WOLVERINE: Interview mit Stefan und Marcus

Manchmal können Interviewer für eine Band bestimmt sehr nervig sein, ganz besonders, wenn dieser ständig eine andere Band unter die Nase gerieben wird, der sie besonders ähnlich klingen soll. Im Falle WOLVERINE war ich der nervige Fragesteller und die Band, auf die ich ständig zurück kam war FATES WARNING. Vielleicht war ich bei manchen Fragen aber auch einfach zu überkritisch, doch wer mein Review gelesen hat, dem dürfte klar sein, daß man mich seit ´Fervent Dream´ zu der Fanschar von WOLVERINE zählen darf. Dennoch haben Stefan und Marcus meine Fragen geduldig beantwortet und eine ganze Menge an Information rüberkommen lassen.

Manchmal können Interviewer für eine Band bestimmt sehr nervig sein, ganz besonders, wenn dieser ständig eine andere Band unter die Nase gerieben wird, der sie besonders ähnlich klingen soll. Im Falle WOLVERINE war ich der nervige Fragesteller und die Band, auf die ich ständig zurück kam war FATES WARNING. Vielleicht war ich bei manchen Fragen aber auch einfach zu überkritisch, doch wer mein Review gelesen hat, dem dürfte klar sein, daß man mich seit ´Fervent Dream´ zu der Fanschar von WOLVERINE zählen darf. Dennoch haben Stefan und Marcus meine Fragen geduldig beantwortet und eine ganze Menge an Information rüberkommen lassen.

Meine erste Frage ist gleich mal eine der langweiligsten, die man als Interviewer so stellen kann, aber bei jungen Bands wie euch finde ich sie recht wichtig: Könntet ihr uns eine kurze Zusammenfassung eurer Bandgeschichte geben?

Stefan: Ha, ha! Du hast recht, das ist eine langweilige Frage, aber ich verstehe, daß es für junge Bands wie uns eine sehr wichtige ist. Wir haben eine sehr lange Geschichte, aber ich werde die Kurzversion nehmen. Wenn jemand die detaillierte Geschichte lesen will, einfach auf unserer Homepage vorbeischauen!

Marcus und ich haben die Band im Sommer 1995 gegründet, mit der Absicht Death-Metal zu spielen. Er hörte zu der Zeit eine Menge MORBID ANGEL und irgendwie hat er es geschafft, mir glauben zu machen, daß ich sie auch mag, ha, ha! Zu dieser Zeit hatten wir einen Gitarristen mit dem Namen Björn Renström und ´96 stieg mein Bruder Mikael ein. Gemeinsam nahmen wir unser erstes Demo auf einem Vierspurgerät auf. Das Demo hieß ´Land of the Midnightsun´ und es klang eigentlich schrecklich.

Nach einer Weile stieg Björn aus der Band aus, oder er wurde gefeuert…ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich denke, es war eine Kombination von beidem. Wir gingen einfach in unterschiedliche Richtungen, was die Motivation und die musikalische Nähe betrifft.

Später stieg ein Kerl namens Sami Mäki ein. Mit ihm nahmen wir unser zweites Demo ´North´ auf. Anfang ´98 stieg Sami aus und es war eigentlich genau die selbe Situation wie mit Björn. Nachdem Sami ausgestiegen war, nahmen Marcus, Mikael und ich unser drittes Demo auf, das einfach ´Demo no. 3´ genannt wurde.

Später, im selben Jahr, stiegen C-H und Bagge als weitere Mitglieder ein, wobei sie mit uns spielten, sich aber nicht am Songwriting beteiligten. Mit diesem Line-Up nahmen wir das ´Fervent Dream´-Demo auf und nachdem C-H als vollwertiges Mitglied bei uns einstieg, nahmen wir erneut einige der Instrumente und alle Vocals neu auf. Das Ergebnis kann man auf der ´Fervent Dream´-Mini-CD hören.

Wie du sicher verstehen kannst, hat sich unsere Musik über die Jahre sehr stark verändert, aber jetzt haben wir letztendlich unsere ´Heimat´ gefunden.

Vor kurzem erst stieg Bagge ebenfalls als Vollzeit-Mitglied ein und nun sind wir zuletzt doch eine vollständige Band. Es wird sehr aufregend sein, zu erkunden, was mit uns in der Zukunft passieren wird. Wir sind momentan vollgepumpt mit Energie und solange wir uns hier miteinander unterhalten, schreiben wir neues Material, welches, wie ich denke, um einiges besser ausfallen wird, als das auf ´Fervent Dream´. Ich hoffe, daß viele auch so denken werden.

Kannst du uns auch noch ein paar Infos zu eurer ersten Band ARACHNOFOBIA geben? Inwiefern war die Band anders als WOLVERINE?

