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OBSCURA: Beim Pinkeln die Beine verlieren

OBSCURA: Beim Pinkeln die Beine verlieren

Samstag Nachmittag, 17:00 Uhr, Captain Chaos fährt durch das niederbayerische Unterholz, um das neue, sehr schöne und hervorragend ausgestattete Studio von V. Santura von DARK FORTRESS zu suchen. Aber interessant, es sind nur 20 Kilometer zu fahren und doch kommt es einem vor, wie eine gänzlich andere Welt. Steffen Kummerer, Sänger und Gitarrist, sowie einzig verbliebenes Gründungsmitglied von OBSCURA und ich haben uns verabredet um ein wenig über das neue Album Cosmogenesis, den furiosen Einstand bei RELAPSE, zu plaudern. Bei Kaffee und Kuchen vergeht die Zeit wie im Flug, und nebenbei erfahre ich alles, was ich über OBSCURA wissen muss. Und du auch.

 

So Steffen, fangen wir mal an.

Bei Kaffee und Kuchen.

So muss es sein. Wie fühlt es sich an, das neue große Ding auf dem größten US-Indie-Label zu sein?

Ist RELAPSE der größte US-Indie? Krass. Bei unserem Label habe ich das gute Gefühl, dass sie sich um alle Bands gleich viel kümmern. Egal, ob MUMAKIL eine 7-Single dort veröffentlichen, oder wir ein ganzes Album, sie bewerben alles gleich gut. Auch von der Kommunikation läuft alles sehr entspannt ab.

Wären OBSCURA auch bei RELAPSE gelandet, wären jetzt nicht auch zwei ehemalige NECROPHAGIST-Musiker bei euch dabei?

Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht wären wir wo anders gelandet, vielleicht gäbe es die Band aber auch gar nicht mehr.

Ich habe gehört, WILLOWTIP waren auch an euch interessiert?

Wir haben vier sehr gute Angebote erhalten, zwei haben wir uns dann genauer angeschaut, das waren ROADRUNNER und RELAPSE. Das europäische Büro von ROADRUNNER wollte uns, aber das US-Hauptquartier hat schlussendlich doch nicht so ganz daran geglaubt.

Ich denke, da habt ihr aber eh die bessere Wahl getroffen. Und jetzt natürlich noch herzlichen Glückwunsch zu Cosmogenesis. Obwohl ich auf diese Frickel-Death-Schiene nicht so sehr abfahre, stehe ich sehr auf das Album. Ihr geht auch einen anderen Weg, als die meisten Bands dieses Subgenres.

Wir haben jetzt einige Leute dabei, die ganz ordentlich spielen können, aber das soll nicht im Vordergrund stehen. Bands wie BRAINDRILL spielen nur auf Technik, was einerseits wirklich beeindruckend ist, aber doch recht schnell langweilt. Bei uns soll einfach der Song im Fokus stehen, nicht, was die Musiker spielen. Das technische Element gehört dazu, ist aber nicht das, was im Gedächtnis bleiben soll.

Zum Beispiel, dass die Riffs vertrackt, aber eingängig sind, und dass die Soli recht verspielt sind, aber dennoch eine gewisse Melodik beinhalten?

Ja, das kann man so sehen. Eigentlich geht es auch darum, diese Strophe-Refrain-artigen Songstrukturen zu verarbeiten, im Stil von Human von DEATH. Sie haben so viele erstaunliche Elemente auf dem Album, aber nach zwei, drei Mal hören bekommt man sie einfach nicht aus dem Kopf. Umgekehrt das Nachspielen, das ist natürlich nicht so einfach, da muss man schon wissen, wie man eine Gitarre hält.

Hat sich das Songwriting gezogen, oder läuft es bei OBSCURA schnell ab?

