programm mit einer sehr atmosphärischen Version von Lifting Shadows off a Dream und jetzt waren die Jungs endlich da, wie in alten Zeiten. Jeppa, nun machte das Konzert so richtig Spaß und das Publikum bildete mit der Band endlich eine Einheit. Mike Portnoy feuerte die Menge immer wieder von seinem Schlagzeug aus an, während John Petrucci die Leute auf seiner Bühnenseite auf seine ganz eigene, sympathische Art verzauberte, indem er auch immer wieder einzelne Leute im Publikum fixierte und mit diesen durch Blicke kommunizierte. Schade, dass der Frontmann dieser Band nicht eine ähnliche Ausstrahlung besitzt und nach wie vor unnahbar auf der Bühne agiert.

Mit Through my Words/Fatal Tragedy wurde das Programm mit einem weiteren Song des Erfolgsalbums Metropolis 2 fortgesetzt, um dann mit The Great Debate wieder richtig in die Tiefe zu gehen. Live fast schon ein Stück zu sehr in die Länge gezogen, verfehlte die eindringliche Atmosphäre des Songs mit seinen eingespielten Sprachsamples ihre Wirkung nicht und so wurde das Publikum mitgezogen in die Tiefen der Musik von DREAM THEATER. Mit Home setzte die Band dem noch mal so richtig einen drauf und damit sollte nach weit mehr als zwei Stunden Spielzeit dann auch tatsächlich erst einmal Schluss sein.

Genug hatten die Fans nach dieser hervorragenden Darbietung nun aber beim besten Willen nicht und so wurden DREAM THEATER unter lautem Getöse noch einmal auf die Bühne geordert. Die Zugabe wurde von einem starken Gitarrensolo eingeleitet, dem mit Scarred eine echte Überraschung folgte. Mit diesem Song von Awake hat an dieser Stelle wohl kaum jemand gerechnet, umso erfreulicher, dass die Entscheidung dieses Lied in den Zugabenblock aufzunehmen von den Fans entsprechend gewürdigt wurde. Mit The Spirit carries on wurde dann der alles-wird-gut-und-wir-liegen-uns-alle-in-den-Armen-Song des letzten Albums zum Besten gegeben und dementsprechend war auch die Stimmung in der Böblinger Sporthalle. Ein Blick auf die Uhr zeigte es ganz deutlich: fast drei Stunden Spielzeit, das Konzert geht dem Ende entgegen, aber da muss doch noch ein Song kommen. Und da waren sie auch, die Gitarrenklänge zum Überhit Pull me Under, bei der James LaBrie nun tatsächlich mit Singen hätte aufhören können, denn derartig lautstark wurde kein anderer Song vom Publikum mitgeträllert, während die Bang-Fraktion nun auch noch mal so richtig was zu tun bekam.

Es war wirklich erfreulich zu sehen, dass DREAM THEATER nach wie vor auch live begeistern können und trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten haben mich die Amis wieder einmal sowohl von ihren musikalischen, als auch songwriterischen Qualitäten überzeugt. Selbst LaBrie war an diesem Abend einigermaßen erträglich und so konnten sich die Fans sichtlich zufrieden auf den Heimweg machen. Ein guter Konzertabend! (Fierce)

Fierce
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