Stefan: ARACHNOFOBIA war kurz gesagt eine spezielle Band. Wie du es bereits festgestellt hast, war es unsere erste Band und wir konnten zu der Zeit wirklich nicht besonders gut spielen…ich wußte nicht einmal, daß der Baß im selben Schlüssel gespielt werden sollte, wie die Gitarre und so weiter. Wir haben unsere Gitarren nicht gestimmt und wenn wir es taten, dann nie gemeinsam, sondern jeder für sich. Ich verstehe echt nicht, warum wir nicht hörten, daß es sich wie die Hölle anhörte, aber es war eine coole Zeit. Manchmal machten wir 3-4 Song pro Tag und heutzutage braucht es mehrere Wochen um einen Song fertig zu stellen. Also entweder sind wir um einiges fauler geworden oder die Songs damals bedurften einfach nicht mehr Arbeit. Vielleicht ja beides :-).

Der Hauptunterschied zu WOLVERINE ist, daß in dieser Band alles ziemlich egal war…wir haben Songs aus jedem Riff kreiert, das uns einfiel und jeder liebte es. Es war damals alles viel unschuldiger.

In den frühen Tagen wart ihr ja sehr von KISS, AC/DC und diversen Punk Bands beeinflußt. Würdest du sagen, daß diese Einflüsse immer noch in eurer Musik leben und inwiefern?

Stefan: Die Einflüsse von AC/DC und den Punkbands kamen in die Band durch Björn Renström (er war ebenfalls ein Mitglied von ARACHNOFOBIA…) aber Marcus und ich haben weder Punk noch AC/DC gehört. Wir waren die ´Kiss-Freaks´!

Heute kann ich absolut nicht behaupten, daß unsere Musik an KISS erinnert, aber vielleicht haben wir etwas von deren Geist in uns. Wir sind eine hungrige Band und Musik ist eine der Hauptzutaten in unserem Leben. Ich denke, KISS hatten in den frühen Tagen eine ähnliche Einstellung. Ich höre sie mir immer noch gerne an und ich kann ´Revenge´ wirklich nur jedem Metal-Freak da draußen empfehlen. Eine erstaunliche Platte!

Zwischen WOLVERINE und ARACHNOFOBIA gab es verschiedene andere Bands, bei denen es so scheint, als hättet ihr euren musikalischen Stil gesucht. Während ich eure Biographie auf eurer Homepage las, erschien es mir, als wäre diese Zeit keine besonders kreative Phase in der Band-Geschichte gewesen, sondern eher eine ´Kopier´-Phase. Würdest du mir da zustimmen?

Marcus: In gewisser Weise. Ich denke, man kann sagen, daß wir versuchten, etwas zu sein, was wir nicht waren.

Stefan: Ich denke, jeder imitiert mehr oder weniger verschiedene Bands oder Künstler. Wir versuchten einfach, so zu spielen, wie jemand anderer, anstatt unsere eigene Musik zu kreieren. Natürlich sind wir dabei gescheitert…stell dir eine Band vor, die fast nicht spielen kann und versucht, beispielsweise QUEENSRYCHE zu imitieren! Das kann niemals was werden und so war es auch bei uns; es klang schrecklich. Das coole daran ist, daß ich ganz ehrlich sagen kann, daß ich noch nie eine Band gehört habe, die wie ARACHNOFOBIA anfangs klang. Es klang nicht gut, aber es klang definitiv anders!

Was ist die Geschichte eures Bandnamens? Stammt er von der Comic-Figur und wenn ja, inwiefern repräsentiert sie die Band WOLVERINE als Symbol?

Stefan: Der Bandname stammt von dem Marvel-Charakter und es war Marcus, der mit dem Namen ankam. Ich denke, er paßte am Anfang zu uns, als wir eine aggressivere Band waren aber heutzutage paßt er definitiv überhaupt nicht mehr zu unserer Musik. Ich bin mit dem Namen nicht glücklich aber die Sache war die, daß wir über den Namen nie nachdachten, bis wir die T-Shirts bereits gedruckt hatten und ´Fervent Dream´ veröffentlicht haben. Als wir uns dann über den Namen Gedanken machten, hatte ich das Gefühl, daß es wenig bringt, den Namen zu ändern. Aber um daraus auch etwas positives zu gewinnen: er ist kurz und sehr leicht zu merken!

In eurer Bandgeschichte gab es ja auch sehr viele Line-Up-Wechsel. Als wie konstant würdest du das aktuelle Line-Up beschreiben?