Ein paar der Stücke sind schon ein wenig älter, sie entstanden bald nach unserem Debütalbum Retribution, zum Beispiel Incarnated und Anticosmic Overload, die wir schon auf den letzten beiden Touren gespielt haben. Wir haben sie zwar noch etwas bearbeitet und die Arrangements umgestaltet, und der Rest entstand ganz ohne Druck. Wir haben den Plattenvertrag auch erst erhalten, als wir schon mit den Aufnahmen beschäftigt waren. Die Unterschrift haben wir dann erst gesetzt, als Cosmogenesis im Kasten war. Beworben hatten wir uns mit einer 3-Track-Promo, das lief alles irgendwie parallel. Wir haben ansonsten auch keine Songs übrig, das ganze Material wurde aufgenommen und landete auf dem Album.

Deine neuen Kollegen haben dann den älteren Stücken noch ihren eigenen Stempel aufgedrückt, Jeroen spielt ja auch einen sehr eigenständigen Stil.

Ja, deshalb durften wir auch die Platte dreimal abmischen.

Wegen dem Basssound? Da kommen wir noch später drauf, das ist ja ein ganzes Kapitel für sich.

Nur so viel, ein O-Ton: Bei zweihundertfünfundsechzig Hertz, bitte ein Dezibel lauter. Ich habe das auch nicht verstanden.

Mit Gitarrist Christian Münzner und Schlagzeuger Hannes Großmann hast du zwei ehemalige NECROPHAGIST-Instrumentalisten an Bord. Sie konnten sich damals kreativ nicht so einbringen, wie sieht es heute aus? Führt Steffen Kummerer ein ähnliches Regime wie der NECROPHAGIST-Chef Muhammed Sucimez?

Ich kenne Muhammed nicht persönlich, da kann ich nichts dazu sagen. Ich führe mein eigenes Regime, sogar ein wenig demokratisch angehaucht. Bei OBSCURA kann jeder seinen eigenen Input bringen. Von den neuen Songs sind ungefähr achtzig Prozent von Hannes und mir, ein Lied wurde von Christian geschrieben und Jeroen hat seine ganzen Basslinien geschrieben. Ich sage niemals vorher, dass etwas nicht gehen würde.

Achtest du schon beim Schreiben des Songs, ob du das dann auch live darbieten kannst, also ob du mit einer schwierigen Gesangslinie und einem verdrehten Riff gleichzeitig zurecht kommst?

Eigentlich steht bei uns erst das komplette, instrumentale Stück, die meisten Gesangslinien kamen im Studio hinzu. Für die Gesangsaufnahmen haben wir uns drei Wochen Zeit gelassen und an allen Details gefeilt, bis es gepasst hat. Ob man es hinterher auch umsetzen kann, ist dann eine Sache des Übens.

Live habe ich euch in dieser Besetzung noch nicht gesehen. Wie probt ihr das Set ein? Eine Woche vor der Tour treffen und dann üben, üben, üben?

Die ganzen Songs sind in Guitar Pro ausnotiert und jeder bereitet sich zu Hause darauf vor. Jeroen kommt dann einen Tag vor der Show aus Amsterdam angeflogen und wir spielen das alles ein, zweimal durch und es muss einfach laufen. Aber das funktioniert ganz gut. Die ersten Konzerte waren in Weimar und in Zaandam, sie waren nicht perfekt, aber es ging ganz gut. Es wird auch immer besser, und wenn wir erstmal ein paar Gigs am Stück spielen, gibt es keine Probleme.

Mit Hannes und Christian triffst du dich ja auch öfter zum Proben, auch trotz der teils recht weiten Distanz.

Hannes wohnt in Nürnberg, wo wir auch proben, Christian zwischen Frankfurt und Schweinfurt, das ist schon ein Stück für mich zu fahren, aber wenn nicht gerade Prüfungen an der Uni sind, dann üben wir schon ungefähr einmal pro Woche zu dritt. Jeroen kommt dazu, wenn etwas Größeres ansteht. Letztes Jahr war er zwischen zwölf und vierzehn Mal da. Wenn man die Flüge früh genug bucht, ist das auch nicht so teuer.

Wenn ihr so regelmäßig probt, gibt es dann auch schon neue Nummern?

Fünf Stück sind schon fertig.

 OBSCURA
Bei uns soll der Song im Vordergrund stehen, nicht das, was die Musiker spielen. Steffen über das Material auf Cosmogenesis.

