Interview mit DEMONIAC: “Chilenischer Metal ist mein Leibgericht”

Mit dem neuen Progressive Blackened Thrash Metal-Album “So It Goes” haben mich die Chilenen von DEMONIAC auf Anhieb gepackt. Kreatives Songwriting, großartige Gitarren-Soli und das Einflechten von jazzigen Elementen und Klarinetten-Klängen sind nur einige der Punkte, die das Album zu einem echten Genuss machten. Bassist Vicente Pereira nahm sich dazu auch noch ausreichend Zeit, um unsere Fragen zu beantworten.

Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt und danke auch für euer großartiges Album “So It Goes“. Hättet ihr mit einem derart großen Zuspruch gerechnet?

Um ehrlich zu sein, haben wir schon mit guter Resonanz gerechnet. Aber dass die Reaktionen auf das Album so gut ausfallen, hat unsere Erwartungen übertroffen. Als wir dieses Album gemacht haben, haben wir es mit großer Begeisterung gemacht und wir haben hart daran gearbeitet, um ein gutes Endergebnis zu erzielen. Wir haben gehofft, dass das Album gute Reviews bekommen würde, aber es gab dann so viele Reviews zum Album, die alle sehr sehr gut waren und eben manche, die das Album als eines der besten des Jahres bezeichneten. Dieses Album wurde viel besser aufgenommen als “Intemperance” zu seiner Zeit. Das war auch ein gutes Album ist, aber mit “So It Goes” hat sich alles viel schneller und weiter verbreitet.

Wirken sich die guten Rezensionen auch schon auf die Bestellungen aus?

Ja, sowohl in Chile als auch weltweit. In den ersten Wochen haben wir viele Exemplare der chilenischen Ausgabe des Albums verkauft. Die erste Pressung der Tape-Ausgabe war fast nur mit Vorbestellungen ausverkauft und jetzt in der Veröffentlichungswoche der norwegischen Version ist das Album bereits auf Bandcamp ausverkauft und “So It Goes” zählt zu den meistverkauften Metal-Alben auf dieser Plattform. Außerdem und was noch wichtiger ist, wir haben viele gute Kommentare von Menschen auf der ganzen Welt zu unserer Musik erhalten, was zuvor noch nie in so großem Ausmaß geschehen ist. Ich denke, dank der Kritiken haben viele Leute die Band und unser neues Album kennengelernt, und diese Kritiken waren hilfreich, da die überwiegende Mehrheit unser neues Album gelobt hat. Wir sind allen sehr dankbar, die sich auf die eine oder andere Weise für unsere Musik interessieren, das Album gekauft, Rezensionen geschrieben oder uns einfach eine Nachricht geschickt und gesagt haben, wie gut ihnen das Album gefällt.

Das Album wird ja über mehrere Labels veröffentlicht (Dissonant Death Records, South America Suicide Records und Edged Circle Productions). Habt ihr selbst aktiv nach einem Label gesucht?

Jede einzelne Zusammenarbeit mit den verschiedenen Labels fand auf unterschiedliche Weise statt. Mit Dissonant Death Records hatten wir bereits für einige der früheren Veröffentlichungen zusammengearbeitet und das Label war immer sehr seriös. Bevor „So It Goes“ fertiggestellt war, hatten wir bereits mit dem Label gesprochen, um das Album als Tape zu veröffentlichen. In Bezug auf Suicide Records schlug Camilo Pierattini (DEKAPITED, SIGN OF EVIL, INVOCATION SPELLS), der Manager des Labels und den wir seit Jahren kennen, vor, eine Koproduktion zwischen dem Label und uns zu machen, was uns sehr zusagte. Da wir es immer vorziehen, unser eigenes Material zu haben, anstatt nur einen kleinen Prozentsatz der Pressung zu erhalten, war er der perfekte Partner, den wir brauchten. Schließlich fanden wir Edged Circle Productions, nachdem wir diverse ausländische Labels angeschrieben haben, da wir der Meinung waren, dass das Album nicht nur in Chile und Südamerika bleiben soll, sondern sich auch in Europa, Nordamerika usw. verbreiten sollte und ein ausländisches Label uns dabei helfen könnte. Edged Circle Productions hat das Album sehr gut gefallen und uns eine CD / Vinyl / Digital-Veröffentlichung angeboten. Somit mussten wir, um die Frage zu beantworten, schon selber aktiv sein, um nach einem ausländischen Label zu suchen. Zum Glück haben wir für unsere 2 LPs sehr gute und seriöse Labels gefunden.