Stefan: Ich denke, das aktuelle Line-Up wird SEHR lange halten! Wir sind nun ein Haufen von Freunden, die gemeinsam spielen und nicht nur verschiedene Leute, die einfach gerne zusammen Musik machen. Wir verbringen gemeinsam viel unserer Freizeit und C-H und ich arbeiten sogar zusammen. In der Vergangenheit gab es auch immer einen immanenten Unterschied was den musikalischen Geschmack betrifft. Heute hören wir zwar auch viele verschiedene Sachen, aber wir haben auch viele gemeinsame Favoriten, wie QUEENSRYCHE, FATES WARNING, PAIN OF SALVATION und einige andere Bands. Ich bin sicher, daß wir eine lange Zeit gemeinsam spielen werden und Fakt ist, daß dieses Line-Up schon um einiges länger besteht, als jedes Line-Up in jeder anderen Band, in der ich involviert war, der Einstieg von Bagge vor ein paar Wochen nicht mitgerechnet.

Ist das Material auf ´Fervent Dream´ denn repräsentativ für die Musik, die ihr auf den Demos gemacht habt, die ihr bereits veröffentlicht habt?

Marcus: Ich denke nicht, denn die ersten beiden Demos waren purer Death Metal mit ein paar cleanen Vocals. ´Demo no. 3´ ist etwas progressiver. Man kann sagen, daß ´Demo No. 3´ der Wechsel vom Death Metal zum Progressive Metal ist. Der Song ´Last Words´, der du auf ´Fervent Dream´ finden kannst, ist von diesem Demo.

Stefan: Eine weitere traurige Tatsache ist, daß die ersten beiden Demos wirklich schrecklich klingen. Sie wurden auf vier Spuren aufgenommen und wir benutzten unsere eigenen Mikrofone und so weiter. Nicht ein einziges professionelles Gerät. Das furchtbarste daran ist, daß wir so 50 SEK verlangten, als wir sie verkauften.

Könnte man denn dann eigentlich sagen, daß ihr heutzutage quasi das Negativ zu den WOLVERINE der Anfangstage darstellt? Death mit klaren Vocals mutiert zu Prog mit Death Vocals…

Stefan: Ich habe nie darüber nachgedacht, aber ja, das beschreibt genau das, wie es ist. Wir haben mit vielen Death Metal Einflüssen und einigen progressiven Parts begonnen und nun ist das Gegenteil der Fall: Das einzige, was wir von dem Death Metal benutzen sind manchmal die Vocals.

Irgendwie habe ich langsam das Gefühl, daß ihr nicht so besonders stolz darauf seid, was vor ´Fervent Dream´ war. Ist ´Fervent Dream´ eine Art neuer Anfang für euch und ist das Album das, worin ihr nun all eure Energie steckt?

Stefan: Unser erstes und zweites Demo klang wirklich furchtbar. Ich bin mir sicher, daß wenn es jemand hören würde, sich der-/diejenige den Arsch ablachen würde. Es saugt wirklich! Gleichzeitig bin ich aber froh, daß wir sie gemacht haben, denn ohne diese beiden Demos würden wir nicht so klingen, wie wir es heute tun. Es ist ebenfalls sehr zufriedenstellend, daß man die Möglichkeit hat, auf die Dinge zurückzublicken, die man so gemacht hat und daß man sagen kann ´hey, wir haben uns über die Jahre wirklich verbessert!´. Es wäre echt nicht so spaßig, wenn man realisieren müßte, daß man sich überhaupt nicht entwickelt hat, oder?

´Fervent Dream´, als Demo, war der absolute Wendepunkt für uns. Wir haben seit den vergangenen Demos wirklich große Schritte gemacht. Auf der CD hatten wir die Möglichkeit, dies noch besser zu machen und obwohl ich weiß, daß wir es noch besser machen hätten können, sind wir mit der CD sehr zufrieden. Wir sind uns alle sicher, daß es den Anfang von etwas markiert, das für eine sehr lange Zeit andauern wird und sich zu etwas entwickeln wird, mit dem man rechnen kann.

Das neue Material klingt ja sehr nach FATES WARNING. Was würdet ihr entgegnen, wenn euch jemand einen puren FATES WARNING-Klon nennen würde, bei dem eben ab und zu ein Grunzer verwendet wird. Inwiefern war es eine bewußte Entscheidung, die Growl-Vocals zu verwenden um sich zu unterscheiden? Könntest du dir vorstellen, daß einige Leute sagen könnten, die Verwendung eines Grunzers wäre ein sehr billiger Weg, um sich von anderen Prog Metal Bands zu unterscheiden?

