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WITHIN TEMPTATION: Bleed Out

Mit “Bleed Out” öffnen sich WITHIN TEMPTATION abermals einem breiten Publikum, zeigen sich dabei jedoch inhaltlich erstaunlich politisch.

Die Entscheidung, nach 27 Jahren Bandgeschichte das nunmehr achte Studioalbum in Eigenregie zu vertreiben, fasst Sharon den Adel prägnant zusammen: “Labels neigen dazu, traditionell zu sein, aber dies sind keine traditionellen Zeiten […]“. Und damit umschreibt die Sängerin gleichzeitig den Kern WITHIN TEMPTATIONs, die sich eben selbst nicht nur auf das Bewährte stützen wollen, sondern neue Einflüsse an jeder Ecke wissbegierig mitaufnehmen.

Das prägt die musikalische Entwicklung der Niederländer natürlich in entscheidendem Maße: Vom ursprünglichen Symphonic Metal sind auf „Bleed Out“ nach den experimentellen Vorgängern bestenfalls noch entfernte Spuren auszumachen. Mit seinen modernen Synthesizern, den zielstrebigen Strukturen und den poppig-eingängigen Melodien steht das Sextett vielmehr mit beiden Beinen im zeitgemäßen Alternative Metal. Streicher und orchestrale Anleihen fahren WITHIN TEMPTATION einzig in „Worth Dying For“ in größerem Umfang auf, wohingegen es ansonsten der gegenwärtige Zeitgeist ist, welcher den Ton angibt.

WITHIN TEMPTATION zeigen sich inhaltlich überraschend politisch

So lassen die tief gestimmten Gitarren in „Bleed Out“ eine Prise Djent einfließen, während das beschwingte „Ritual“ seinen Pop-Appeal durch ohnehin wieder angesagtes 80er-Flair aufpoliert. Diese dominanten Stilmittel bilden auch das Rückgrat von Songs wie „Wireless“, die WITHIN TEMPTATION auch inhaltlich überraschend politisch und gesellschaftskritisch zeigen. Von Ukraine-Krieg über Frauenrechte bis hin zu den iranischen Protesten gegen den Kopftuchzwang im Titeltrack nutzt die Band ihren neu gefestigten Sound, um entschieden die Stimme zu erheben.

In dieser Hinsicht kommt den Songs auch das eingängige und dabei selbstbewusste Auftreten der Band zugute: WITHIN TEMPTATION lassen keinerlei Zweifel daran, in welche Richtung sie ihre Musik transportieren wollen. Diese Entschlossenheit spiegelt sich auch im variablen und souveränen Gesang wider, welcher sich auf „Bleed Out“ nicht selten im Zentrum der Songs wiederfindet. Dass Sharon den Adel diese Aufgabe spielend schultert, versteht sich von selbst, und doch kann sie zugleich auf Kollege Martijn Spierenburg zählen, dessen detailverliebte Synth-Arbeit im Hintergrund zusätzlich Tiefe schafft.

Mit “Bleed Out” öffnen sich WITHIN TEMPTATION abermals einem breiten Publikum

Obwohl die elf Tracks nur selten das Tempo in entscheidender Weise variieren, bleibt das Gesamtwerk dank Laut-Leise-Dynamik oder einer starken Kollaboration wie mit ANNISOKAY in „Shed My Skin“ kurzweilig. Dass allein der Schlusspunkt mit „Entertain You“ etwas platt wirkt, wollen wir nicht zu hoch hängen, da WITHIN TEMPTATION auch hier mit dem Gastgesang von Produzent Daniel Gibson neue Wege zu beschreiten suchen.

Es ist vielmehr Sinnbild einer stetig innovierenden Band, deren Weg nach vorne nicht in Stein gemeißelt ist. Ohne Scheuklappen und mit einem Faible für klare Gesangslinien öffnet sich „Bleed Out“ dabei auch diesmal wieder einem breiten Publikum, wohlwissend, dass man als etablierter Act damit auch ein gewisses Risiko eingeht. Die Alternative jedenfalls ist für WITHIN TEMPTATION offenbar keine Option, denn eine solche Strategie könnte man sich höchstens in traditionellen Zeiten erlauben.

Veröffentlichungstermin: 20.10.2023

Spielzeit: 47:15

Line-Up

Sharon den Adel – lead vocals
Ruud Jolie – lead guitar
Stefan Helleblad – rhythm guitar
Jeroen van Veen – bass
Martijn Spierenburg – keyboards
Mike Coolen – drums

Produziert von Daniel Gibson, Zakk Cervini (Mix) und Ted Jensen (Mastering)

Label: Force Music Recordings / Bertus Distribution

Homepage: https://www.within-temptation.com/
Facebook: https://www.facebook.com/wtofficial

WITHIN TEMPTATION “Bleed Out” Tracklist

  1. We Go To War
  2. Bleed Out
  3. Wireless (Video bei YouTube)
  4. Worth Dying For
  5. Ritual (Visualizer bei YouTube)
  6. Cyanide Love
  7. The Purge (Video bei YouTube)
  8. Don’t Pray For Me (Video bei YouTube)
  9. Shed My Skin (feat. ANNISOKAY) (Video bei YouTube)
  10. Unbroken
  11. Entertain You (Video bei YouTube)
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