Haben deine Mitmusiker hier mehr Eigeninitiative am Songwriting übernommen?

Teils ja, wir schreiben die Parts einzeln per Guitar Pro, schicken sie rum und jeder kann daran herum arrangieren oder etwas Neues dazu bauen. Das läuft sehr ausgeglichen ab. Hannes hat viel zu viel Zeit und deshalb viel zu viele Songs geschrieben. Das Problem war allerdings, dass er bei seinen Ideen zu Cosmogenesis niedergeschrieben hat, ohne eine Gitarre in der Hand zu halten. Das resultierte darin, dass es absolut unspielbar war. Da mussten wir ein paar Töne tauschen, damit die Spannweite der Finger nicht überlastet wurde. Aber bei den Proben jammen wir generell nicht, wir üben die Songs ein, die wir haben. Das läuft auch recht diszipliniert ab.

Du warst ja immer ein umtriebiges Kerlchen, warst in allen möglichen Bands permanent am Start. Das geht jetzt aber nicht mehr, oder?

Nein, gar nicht. Ich habe damals zum Beispiel bei BLACK HORIZONS und FESTERING SALIVA niemals Musik geschrieben, das waren eher Live-Jobs. Es hat echt Spaß gemacht, aber das geht jetzt nicht mehr.

Das Material auf Cosmogenesis ist einerseits schon sehr originell, andererseits hört man sofort, deine Leidenschaft für US-Death Metal aus den Neunzigern. Ich höre viel DEATH und CYNIC heraus, für mich klingt es allerdings eher wie ein Zwischenschritt, so als hättet ihr das Potenzial auf dem nächsten Album etwas ganz Eigenes zu kreieren.

Wir sind alle große Fans von DEATH und CYNIC, aber auch vor allem EMPEROR. Ich höre da viel von Prometheus heraus.

Ich habe auch OPETH entdeckt.

Das haben mir schon einige Leute gesagt, aber ich wüsste nicht, wo.

Das kann ich dir sofort sagen. Und zwar bei Universe Momentum, das klingt nach My Arms, Your Hearse, aber technischer und brutaler.

Das wäre mir neu, weil das ist eigentlich komplett Neoklassik, EMPEROR trifft auf NECROPHAGIST. Aber ich habe My Arms, Your Hearse auch gar nicht. Ich habe nur Watershed.

Du willst mir nicht ernsthaft erzählen, dass du ansonsten keine OPETH-Alben hast.

Doch, ich habe nichts von denen. Das eine habe ich mir auch nur gekauft, als Inspiration für Gesangslinien. Hat aber nicht geklappt.

Da gibt es auch stärker inspirierende Alben von OPETH. Aber wir reden hier nicht über OPETH. Worauf ich vorher hinaus wollte: Als ich damals Focus erschien, war die Zeit und die Szene gar nicht Reif für CYNIC. Jetzt, mit deren Reunion erlebt diese Band eine Renaissance, da wäre es doch Zeit, die Musik auf das nächste Level zu bringen. Und nun ist die Frage, ob ihr das könnt.

Wir nicht, ob CYNIC mit Traced in Air das schaffen, ist die Frage. Paul Masvidal hat mir erzählt, dass sie 1993 mit CANNIBAL CORPSE auf Tour waren und jeden Abend mit Bierflaschen beworfen wurden. Es stimmt, die Leute waren damals nicht reif dafür. Wie groß sind heute OPETH und MESHUGGAH? Nach Panzerdivision Marduk dachte man auch, es gibt nichts schnelleres, aber dann kamen ORIGIN. So als Beispiel.

Paul Masvidal wollte doch eigentlich ein Solo auf Cosmogenesis einspielen.

Das hat leider nicht geklappt, er hatte keine Zeit. Aber Tymon Kruidenier, der jetzige zweite Gitarrist von CYNIC hat das Solo stattdessen eingespielt. Paul hat die Promo erhalten, uns abgesagt, aber Tymon hat uns dann gefragt, ob er einspielen darf.

Bei den Gastsolisten ist noch ein anderer prominenter Musiker zu hören.