Was war die Idee hinter dem Titeltrack “So It Goes” bzw. war es von vornherein geplant, so einen Mammut-Track von 20 Minuten zu schreiben?

Zum Zeitpunkt des Komponierens dachten wir darüber nach, wie unser zweites Album aussehen könnte. Da hatten wir die Idee, dass das Album aus “kurzen” Songs auf Seite A und einem einzigen langen Song auf Seite B bestehen könnte. So war es geplant, aber wir waren uns noch nicht sicher, wie ein langer Song konkret aussehen würde. Aber als wir alles komponiert hatten, was auf eine ganz natürliche Weise geschah, hatten wir nicht das Gefühl, dass wir den Song extra “verlängern” müssten. Jedes Teil fand seinen Platz im Song. Der Track selbst ist eine introspektive Reise, eine Konfrontation eines Wesens gegen sich selbst.

“Wir hatten die Idee, dass das Album aus “kurzen” Songs auf Seite A und einem einzigen langen Song auf Seite B bestehen könnte.”

Jedes einzelne Gitarren-Solo geht unter die Haut. Sind die Soli aus dem Bauch heraus entstanden oder war da schon mehr Komposition dahinter?

Es ist eine Mischung aus beiden. Zu Beginn wurden verschiedene Ideen für die Soli ausprobiert und langsam eine Hauptstruktur des Solos definiert – all das im Prozess des Songwritings und der Proben. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wurden diese Ideen ausgefeilt und die endgültige Version des Solos wird definiert. Etwas, was Gitarrist Nicolas Young in diesem Moment noch einfällt, wird jedoch immer beibehalten. Er ist ein sehr guter Gitarrist und es fällt ihm leicht, die Ideen, die wir für das Solo haben, auf der Gitarre umzusetzen, während er beim Schreiben des Solos auch sehr gut improvisieren und es in den Song integrieren kann.

Gibt es Gitarren-Soli von anderen Gitarristen, die euch immer wieder eine Gänsehaut aufziehen?

Natürlich könnte ich viele Bands oder Gitarristen erwähnen, die das bei uns verursachen. Um nur einige zu nennen, könnte ich die Gitarrensoli von IRON MAIDEN, KING DIAMOND, MEGADETH und sogar Bands wie QUEEN hervorheben. Tatsächlich zieht es uns nicht nur bei Gitarrensoli eine Gänsehaut auf. Fast die gesamte Musik, die wir mögen, schafft es, diesen Effekt zu erzeugen. Es ist ein natürlicher Hinweis darauf, dass das, was man hört, etwas ist, das man mag.

Wie läuft bei euch der Songwriting Prozess generell ab?

Der Hauptkomponist bei DEMONIAC ist Heavier Mortiz (Gitarist und Sänger Javier Ortiz) . Er komponiert die Songs, ehe wir dann bei den gemeinsamen Proben beginnen, mehr an diesen Kompositionen zu arbeiten: Arrangements werden dem Schlagzeug hinzugefügt, die Basslinien werden erstellt, wir beginnen mit der Arbeit an den Soli und im Allgemeinen werden mehr Ideen eingearbeit und ausgefeilt. Tatsächlich ist der Kompositionsprozess ziemlich lang und erst dann abgeschlossen, wenn wir die endgültigen Versionen der Songs aufnehmen. Normalerweise nehmen wir Demos und Vorproduktionen für unsere Veröffentlichungen auf. Während dieses Prozesses entwickeln wir verschiedene Ideen, Details und Arrangements für die Songs, so dass sie bei Bedarf erst zum letzten Moment weiter modifiziert werden. Dies kann durch Anhören der frühen Live-Versionen der Songs etwa beim “So It Goes” Album überprüft werden. Viele dieser Versionen unterscheiden sich sowohl in der Struktur als auch in den Texten von den endgültigen Versionen auf dem Album. Somit kann man sagen, dass der Kompositionsprozess eines Songs erst dann abgeschlossen ist, wenn das Lied endgültig aufgenommen worden ist.