Stefan: Wenn uns jemand einen FATES WARNING-Klon nennt, würde mich das nicht besonders stören. Wir sind tatsächlich sehr von ihnen beeinflußt und ja, einige Parts in unseren Songs erinnern an sie, aber das ist nichts, weshalb man sich schämen müßte. Wenn du dir eine bestimmte Band sehr oft anhörst, wirst du durch sie auf jeden Fall beeinflußt und das wird sich auch in deiner Musik zeigen. Ich denke auch, daß die neuen Songs anders sind. Ich kann jetzt nicht sehr viele Parts entdecken, die mich an FATES WARNING erinnern. Musik bedeutet immer verschiedene Dinge für verschiedene Menschen. Einige mögen denken, wir klingen wie FATES WARNING und andere vielleicht nicht, aber so soll es ja auch sein. Das ist, was Musik interessant macht, sie wird stets anders interpretiert, das kommt immer auf die Person an.

Wenn es um die Growl-Vocals geht: wir benutzen sie nicht einfach deshalb, um anders zu sein als andere Bands. Wie ich es bereits sagte, war unsere Intention zu Beginn der Band, Death Metal zu spielen und Growl-Vocals waren schon immer Bestandteil unserer Musik. Deshalb ist es für uns etwas ganz natürliches, diese in unsere Songs einzuflechten. Wir benutzen sie nur, wenn wir das Gefühl haben, daß sie die Lyrics besser erzählen, als ich dies mit meiner Stimme tun könnte. Manchmal kann es etwas sehr befriedigendes sein, etwas zu tun, das anders ist und manchmal kann es sehr langweilig sein. Ich erhebe auch nicht den Anspruch, daß WOLVERINE die originellste Band ist, die es gibt, aber ehrlich gesagt finde ich es viel wichtiger, sich darauf zu konzentrieren, großartige Songs zu schreiben, die uns wirklich zufriedenstellen, anstatt nur originell zu sein. Wenn du beides kannst ist das okay, aber es ist nicht alles.

Ich stimme dir da zu, aber auf der anderen Seite ist Gleichförmigkeit doch immer der Tod der Kunst und für mich war es schon immer ein wichtiges Kriterium, daß eine Band versuchen sollte, ihre eigene Persönlichkeit oder Identität zu entwickeln. Glaubst du, daß ihr ein eigenes Gesicht besitzt?

Stefan: Ich denke absolut, daß wir ein eigenes Gesicht haben! Ich bin mir auch sicher, daß wir unseren eigenen Stil im Laufe der Zeit mehr und mehr entwickeln werden. Ich meine ´Fervent Dream´ ist unsere erste CD und es sind nur 5 Songs. Es ist ein Anfangspunkt für uns und ich bin mit unserem Start sehr zufrieden. Wir wurden geboren…jetzt ist es Zeit, zu wachsen.

Was sind denn die anderen Einflüsse für euren Sound (offensichtlich muß DREAM THEATER einer davon sein, da ihr 2 Parts fast 1:1 von der Band kopiert habt >vbg< ) Stefan: Mikael ist derjenige, der am meisten DREAM THEATER hört. Ich mag sie auch und dasselbe gilt für C-H. Marcus mag sie absolut nicht und ich weiß nicht, was Bagge über sie denkt. Ich weiß auch nicht, welche Parts du meinst, aber ich kann es fast erraten, wer sie von uns geschrieben hat… 🙂

Aber sicher, DREAM THEATER hat unseren Sound beeinflußt und eine andere Band ist AMORPHIS, auch wenn wir die Band heutzutage nicht mehr anhören. Ich denke, daß dies die Bands sind, die man in unserem Sound am meisten heraushören kann, plus vielleicht QUEENSRYCHE. Sie sind fantastisch und für mich die beste Progressive Metal Band aller Zeiten. Ich bin sicher, daß noch viele andere Einflüsse wichtig sind, wie wir unsere Songs schreiben, und da gibt es wirklich viele. Zur Zeit höre ich mir am meisten THE CORRS an. Ich kann nicht behaupten, daß man dies unserem Sound anhört aber vielleicht wird das in Zukunft der Fall sein. Wer weiß? Ich finde die Band großartig!

Was ist der Grund dafür, daß ihr euch heute kein AMORPHIS mehr anhört? Letztendlich sind sie doch ebenso melodischer und ´progressiver´, als sie es in ihren Anfangstagen waren?

Stefan: Ich denke, daß Marcus AMORPHIS´ neue CD wirklich liebt aber ich hatte noch keine Zeit, sie mir anzuhören. Der Grund, warum ich mir die Band nicht mehr anhöre ist, daß ich ´Tales…´ und ´Elegy´ so oft angehört habe, daß es gut ist, sie für eine Weile nicht zu spielen. Ich mag die Band sehr aber im Moment gibt´s andere Bands, mit denen ich mich mehr beschäftige.