Ja, Ron Jarzombek von WATCHTOWER. Er hat das Solo für den Titeltrack aufgenommen, das klingt wie Brian May auf Death Metal. Wir hatten für diesen Teil zwei Soli aufgenommen, aber es klang einfach nicht so, wie es sollte. Jeroen hatte dann die Idee dazu, Ron zu fragen. Er kennt ihn von früher und hat auch seine E-Mail-Adresse. Er hat dann in drei Tagen dieses Solo eingespielt und uns geschickt.

Gab es noch andere Gitarristen, die ihr angefragt hattet, aber dann nicht mitgemacht haben?

Nein, wir hatten nur die Schnapsidee Dave Mustaine und Kirk Hammet unabhängig voneinander anzuschreiben. Sie sollten dann sie Soli unabhängig von einander einspielen, aber ohne, dass sie vom Anderen wissen. Das heben wir uns dann für das nächste Album auf.

Jetzt keine Späße mehr. Der Vocoder-Gesang ist schon auch eine sehr deutliche CYNIC-Hommage.

Das wollte ich schon ewig machen. Dann fand ich im Internet aufgelistet, welche Effekte Paul Masvidal damals benutzt hat und habe mir genau die gleiche Ausrüstung bei Ebay gekauft, das war auch gar nicht teuer, wenn es hoch kommt, vielleicht 250 Euro. Das sind zwei Effektgeräte und dann braucht man halt ein zweites Mikrofon dazu, das funktioniert auch live prima.

Wollt ihr das ausbauen, zum Beispiel in den fünf neuen Songs?

Das wissen wir noch nicht. Da haben wir bisher Black Metal-Fusion, mit dem Einsatz von Achsaitigen Gitarren, Saxophon-Soli und so weiter. Wir haben viele, viele Ideen.

Noospheres ist die ultimative CYNIC-Hommage, weil auch das Hauptriff schwer nach Focus klingt.

Echt? Ich finde, das klingt eher nach Göteborg-Death Metal.

Am besten gefällt mir aber Centric Flow, mit seinem ultimativen Rausschmeißer-Riff.

Da fehlt mir persönlich noch das Gitarrensolo, so etwas Ausladendes. Aber dann hätte wieder jeder gesagt, wir würden von How Could I klauen. Aber was episches hat der Song schon.

Bei Infinite Rotation gibt es auch epischen Klargesang, der ist aber nicht so bearbeitet.

Das ist auch kein Vocoder, sondern ein Leslie, so ein Zwischending aus Delay und Verzerrer. Da setzt man zwei Stimmen zu einer zusammen.

Das lässt jedoch die Frage offen, ob du dich auch mal an normalen, klaren Gesang wagen willst.

Das habe ich ja mal gelernt. Ich war ja auch mal in einem stockkonservativen Musikinternat. Also daran sollte es nicht scheitern.

 OBSCURA
OBSCURA: Hannes Großmann, Christian Münzner, Steffen Kummerer und Jeroen Paul Thesseling

Halbzeit. Kaffee nachschenken, leider kalt. Steffen holt eine Original-CD und gibt sie mir zur Inspektion.

Schönes Artwork habt ihr da, ich kenne ja nur die Promo. Das hat Orion Landau, der Haus-und-Hof-Visualist von RELAPSE gemacht. Wolltet oder musstet ihr mit ihm arbeiten?

Wir haben mit mehreren Künstlern Kontakt aufgenommen, zum Beispiel Dan Seagrave und den Riddick-Brüden. Dan Seagrave hat preislich utopische Vorstellungen und die Riddick Brüder haben es nicht so hingekriegt, wie wir es wollten. Über Gordon von RELAPSE haben wir dann Kontakt mit Orion geknüpft und seine ersten Ideen waren sehr gut, also haben wir ihm den Auftrag gegeben. Wir sind auch mit dem Layout sehr zufrieden.

Der Albumtitel wurde schön umgesetzt, von den Texten kann ich nicht sprechen. Und lesen werde ich sie jetzt nicht, sonst dauert das ja ewig. Was ich aber gehört habe ist, dass du kosmischen Themen mit persönlichen Emotionen kreuzt.