Würdet ihr im nachhinein noch etwas an den Songs verändern, wenn ihr könntet?

Das passiert uns ständig. Einige Songs auf unserem Album „Intemperance“ werden live mit einigen Änderungen oder Details gespielt, die so nicht auf der Studio-Version enthalten sind. Dies liegt daran, dass uns diese Ideen einfach nach der Aufnahme des Albums oder sogar nach der Veröffentlichung gekommen sind. Es ist jedoch nicht so, dass wir die Zeit zurückdrehen möchten, um den Song zu ändern. Uns gefällt es, dass es diese Details für die Live-Versionen gibt und dass es zwischen der Live-Version und der Studio-Version Unterschiede gibt. Ich weiß nicht, ob mit den Songs von „So It Goes“ etwas Ähnliches passieren wird. Wir planen das nicht, aber es passiert auf natürliche Weise.

Eure Texte wechseln vom Spanischen ins Englische. Was sind die Gründe dafür?

Für das Album „So It Goes“ haben wir beschlossen, den Lyrics mehr Bedeutung beizumessen und mehr an ihnen zu arbeiten. Dies ist ein Aspekt, den wir bei unseren vorherigen Releases eher im Hintergrund gelassen haben. Unter diesem Gesichtspunkt hatten wir das Gefühl, dass es eine effektivere Art zu kommunizieren sei, wenn wir es in unserer Muttersprache machen. Deshalb haben wir uns entschlossen, wieder Songs auf Spanisch zu schreiben, was wir seit unserer EP „Judgement Of Death“ (2012) nicht mehr getan hatten. In den letzten Jahren haben wir viel Musik mit spanischen Texten und chilenischen Künstlern gehört und dadurch entdeckt, wie wichtig die Texte sind und wie wichtig es ist, die Botschaft verstehen zu können. Wenn wir Songs auf Englisch schreiben, kann das zu einem Hindernis für die Übermittlung einer Nachricht werden. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, Songs in beiden Sprachen zu schreiben. Wir hatten das Gefühl, dass wir unsere Muttersprache beim Schreiben der Texte nicht beiseite legen konnten, um uns besser auszudrücken und besser verstanden zu werden.

“Die Vision von “So It Goes” hängt stark damit zusammen, was der Tod für das Leben bedeutet”

Das Cover von “So It Goes” wirkt wie eine Tarot Karte. Habt ihr einen Bezug dazu? Und wer hat das Artwork gestaltet?

Das Artwork stammt von Bastian Velásquez, der auch mit Bands wie CRITICAL DEFIANCE, RIPPER, DEATHSVN, AXE BATTLER usw. zusammengearbeitet hat. Für das Artwork von „So It Goes“ haben wir uns auf die Todeskarte des Tarot konzentriert, obwohl wir keineswegs von der esoterischen Welt angezogen sind. Aber es ist die Symbolik der Karte, die unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, um sie fürs Cover zu verwenden. Der Tod diskriminiert nicht, der Tod ist die einzige Gewissheit im Leben. Der Tod ist eine Realität, die wir unser ganzes Leben lang tragen müssen. Die Vision von “So It Goes” hängt stark damit zusammen, was der Tod für das Leben bedeutet. Wir hatten daher das Gefühl, dass dieses Bild perfekt zum Album passt. Schließlich sind wir sehr zufrieden mit der Arbeit von Bastian und all den schönen Details, die sich im Artwork verbergen.

“Der Tod diskriminiert nicht, der Tod ist die einzige Gewissheit im Leben.”

Eine sehr übliche Frage, aber welche Bands haben euch beeinflusst?

