VANDEN PLAS: Beyond Daylight

Statt mit ellenlangen Soloeskapaden der kompletten Musikerwelt die Lust am Üben zu versauen, konzentrieren sich VANDEN PLAS darauf, schlüssige, perfekt aufgebaute Songs zu schreiben.

Verdammt, nun muß ich schleunigst Wohnort, Telefonnummer und Namen wechseln, denn in Bälde dürften mir alle DREAM THEATER-Fans unter euch nach dem Leben trachten. Der Grund? VANDEN PLAS´ neue CD Beyond Daylight. Wie schon auf dem meiner Meinung nach famosen und wunderbar harten Vorgängeralbum Far Off Grace gelingt es den Lauterern spielend, eine weitaus durchgängigere und intensivere Grundstimmung als DREAM THEATER auf deren letzten zwei, drei Alben zu erschaffen, und das bei ebenfalls hohem spielerischem Niveau. Doch statt ellenlangen Soloeskapaden und dem Versuch, der kompletten Musikerwelt die Lust am Üben zu versauen, konzentrieren sich VANDEN PLAS darauf, schlüssige, perfekt aufgebaute Songs zu schreiben. Und das beherrschen sie in geradezu atemberaubender Weise. Wie kann man Härte, Anspruch, Melodie und Emotion besser in Töne kleiden als in Cold Wind geschehen? Wer VANDEN PLAS nach wie vor als DREAM THEATER light verunglimpft, tut den Pfälzern definitiv Unrecht, denn zum einen spielen fette Riffs und harte Rhythmen eine Hauptrolle auf Beyond Daylight, zum anderen lassen die Jungs ihre musikalischen Fähigkeiten schlichtweg nicht groß raushängen, obwohl sie dazu zweifelsohne das Potential hätten, sondern deuten ihre flinken Finger nur gelegentlich an, so beispielsweise in dem Instrumentenduell in Scarlet Flower Fields nachzuhören. Ansonsten ordnen sich die individuellen Musiker dem großen Ganzen unter, das da heißt: Zeitlos geniale Musik!

Im Vergleich zum Vorgänger fällt zudem die etwas größere Bandbreite auf, mit der VANDEN PLAS anno 2002 aufwarten. Von der Halbballade Healing Tree über progressiv-komplexe Epen à la Nightwalker und dem zehnminütigen Titeltrack bis hin zum prächtig nach vorne losgehenden Free The Fire, VANDEN PLAS grenzen sich nicht künstlich ein, wissen zugleich aber auch stets, was zu tun ist mit all den verschiedenen Einflüssen, um das Endergebnis eindeutig nach VANDEN PLAS klingen zu lassen. Gerade die Abgehnummer Free The Fire macht deutlich, wie stark das Quintett mittlerweile ist, zeigt man doch mal eben der kompletten Power Metal-Fraktion, wie heftiges Riffing und grandiose Melodien zu einem schlagkräftigen Kracher verschmolzen werden, der außerdem herrlich episch rüberkommt.

Ein letzter Pluspunkt, der mich VANDEN PLAS jederzeit DREAM THEATER bevorzugen läßt, hört auf den Namen Andy Kuntz und singt auf Beyond Daylight wieder einmal wie ein junger Gott. James LaBrie dürfte zwar auch für so manch einen gottähnlichen Status besitzen, doch Andy Kuntz klingt deutlich ausdrucksstärker, findet mit traumwandlerischer Sicherheit die perfekt sitzende Hookline für jeden Song und wirkt schlichtweg hungriger. Damit bestätigt er auch den hervorragenden Eindruck, den ich von seinen Sangeskünsten auf dem ProgPower-Festival gewonnen hatte.

VANDEN PLAS können nicht weiter von der breiten Masse der Progfans so sträflich ignoriert werden, wie es ihnen bislang oft widerfahren ist. Dazu ist Beyond Daylight einfach zu stark. Ließ The God Thing mit dem Überhammer The Rainmaker erstmals aufhorchen, so legten VANDEN PLAS mit Far Off Grace ihre Meisterprüfung mit Bravour ab und beweisen nun auf Beyond Daylight, dass sie gar nicht daran denken, sich mit dem musikalisch Erreichten zufrieden zu geben. Saustark!

So, und jetzt könnt ihr mich lynchen kommen…

Spielzeit: 57:09 Min.

Line-Up:
Andy Kuntz – Gesang

Stephan Lill – Gitarre

Torsten Reichert – Bass

Günter Werno – Keyboards

Andreas Lill – Schlagzeug

Produziert von Markus Teske
Label: Inside Out

Homepage: http://www.vandenplas.de

Tracklist:
Nightwalker

Cold Wind

Scarlet Flower Fields

Healing Tree

End Of All Days

Free The Fire

Can You Hear Me

Phoenix

Beyond Daylight

(Bonustrack: Point Of Know Return)