Und wie sieht es mit QUEENSRYCHE aus? Mögt ihr deren neues Zeug?

Stefan: Bei Queensryche ist es so, daß ich ´Hear in the now Frontier´ nicht besonders mag, aber ich liebe ´Q2K´. Ich weiß, daß die CD heiß diskutiert ist, aber ich denke wirklich, daß sie eine Verbesserung zur vorherigen darstellt. Ich denke, daß man hören kann, daß die Energie, die auf ´HitnF´ fehlte, zurück ist. Ich kann es kaum bis zur nächsten erwarten!

Ein weiterer Punkt, bei dem ich sehr überrascht war, als ich eure Biographie las, war, daß ihr alle noch sehr jung seid. Eure Musik hört sich sehr erfahren und ausgereift an. Wie könnt ihr es euch erklären, daß euer Sound um einiges professioneller ist, als der vieler anderer junger Metal Bands?

Stefan: Ich bin geschmeichelt! Ich denke nicht, daß wir uns viel erfahrener anhören als andere junge Metal Bands, aber auf der anderen Seite – wenn ich darüber nachdenke – fallen mir keine Bands ein, die so jung sind wie wir…PAIN OF SALVATION sind phantastisch aber alle Bandmitglieder sind viel älter als wir es sind und dasselbe gilt für MAYADOME. Es ist schwer für mich, zu erklären, warum wir so klingen, aber vielleicht ist ein Grund, daß alle außer mir Musik studieren. C-H arbeitet mit mir aber er hat zuvor drei Jahre lang Musik studiert und er wird vielleicht diesen Herbst damit fortfahren. Wir schreiben einfach Musik, die wir mögen und es ist wirklich schmeichelhaft, daß du denkst, daß wir ausgereift klingen. Hoffentlich wird es noch erfahrener klingen, wenn wir erfahren sind, ha, ha!

Stefan, du hast eine wirklich großartige Stimme – die ebenfalls Ähnlichkeit zu Ray Alder aufweist – weshalb mich interessieren würde, inwiefern du bezüglich des Gesangs eine Background besitzt. Hast du Gesangsunterricht? Und wer sind deine Idole, wenn es um das Singen geht?

Stefan: Zuerst mal: Vielen Dank! Es ist so cool, zu hören, daß du den Gesang so sehr magst. Laß mich auch meine Ähnlichkeit zu Alder kommentieren; da ich mir viel FATES WARNING anhöre, ist es unmöglich, nicht von ihm beeinflußt zu sein, da er einfach großartig ist. Aber ich möchte klarstellen, daß ich absolut nicht versuche, wie er zu klingen. Ich hasse es, wenn Sänger versuchen, einen anderen Sänger so gut wie möglich zu imitieren. Es ist viel wichtiger, mit seiner eigenen Stimme zu singen und zu versuchen, diese zu entwickeln. Ich denke auch, daß du dir deine Stimme kaputt machst, wenn du nicht so singst, wie du es als natürlich empfindest.

Ich hatte vor 3 oder 4 Jahren Gesangsunterricht, aber das war, als ich noch zur Schule ging. Danach konnte ich es mir nicht mehr leisten, aber ich werde vielleicht in naher Zukunft wieder damit anfangen, da ich nun einen Job habe. Ich kann es kaum erwarten, da ich wirklich ein viel besserer Sänger werden möchte!

Meine ´Gesangs-Idole´ sind viele, aber die wichtigsten wären Geoff Tate, Ray Alder, Paul Stanley, Richard Marx, Joey Tempest, Fredrik Ohlsson (VENI DOMINE) und James LaBrie. Heutzutage höre ich auch Daniel Gildenlöw (PAIN OF SALVATION) und Andrea Corr (THE CORRS). Ich mag auch Sarah Brightman sehr gerne. Aber auch wenn ich viele Idole habe, versuche ich, sie nicht zu sehr zu imitieren, sondern auf meine eigene Art zu singen und vielleicht habe ich ja auch was der oben genannten Sänger in mir.

Bist du denn dann auch für eure großartigen Melodielinien verantwortlich? Wieviel Zeit braucht es, um die Gesangsmelodien zu arrangieren? Und was ist zuerst da, die Texte, die Musik oder die Melodielinien? Wie kommt ein WOLVERINE-Song im allgemeinen zustande? Und was sind eure Inspirationen, wenn ihr Musik schreibt oder überhaupt die Gründe, Musik zu machen?