Eine übliche, aber schwierige Frage. Ich denke, die Liste könnte endlos sein. Ich denke, der Haupteinfluss für DEMONIAC ist die chilenische Szene. Wir “ernähren” uns viel von nationalen Bands wie RIPPER, WARTH, DRENCROM, MISERYCORE, MENTAL DEVASTATION, INFERNAL SLAUGHTER und HELLISH, um nur einige zu nennen, alle mit großartigen Werken. Wir mögen viele chilenische Bands, daher ist es unvermeidlich, von ihnen beeinflusst zu sein. Aber es gibt klassische Einflüsse wie MAYHEM, METALLICA, SEPULTURA oder SODOM und andere, nicht ganz so große Bands wie NEGATIVE PLANE, ANTICHRIST, SABBAT  und weitere endlose Namen. Die Liste wird länger für Einflüsse, die kein Metal sind, da wir eine Vielzahl von Genres wie Punk, Progressive Rock, Jazz und andere chilenische Bands hören, die keinen Metal spielen. Wir sind keine Leute, die nur Metal hören. Die Musik, die wir als Individuum hören, ist sehr breit und ich denke, dass alles, was man hört, in gewissem Maße beeinflusst. Ich denke, das war ein großer Beitrag, um unseren eigenen Sound zu finden und frische Elemente in unsere Musik zu integrieren. Ich bin mir sicher, dass ich viele Bandnamen vergessen habe, aber zumindest habe ich dir eine allgemeine Vorstellung von unseren Einflüssen gegeben.

Welche Bands habt ihr in eurem Leben bislang am öftesten live gesehen?

Wahrscheinlich sind die Bands, die wir am öftesten live gesehen haben, die Bands der chilenischen Szene, darunter Weltklasse-Bands wie RIPPER oder CRITICAL DEFIANCE, mit denen wir oft die Bühne geteilt haben. Wir haben auch chilenische Bands gesehen, die nicht primär Metal spielen. Wir mögen ja viele chilenische Bands. Jedes Mal, wenn wir die Möglichkeit haben, sie in der Nähe unseres Wohnortes zu sehen, gehen wir zu ihren Shows. In Bezug auf internationale Bands denke ich, dass wir IRON MAIDEN am häufigsten live gesehen haben. Sie kommen normalerweise alle paar Jahre nach Chile und die Show ist immer auf einem sehr hohen Niveau. Sie sind Metal-Legenden, die trotz der vielen Jahre noch immer sehr gut mithalten. Es ist immer eine Freude, sie live zu sehen. Sicherlich werden wir sie in den nächsten Jahren wieder live sehen. An zweiter Stelle denke ich, dass es EXODUS sind. Sie sind auch mehrmals nach Chile gekommen und haben sogar in der Nähe unseres Wohnortes gespielt, so dass wir die Gelegenheit hatten, sie bei verschiedenen Gelegenheiten zu sehen.

Welche Alben laufen bei euch zur Zeit?

Eine schnelle Liste, was wir zuletzt gehört haben:

INQUISITION “Black Mass for a Mass Grave”
THIRSTY DEMON “Unconscious Suicide”
SOLIPNOSIS “Clarividencia, Introspección, Retrospección”
SIGN OF EVIL “Psychodelic Horror”
ETERNAL CHAMPIONRavening Iron

Auf welchem Medienformat hörst du Musik am liebsten?

Ehrlich gesagt, habe ich keinen Favoriten. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Vinyl ist vielleicht das Format, das mir am besten gefällt, aber es ist viel teurer als eine CD oder ein Tape, besonders hier in Chile, so dass es schwieriger ist, Musik in diesem Format zu erwerben. An zweiter Stelle wäre wohl das Tape, aber das große Problem ist, dass die Tapes bei ständigem Gebrauch beschädigt werden. Es ist schwierig, ein Tape über die Jahre in einem guten Zustand zu halten. Schließlich ist es die CD, das vielleicht zugänglichste Format, aber gleichzeitig das am wenigsten „romantische“ und vielleicht das ästhetisch schwächste Format. Wie ich zu Beginn sagte, habe ich kein Lieblingsformat, ich denke, sie alle erfüllen ihren Zweck sehr gut.

Hin und wieder flechtet ihr Jazz-Elemente ein. Welchen Bezug habt ihr zum Jazz?