Es ist relativ abstrakt gehalten, es gibt ein paar sehr interessante Thesen von französischen Philosophen und Wissenschaftlern aus dem Neunzehnten Jahrhundert, da habe ich mir einfach meine Interpretation herausgezogen und das ein wenig kosmischer gestaltet. Der Themenkomplex und der Albumtitel passt auch gut zur aktuellen Situation von OBSCURA, ein Neustart sozusagen. Immerhin haben wir eine neue Plattenfirma und eine komplett neue Besetzung, das hat auch jedem gefallen. Abgesehen, dass jeder von uns die Band GENESIS hasst wie die Pest, denn das war Anfangs ein kleiner Streitpunkt.

Was mir gerade einfällt, die klassischen Gitarren auf Cosmogenesis hat Christian eingespielt?

Ja, das war er. Er ist ja ausgebildeter Gitarrist, hat das MG-Institut in München besucht, in Freiburg eine Jazzschule besucht und hat auch in Boston studiert. Er arbeitet auch als Gitarrenlehrer.

Und Jeroen, was war mit ihm? Hatte er plötzlich wieder Lust auf Death Metal, über zehn Jahre nach PESTILENCE?

Ich habe 2004 irgendwo gelesen, dass er wieder Lust hatte, Death Metal zu spielen, dann habe ich ihm geschrieben, was er denn in zwei Wochen vorhätte, weil wir zu diesem Zeitpunkt Retribution aufnehmen wollten. Das war natürlich viel zu kurzfristig, aber der Kontakt blieb aufrecht erhalten. Ende 2007 habe ich ihn angeschrieben, ob er denn nun Lust hätte. Sein Musiksammlung ist übrigens großartig, nur Flamenco und Jazz, sowie NILE und NECROPHAGIST. Und dazwischen nichts. Da damals Hannes schon dabei war, war er gleich Feuer und Flamme und Christian hat auch nicht lange auf sich warten lassen.

Die alte Besetzung ist eher aus Zeitproblemen zerbröckelt.

Streitpunkte gab es nicht, meine ehemaligen Mitmusiker hatten viel Stress beim studieren. Tourfähig war die Besetzung dann nicht mehr.

Und in der Zeit ohne Label habt ihr ja auch zwei Touren organisiert. Einmal mit SUFFOCATION

…und einmal eine Balkan-Tour. Das war der Wahnsinn. Es ist nicht alles glatt gelaufen, aber wir hatten kein Label und mussten unbedingt raus.

Da wirst du ja irre, ohne Netzwerk und Bookingagentur eine Tour aufzuziehen. Was du da an Clubs anschreiben musst.

Wir haben uns das aufgeteilt mit AGONIST aus Bosnien-Herzegowina. Es war schon viel Arbeit, aber es ging schon.

Viktor hat gerade gesagt, Cosmogenesis war die erste Produktion in diesem Studio. Den letzten Nagel in die Wand gehauen, fünf Minuten später stand Hannes in der Tür für die Schlagzeugaufnahmen. Da musste Viktor doch total motiviert sein, sich auch bei den Aufnahmen austoben zu können.

Wir mussten die Aufnahmen ein wenig nach hinten verschieben, weil es auch etwas gedauert hatte, bis Viktor das Haus gefunden hat. Wir hatten schon überlegt, die Drums wo anders aufzunehmen, aber es hat sich doch alles in Wohlgefallen aufgelöst. Das Studio ist zwar hier mitten im Nirgendwo, hinter Landshut, wo es auch gar nichts gibt…

…aber dafür wirst du hier halt überhaupt nicht abgelenkt von der Arbeit.

 OBSCURA
Der Themenkomplex passt gut zur aktuellen Situation von OBSCURA. Steffen über den Quasi-Neustart seiner Band.

Nein, das passierte gar nicht.

Hat euch Viktor auch zum experimentieren angeregt? Ich denke da speziell an den Anfang von Universe Momentum, mit seinen Keyboards.