Stefan: Auf ´Fervent Dream´ habe ich alle Vocal-Lines geschrieben, während ich auch die Texte geschrieben habe. Der Mittelteil von ´Whispers on the Wind´ (´Almost like whispers on the wind, she carries my soul and I fall to my knees´) ist ein Beispiel für eine Melodielinie, die ich bereits im Kopf hatte, bevor ich die Lyrics schrieb. Ich denke nicht, daß wir dazu tendieren, viel Zeit für das Arrangieren der Melodielinien zu verwenden, da ich normalerweise einfach mit allem ankomme, das sich gut anfühlt, während die anderen spielen. Wenn eine Melodielinie geschrieben ist, diskutieren wir miteinander, ob wir Harmonien bei diesem bestimmten Teil haben sollten und so weiter. Bei den Songs, die wir nach ´Fervent Dream´ geschrieben haben, bin ich für die meisten Melodien verantwortlich, aber Marcus hat einen Song namens ´Time´ geschrieben, bei dem er die Melodielinien erstellt hat, was großartig ist. Mikael schreibt alle seine Melodien selbst (Solos und so weiter…) und ich denke, man kann sagen, daß jeder seine eigenen Parts kreiert und danach gehen wir gemeinsam die Songs durch und verändern alles, was sich falsch anfühlt.

Die Musik ist meistens zuerst geschrieben, aber bei unseren neuen Song ´Post Life´ entstanden die Lyrics vor der Musik. In der Vergangenheit schrieb einer von uns einen Song und präsentierte ihn der Band, worauf wir ihn gemeinsam ausarbeiteten, aber nun ist es mehr so, daß wir alle die Musik gemeinsam schreiben, was meiner Meinung nach klasse ist. Die Songs bekommen eine andere Energie als vorher und das zeigt sich auch in den neuen Kompositionen!

Wie ich in euren News gelesen habe, arbeitet ihr nicht mehr mit ZIZANIA zusammen. Was ist passiert und wie wird die Zukunft aussehen? Habt ihr denn Angebote von Plattenlabels?

Stefan: Wir arbeiten mit einem Kerl namens René Janssen zusammen und er war derjenige, der uns entdeckt hat. Er ist wirklich ein erstaunlicher Mensch und wir zählen ihn als sechstes Bandmitglied. Er und ein früherer Freund von ihm haben gemeinsam Zizania betrieben aber unglücklicherweise liefen die Dinge nicht so, wie René es gewollt hatte. Er hat aufgehört und als er nicht mehr bei Zizania involviert war, haben wir uns auch dazu entschlossen bei Zizania aufzuhören, da es René ist, bei dem wir uns für alles bedanken müssen. Das einzige, was er für Zizania noch macht, ist unsere Promotion, aber das ist auch etwas, das bald beendet sein wird. Wenn wir mit Zizania fertig sind, haben wir kein Label mehr aber hoffentlich werden wir das auch bald regeln. Wir haben ein paar geheime Pläne… 🙂

Ich bin mir sicher, daß wir unsere erste Full-Length-CD Ende dieses Jahres veröffentlichen werden, also sei dir sicher, daß du es zu hören bekommen wirst!

Erzähl uns doch noch etwas über euren Auftritt beim ProgPower-Festival in Holland! Was waren eure Eindrücke?

Stefan: Wir hatten in Holland eine großartige Zeit und wir haben endlich René und seine wundervolle Frau Claudia ´in real life´ getroffen. Am Tag zuvor spielten wir in Belgien bei den Mindview First Blood Awards, aber der Hauptgrund für unseren Trip nach Holland war der ProgPower-Auftritt und das war wirklich eine großartige Erfahrung! René war einer der Hauptcharaktere hinter dem Festival und er hat wirklich eine lange Zeit sehr hart gearbeitet. Er hatte viele großartige Leute, mit denen er arbeitete um ProgPower zu realisieren und ich ziehe meinen Hut vor allen, da sie eine großartige Arbeit geleistet haben! Ich bin sehr zufrieden mit unserem Auftritt und wir hatten auf der Bühne die beste Zeit. Wir haben uns auch mit MAYADOME und PAIN OF SALVATION angefreundet. Am Tag nach dem ProgPower gingen wir (WOLVERINE) und PAIN OF SALVATION nach Baarlo, wo wir ein Pfannkuchen-Restaurant aufsuchten und danach hatten wir bei René zuhause eine Party. Daniel und Johan Langell besuchten unsere Release-Party und ich unterhalte mich immer mal wieder mit Daniel. Sie sind wirklich großartige Kerle und eine erstaunliche Band!

Die Reise nach Holland und ProgPower hatten wirklich einen großen Eindruck in unserem Leben hinterlassen und wir können es nicht erwarten dort wieder hinzugehen.

Wie waren denn so die Reaktionen des Publikums, als ihr die Bühne betreten habt? Kannten euch viele Leute?