Obwohl wir Jazz mögen, sind wir nicht auf dieses Genre spezialisiert. Zudem mögen wir eher nur den klassischen Jazz. Ich denke, dass wir einen größeren Bezug zum Progressive Rock haben mit Bands wie KING CRIMSON, CAMEL usw. Hier kommt dann der Jazz ein bisschen heraus. Somit wäre unsere Verbindung zum Jazz über den Progressive Rock.

Gitarrist Nicolas Young spielte Klarinette auf eurem neuen Album. Wie kam es dazu, dass er sich eine Klarinette zulegte? Und gab es zu diesem Zeitpunkt bereits die Idee, dieses Instrument in die Musik von DEMONIAC ​​einzubauen?

Nicolas Young ist nicht nur ein großartiger Gitarrist, sondern auch ein großartiger Musiker. Er singt, spielt Gitarre, Keyboard, Klarinette und vielleicht ein anderes Instrument, an das ich mich jetzt nicht erinnere. Irgendwann kaufte er sich eine gebrauchte Klarinette und lernte sie zu spielen. Er benutzte die Klarinette zunächst für eines seiner anderen Projekte (kein Metal). Als wir herausfanden, dass er Klarinette spielt, beschlossen wir, bei den Proben mit diesem Instrument zu experimentieren. Und so fand das Instrument seinen Platz in den Kompositionen für „So It Goes“. Es wurde zum Werkzeug, das wir zur Hand hatten, und wir haben nicht gezögert, es zu integrieren. Das erste Ergebnis hat uns sehr gut gefallen. Deshalb haben wir beschlossen, diese Idee fortzusetzen und dieses Instrument definitiv auf auf unserem nächsten Album zu integrieren.

“Wir wollen jedoch nicht den Stempel aufgedrückt bekommen, diejenige Band zu sein, die “seltsame Instrumente spielt””

Gibt es Pläne, dass ihr euch weitere Instrumente wie Oboe oder Fagott zulegt, um diese einzuarbeiten?

Ich denke, es ist noch zu früh, um darauf antworten zu können. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir wollen jedoch nicht den Stempel aufgedrückt bekommen, diejenige Band zu sein, die “seltsame Instrumente spielt” oder dieselbe Ressource immer wieder nutzt. Wir arbeiten bereits an unserem zukünftigen dritten Album und einige ungewöhnliche Instrumente könnten da wieder verwendet werden. Möglicherweise experimentieren wir mit anderen musikalischen Möglichkeiten, die über Instrumente hinausgehen. Es ist noch nichts definitiv und wir sind nach allen Seiten offen.

Mit diesem Genre übergreifenden Stil und den jazzigen Elementen, ist da eine Tendenz erkennbar, wie ihr in Zukunft euren Stil weiter entwickeln werdet?

Wie ich bereits erwähnt habe, es ist noch zu früh, solche Fragen zu beantworten. Wir kennen die Antwort auch nicht. Was wir aber versichern können ist, dass wir weiterhin Violent Metal spielen werden – mit der charakteristischen Wut Südamerikas. Für alles andere kann ich nur das Unerwartete erwarten!

Du gibst das Stichwort: Südamerika und Thrash Metal – das ist eine Liebesbeziehung. Warum ist gerade dieses Genre so beliebt?

Ich will mich jetzt einmal auf Chile beziehen. Als Metal in den 80ern in Chile ankam, waren es unter der Pinochet-Diktatur sehr harte und gewalttätige Zeiten. Ich denke, dass dieses feindselige Szenario viele junge Leute der damaligen Zeit für ein gewalttätiges Genre wie den Thrash Metal (und auch Death Metal) empfänglich gemacht hat. Dadurch wurde in Chile eine großartige Underground-Metal-Szene geboren. Diese Szene ist bis heute lebendig, natürlich mit einem Wechsel von Generationen, aber die Flamme dieser alten Szene lebt noch. Ich denke, das ist der Ursprung des starken Fanatismus für den extremsten Metal in diesem Land und auf diesem Kontinent. Wir lieben hier gewalttätigen und hasserfüllten Metal!