Nein, das gar nicht. Wir haben statt Keyboards Chöre verwendet, das ist nun dreistimmig und war vorher zweistimmig programmiert. Wie schon erwähnt, haben wir den Großteil der Gesangsspuren hier geschrieben und viel daran gearbeitet und ich denke, man hört es auch, dass wir nicht nur was drauf gebrüllt haben.

Wie lange war die ganze Studiozeit?

Insgesamt dauerte es circa drei Monate, aber das waren natürlich verschiedene Sessions. Bei der Schlagzeugnachbearbeitung war zum Beispiel keiner von uns anwesend.

Manche Musik fordert das eben.

Wir haben bei ein paar Stellen die Noten einzeln eingespielt, bei Sweeps zum Beispiel, die absolut akkurat sitzen müssen. Aber ansonsten haben wir es so lebendig wie möglich gehalten, die Soli sind zum Beispiel am meisten Rock and Roll auf dem Album, da wurde auch kaum etwas geschnitten. Beim Schlagzeug wurde nur die Bass-Drum getriggert, da ist alles echt und unbearbeitet. Beim Titelsong ist nichts verändert, oder geschnitten, das hat Hannes als One-Take eingespielt.

Der Bass ist auch nicht in den Hintergrund gemischt, nachdem Jeroen auch nicht Bass spielt wie Death Metal-Bassist Max Mustermann, völlig gerechtfertigt.

Der Bass war anfangs noch weit mehr im Vordergrund, aber da mussten wir Jeroen ein wenig zügeln, ansonsten wäre es eine Soloscheibe für Bassisten geworden. Jeroen kennt durch die lange Zeit im Geschäft auch viele Leute, und irgendwann hat er mit einem Bekannten eine Spektralanalyse durchgeführt und geschaut, wo die Hertzzahl der Schwingungen den typischen Warwick-Sound ergibt und hat uns hier angewiesen: Bitte ein Dezibel lauter.

Völlig irre.

Sein Kumpel, der mal eine ROLLING STONES-Scheibe produzierte, hat in seinem Studio diese Analyse gemacht. Wir haben das nicht ganz so eng gesehen und haben einfach gesagt: Der Bass ist zu laut. Aber es hat ja alles Spaß gemacht.

In gut einem Monat geht es über den großen Teich, OBSCURA auf der ersten US-Tour, als Support von CANNIBAL CORPSE.

Wir freuen uns unglaublich darauf, das wird super. Uns haben auch schon einige Leute angeschrieben, die sich darauf freuen uns zu sehen. Nach der CANNIBAL CORPSE-Tour hängen wir noch ein paar Wochen als Headliner hinten dran. Ich glaube Jeroen hat noch nie in seinem Leben eine Tour im Van gemacht, aber das wird schon funktionieren. So schlimm wie mit einem Ford-Van durch den Balkan zu fahren, und Hinweise zu erhalten, wie Wenn ihr pinkeln müsst hier nicht aussteigen, sonst habt ihr wegen den Minen keine Beine mehr wird es schon nicht werden.

Wow. Nein, da sind glaube ich sogar die USA sicherer. Aber im Herbst ist dann eine Europatour dran, habe ich gehört?

Es sind schon ein paar Namen im Gespräch, aber noch nichts festes. Da warten wir noch ab. Und im Dezember ist noch Japan und Australien geplant. Festivals sind dafür im Sommer noch nicht viele geplant, da die meisten Open Airs schon ihr Line-Up komplett haben. Aber langweilig wird uns bestimmt nicht werden.

Und dann wird es ja auch keine fünf Jahre dauern, bis ihr den Cosmogenesis-Nachfolger einspielt.

Nein, wir haben es ins Auge gefasst im Sommer 2010 wieder aufzunehmen. Vermutlich werden wir auch hier wieder aufnehmen, weil wir den Viktors Produktionen sehr mögen, man hört was auf dem Album passiert und es ist nicht zu klinisch und steril.

Steffen, du hast es geschafft. Stell dir zum Abschluss selbst noch die Frage, die du schon immer mal gestellt bekommen wolltest.

Woher stammt euer Bandname? Ha ha ha.

 

Bilder: Relapse Records