Stefan: Nein, da waren nicht viele, die uns gekannt haben und ich denke, das war gut so. Soweit ich gehört habe, waren die meisten sehr positiv überrascht, was sehr cool ist. Ich denke, wir haben noch einen langen Weg vor uns, bevor die Leute mit Schreien anfangen, wenn wir die Bühne betreten, ha, ha!

Was ist denn eigentlich das HEDEN STRING QUARTET, das das Intro zu ´Echoes´ eingespielt hat?

Marcus: Das sind vier Mädchen, die in derselben Klasse wie ich Musik studieren. Wir brauchten ein Streichquartett und sie sind gute Freunde von uns. Tuva Modeér, die auch die Arrangements für ihre Part machte, ist auch Sängerin und Violinistin in meinem zweiten Projekt UNSOLVED EXPERIENCE.

Das hört sich interessant an! Kannst du uns darüber etwas mehr erzählen? Gibt´s denn auch schon Demos oder sowas?

Marcus: UNSOLVED EXPERIENCE ist eine völlig andere Band als WOLVERINE. Sie ist ziemlich psychedelisch, aber immer noch melodisch. Wir haben noch keine Demos aufgenommen, aber wir haben es vor. Momentan ist die Band auf Eis gelegt.

Wie seht ihr denn so eure Zukunft? Denkt ihr, daß ihr eher in eine eigenständigere Richtung gehen werdet und euch etwas von euren FATES WARNING-Wurzeln lösen werdet? Wenn ja, wie wird das ganze dann klingen? Oder seid ihr eher der Meinung, daß eure Musik so gut funktioniert und sich in Zukunft nicht mehr viel bei euch ändern wird?

Stefan: Wie ich schon zuvor sagte, erinnern mich die neuen Songs überhaupt nicht an FATES WARNING, aber vielleicht ist das nur mein Eindruck…es ist schwierig zu beschreiben, wie der Sound sein wird, da wir einfach die Musik machen, die wir lieben, und das ist unser einziger wegweisender Stern. Wir werden definitiv versuchen unseren Sound in Zukunft zu verändern, aber die nächste Scheibe wird sich nicht zu sehr unterscheiden, da wir den Hörer (und uns selbst…) an unseren Sound gewöhnen wollen und ja auch bisher erst eine Mini-CD veröffentlicht haben. Danach werden wir auf jeden Fall versuchen, etwas an unserem Sound zu verändern, aber zu sagen, wie sich das anhören wird ist unmöglich. Ich denke jedenfalls, daß du uns immer erkennen wirst und du immer hören wirst daß es sich um einen WOLVERINE-Song handeln wird. Eine Sache, die jetzt anders ist, ist daß wir zwei Songs ohne den Grunzgesang haben. Ich bin mir sicher, daß das einige Leute zufriedenstellen wird…

Ich muß jetzt aber doch nochmal zu diesem ´Kopie´-Thema kommen: welche Reaktionen erwartet ihr von der Presse und den Metal-Fans oder welche habt ihr bisher bekommen? Gibt es viele Leute, die kritisieren, daß ihr dem Original so ähnlich klingt? Habt ihr persönlich Probleme mit solchen Kritiken? Und was würdet ihr letztendlich sagen, ist der Hauptunterschied zwischen der Musik von WOLVERINE und FATES WARNING?

Stefan: Die Reviews waren erstaunlich und wir sind deshalb sowas von aufgeregt! Ich glaube, wir hatten bisher nur ein schlechtes Review, wenn man es überhaupt als schlecht bezeichnen kann (5 Punkte von 10). Die einzige Sache, weshalb die Leute negativ über uns geschrieben haben, war der Grunz-Gesang, aber das kümmert mich ehrlich gesagt nicht. Es gibt einige mehr, die die Growls für wirklich großartig halten…wir werden unseren Sound niemals verändern, nur weil die Leute nicht mögen, was wir machen. Wenn wir unseren Sound ändern, dann nur, weil wir es alle in der Band wollen.

Der Hauptunterschied zwischen der Musik von uns und der von FATES WARNING ist, daß Jim Matheos nicht bei uns spielt :-). Was soll ich auf diese Frage antworten? Wir tendieren dazu, längere Songs zu machen, wir benutzen manchmal Grunzgesang, wir sind oft aggressiver und vor allem: wir sind eine komplett andere Band. Sicher, einige Parts erinnern mich an FATES WARNING, aber ich glaube nicht, daß es zu viele sind…aber das ist wiederum meine Meinung. Ich bin mir sicher, daß mir da viele widersprechen werden 🙂

Ich will euch ja nicht mit dieser FATES WARNING Sache zu sehr auf die Nerven gehen, aber diese Geister habt ihr wohl selbst gerufen ;-). Könntest du dir vorstellen, daß ihr mal ein Meisterwerk und Monument wie ´Ivory Gate of Dreams´ komponieren werdet (da ihr ja auch gerne längere Songs macht…)?

