SINISTER: Savage or Grace

Weg vom Fenster waren SINISTER nie, aber mit einem derart starken Album sind jegliche Bedenken aus dem Weg geräumt, dass die Band zum alten Eisen zählen würde.

Es gibt sie also doch, die Death Metal Bands, bei denen die männlichen Fans vor der Bühne in Scharen kreischen und Kuscheltiere auf die Bretter, die die Welt bedeuten werfen. Das liegt natürlich nur an ihrer süßen Sängerin Rachel, nicht an den restlichen Stieren, die da oben stehen. Dass SINISTER nicht nur deswegen eine superbe Formation sind, sondern dass auch die Musik keine untergeordnete Rolle spielt, wird nach dem Hören von Savage or Grace erst recht klar.

SINISTER präsentieren sich auf ihrem sechsten Full-Length Album in ungewohnter Stärke, denn im Gegensatz zum letzten Album hat man sehr an sich gearbeitet. Es wird wieder vermehrt Gas gegeben und die Nackenmuskeln werden so richtig strapaziert. Die Gitarren brechen aus den Boxen, als gäbe es keinen Morgen mehr, der Bass wummert in der tiefsten Magengegend und Drummer Aad prügelt alles in Grund und Boden. Besonders ist aber Rachel hervorzuheben, die sich extrem verbessern konnte, ihre Stimme wurde so dermaßen mördertief und aggressiv, dass man meint, hier grunzt ein 2-Meter-Kerl.

Die Holländer sind eine der wenigen Bands, die old-school Death Metal abliefern, der mich so richtig mitreißen kann. Das geschieht zum einen durch den absolut killenden, räudigen Sound, der zu Creative Killings einen Unterschied wie Tag und Nacht darstellt, zum anderen auch durch das wahnsinnige Songwriting. Glücklicherweise fand die Band nach dem Weggang des langjährigen Gitarristen Bart in dem bis dato unbekannten Pascal einen absolut ebenbürtigen Ersatz, der seine Sache extrem gut macht. Hört euch nur mal den Titeltrack an und ihr wisst was ich meine. Mehr Spielfreude geht nicht. Aber auch die anderen Songs, allen voran The Age of Murder, Chapel Desecration und Apocalypse in Time machen deutlich, dass Death Metal der alten Schule auch im Jahre 2003 noch wichtig ist und zeigen denjenigen den Stinkefinger, die Mitte der 90er den Death Metal für tot erklärten.

Weg vom Fenster waren SINISTER nie, aber mit einem derart starken Album sind jegliche Bedenken aus dem Weg geräumt, dass die Band zum alten Eisen zählen würde. Scheiß auf die sehr kurze Nettospielzeit von 28 Minuten, Savage or Grace ist nichts anderes als erstklassig!

VÖ: 12. Mai 2003

Spielzeit: 30:36 Min.

Line-Up:
Rachel – Vocals

Aad – Drums

Alex – Bass

Pascal – Guitars

Produziert von Hans Pieters
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.sinistercentral.cjb.net

Tracklist:
1. Rise of the Predator

2. Savage or Grace

3. Barbaric Order

4. The Age of Murder

5. Conception of Sin

6. Chapel Desecration

7. Dominion

8. Collapse Rewind

9. Apocalypse in Time