“Als Metal in den 80ern in Chile ankam, waren es unter der Pinochet-Diktatur sehr harte und gewalttätige Zeiten. Ich denke, dass dieses feindselige Szenario viele junge Leute der damaligen Zeit für ein gewalttätiges Genre wie den Thrash Metal (und auch Death Metal) empfänglich gemacht hat.”

Gibt es in deinem Schrank ein Band-Shirt, das du auf keinen Fall mehr anziehen würdest? Und wenn ja, welches?

Nicht wirklich und es gibt auch keine Band, die mir in den Sinn kommt, mit der ich das machen müsste. Wir verschwenden keine Zeit mit den Dingen, die wir nicht mögen.

Ich denke, die COVID Lage ist bei euch nicht sehr viel anders als hier in Europa. Wie geht ihr damit um?

In Chile hat die Regierung Ausgangssperren und Beschränkungen für Reisen in andere Städte sowie die Verwendung von Masken eingeführt. Ansonsten bleibt alles ziemlich gleich. Glücklicherweise wurde unser Leben nicht stark beeinflusst, und keiner von uns oder Menschen aus unserem näheren Umfeld hatte Covid. Als Band konnten wir seit März 2020 nicht mehr live spielen, aber während dieser Zeit waren wir damit beschäftigt, an „So It Goes“ zu arbeiten. Wir hoffen, dieses Jahr wieder live spielen zu können, obwohl wir keine Zeit verschwenden wollen und bereits an unserem dritten Album arbeiten.

Die meisten Berichte und Dokumentationen aus Chile, die ich kenne, haben entweder etwas mit Politik, Bergdörfern oder der Ruta 5 zu tun. Welches Bild von Chile und seinen Einwohnern sollten wir hier eher haben?

Die Leute hier feiern gerne und viel. Chile ist eines derjenigen Länder in Südamerika, wo am meisten Alkohol getrunken wird und auch Drogen genommen werden. Ich denke, das ist ein Merkmal der chilenischen Kultur. Auf der anderen Seite ist Chile ein sehr korruptes Land, in dem Menschen mit Macht und Geld tun können, was sie wollen. Zwischen Geschäftsleuten und Politikern werden Gefälligkeiten zum gegenseitigen Nutzen gemacht, ungeachtet dessen das Land damit unfairer zu machen, während die Polizei die Schoßhunde dieser korrupten Menschen sind. Das ist ein weiteres trauriges Merkmal unseres Landes.

Ich habe bislang noch nie von deiner Heimatstadt Limache gehört. Wie ist das Leben dort?

Limache ist eine ziemlich ruhige und kleine Stadt auf dem Land. Wir haben weder Kino noch große Stadien und wir sind von Hügeln umgeben. Wenn ihr also ein ruhiges Leben und eine ruhige Natur mögt, dann ist Limache ein guter Ort.

Gibt es hier (ohne COVID) dennoch eine lebendige Metal-Szene?

Natürlich! Wie ich bereits erwähnt habe, gibt es seit den 80ern eine großartige Metalszene in unserem Land. Derzeit ist die Szene sehr lebendig und jedes Jahr gibt es bessere Bands, bessere Shows und mehr Leute, die an den Events teilnehmen. Wenn ihr auf chilenischen Metal steht, hört euch die folgenden Bands an: RIPPER, CRITICAL DEFIANCE, PARKCREST, SOLIPNOSIS, NECROLATRIA, ASEDIO, SIGN OF EVIL, THIRSTY DEMON und die Liste könnte viel länger sein.

Habt ihr eine lokale Lieblingsspeise und eventuell auch gleich das Rezept dazu?

Chilenischer Metal ist mein Leibgericht und für das Rezept brauchst du GEWALT, HASS und WUT!

Letzte Worte?

Vielen Dank für das Interesse an unserer Musik und dafür, dass ihr uns diesen Raum gegeben habt und für die gute Rezension von „So It Goes“! Vielen Dank auch an alle, die die Band in letzter Zeit unterstützt haben. METAL WIRD NIEMALS STERBEN!