Stefan: Ich weiß, daß wir auf ´Fervent Dream´ etwas nach FATES WARNING klingen, aber wie gesagt ähneln ihnen die neuen Songs nicht mehr so stark, weshalb ich hoffe, daß du deren Name nicht mehr verwenden wirst, wenn du unsere nächste CD reviewst, ha, ha!

Wir haben Pläne, einen Song zu schreiben, der so 30-40 Minuten dauert. Wir haben die Lyrics, aber bevor wir die Musik schreiben, möchten wir erst die Songs für das nächste Album fertigstellen. Wenn wir damit fertig sind, werden wir vielleicht ernsthaft mit der Arbeit zu diesem Song beginnen. Die Texte wurden von einem Freund von uns geschrieben, der wirklich eine großartige Arbeit geleistet hat. Mal sehen, wann wir es machen, vermutlich aber nicht in diesem Jahr.

Was bedeutet es für euch, ein spezielles Symbol für die Band zu besitzen (ich denke an euer WOLVERINE-Logo)? Gibt es dahinter eine bestimmte Bedeutung?

Und welchen Stellenwert hat das Artwork eines Albums für euch? Was sollte das Cover dem Fan rüberbringen?

Stefan: Wir denken, daß es gut ist, das WOLVERINE-Icon zu haben, da es einen stärkeren Eindruck hinterläßt, als wenn du nur den Bandnamen liest.

Die einzige Bedeutung ist, daß es die Band repräsentiert. Eine frühere Version erinnerte sehr an ein Symbol, das die Nazis verwendeten. Niemand von uns will als Nazi mißverstanden werden, deshalb änderten wir es.

Ich denke, ein Cover sollte etwas mit dem Material auf dem Album zu tun haben. Ich meine, du siehst nicht besonders oft Cover für Filme, die nichts mit diesem zu tun haben und dasselbe gilt meiner Meinung nach auch für Platten.

Bei ´Fervent Dream´ hat Mattias wirklich großartige Arbeit geleistet!

Dann kommen wir doch mal wieder zu unseren VAMPSTER-Fragen:

Was waren die letzten 3 Alben, die ihr euch gekauft habt?

Stefan: THE CORRS – Unplugged, DEAD CAN DANCE (bei dem ich gerade den Titel nicht weiß) und DREAM THEATER – Scenes from a Memory.

Marcus: MOGWAI – Come on die young, SELFISH (weiß den Titel auch nicht) und GARTH BROOKS – Fresh Horses.

Was waren eure besten/schlechtesten/lustigsten Live-Erlebnisse?

Stefan: Die beste Erfahrung war für mich, auf dem ProgPower 99 zu spielen! Die schlimmste war soweit ich weiß 1996, genaugenommen bei zwei Gigs: einmal spielten wir nur für unsere Freunde, die uns bei den Vorbereitungen zum Gig halfen und diese saßen am anderen Ende, weit weg, weshalb sie keine große Unterstützung waren. Bei einem anderen Gig spielten Mikael, Marcus und ich einen Song vor einem Publikum, das uns wirklich haßte und als wir mit dem Song fertig waren, waren so 80% des Publikums weg.

Das lustigste Erlebnis war für mich, als Marcus einen alten Song namens ´Religious Overdose´ beginnen wollte (du siehst also, wie cool wir damals waren, was? Ha, ha!) und er saß einfach für eine Weile da und fragte mich, wie der Song denn ginge. Wirklich peinlich damals, aber im Nachhinein ist es lustig!

Wen würdet ihr gerne mal treffen und warum?

Stefan: Die Liebe meines Lebens! Ich denke, ich muß nicht erklären, warum. Wenn es um Persönlichkeiten geht, die ich musikalisch verehre, dann würde ich gerne mal Paul Stanley und Gene Simmons von KISS treffen. Ich stell mir vor, mit ihnen einen Abend zu verbringen, an dem ich ihnen einfach nur zuhöre, während sie von Erlebnissen in ihrer Karriere erzählen. Was für eine Nacht!

Was bleibt mir da zum Schluß noch anderes übrig, als dieser vielversprechenden Band das beste zu wünschen und zu hoffen, daß das erste Full-Length-Album von WOLVERINE schon bald in den Läden stehen wird. Mal schauen, vielleicht muß ich im Zusammenhang mit WOLVERINE ja tatsächlich nie mehr den Namen FATES WARNING in den Mund nehm…. 😉

Fierce