SALTATIO MORTIS: Sturm Aufs Paradies

SALTATIO MORTIS: Sturm Aufs Paradies

Nach all den Jahren scheint endlich etwas Ruhe im Hause SALTATIO MORTIS eingekehrt zu sein. Die ständigen Besetzungswechsel gehören der Vergangenheit an, die aktuelle Formation scheint sich auf Dauer gefunden und mit Luzi das L am Dudelsack sogar noch punktuell verstärkt zu haben. Ganz im Zeichen dieser neuen Stabilität steht folglich „Sturm Aufs Paradies“.

Konkret heißt dies, dass die Mittelalter Rock-Band im Vergleich zum Vorgänger „Wer Wind Sät“ nur wenig verändert hat. In einem Genre, das seit vielen Jahren vor allem durch Stagnation auffällt, ist das ein gefährlicher Schritt, für SALTATIO MORTIS aber zugleich auch der Richtige. Denn nach den Line-Up-Veränderungen der Vergangenheit ist es für die Band in erster Linie wichtig, musikalisch noch weiter zusammenzuwachsen. „Wer Wind Sät“ war schließlich ein gerade mal solides Album, das die Fähigkeiten der Spielleute nur teilweise zur Geltung bringen konnte.

SALTATIO MORTIS sind abermals an ihren Instrumenten gewachsen

Warum „Sturm Aufs Paradies“ trotz beibehaltener Marschrichtung viele Dinge besser macht als sein Vorgänger, hat im Endeffekt recht banale Gründe. Zum einen ist das Songwriting um ein vielfaches harmonischer, die Mechanismen greifen besser ineinander. Darüber hinaus gehen Riffs und Melodiebögen stets Hand in Hand, wodurch ein Song wie „Habgier und Tod“ eine unverkrampfte Natürlichkeit ausstrahlt, die auf „Wer Wind Sät“ manches Mal verloren ging.

Zudem sind die Musiker auch an ihren Instrumenten gewachsen. Die Sackpfeifen sind verspielt wie eh und je, wenngleich die mehrstimmigen Melodien auch diesmal wieder etwas zu kurz kommen. Dafür findet Gitarrist Samoel zu jedem Zeitpunkt die richtige Balance zwischen dominanten Riffs und songdienlicher Rhythmusarbeit. Beinahe müßig zu erwähnen ist, dass sich Sänger Alea abermals ein gutes Stück verbessert hat und seinen Gesang mittlerweile mit zahlreichen subtilen Nuancen färbt.

„Sturm Aufs Paradies“ hat eine Handvoll Hits im Gepäck

Den Lohn dieser Anstrengungen ernten SALTATIO MORTIS mit ihrem düsteren „Hochzeitstanz“ selbst, indem sie eine bedrückende Thematik musikalisch so packend und tückisch interpretieren, dass man dem singenden Übeltäter seine Vergehen am liebsten nachsehen würde. Die Verzahnung von Musik und Lyrik erreicht hier zweifellos einen Höhepunkt, wenngleich „Sturm Aufs Paradies“ mit „Fiat Lux“ und der berührenden Ballade „Gott Würfelt Nicht“ auch brandaktuelle Probleme in überzeugender Weise thematisiert.

Unabhängig davon sind SALTATIO MORTIS vor allem für ihre energiegeladenen Live-Hits bekannt. Davon hat „Sturm Aufs Paradies“ eine ganze Handvoll im Gepäck. „Ode an die Feindschaft“, das bittere „Nachtigall und Rose“ sowie das mit Damengesang und Piano-Intro aufwartende „Orpheus“ haben schon jetzt das Potenzial, die Festival-Bühnen des kommenden Sommers aufzuheizen, während „Eulenspiegel“ mit Flöten und Akustikgitarren in seiner Nähe zu SCHANDMAUL durchaus als der folkigste Song des Albums bezeichnet werden kann.

Gut, aber routiniert

Die Konsequenz der sicheren Schiene, die SALTATIO MORTIS auf ihrem neuesten Werk fahren, ist jedoch die deutliche Vorhersehbarkeit mancher Songs. „Spiel mit dem Feuer“, „Sündenfall“ und das enorm geradlinige „Der letzte Spielmann“, dessen Sackpfeifen-Parts trotz der punkigen Ausrichtung nicht selten an klassische Marktmusik-Stücke erinnern, kommen über den Status simpler Durchschnittsware nicht hinaus. Zugegeben, die genannten Songs sind nicht wirklich schlecht, können aber kaum relevante Akzente setzen.

Dass es SALTATIO MORTIS eigentlich besser können, zeigen sie nicht nur in der Integration von unverbrauchtem Instrumentarium wie dem Piano in „Gott Würfelt Nicht“. Auch das optimistische „Wieder Unterwegs“ arbeitet verstärkt mit Percussions. Wie man diese gewinnbringend einsetzen kann, hat Jean Mechant bereits auf der aktuellen Live-CD/DVD „10 Jahre Wild Und Frei“ mit Erfolg vorgeführt. Der Ausbau dieser Elemente ist einer von vielen Ansatzpunkten, die SALTATIO MORTIS für die Zukunft offen stehen. Welchen Weg die Jungs letztendlich beschreiten werden, ist zwar nicht vorherzusehen, nach einem routinierten „Sturm Aufs Paradies“ wäre es jedoch schön zu sehen, wenn im Garten Eden ab sofort ein frischer Wind wehen würde.

Veröffentlichungstermin: 02.09.2011

Spielzeit: 50:29 Min.

Line-Up:
Alea der Bescheidene – Gesang, Dudelsack, Schalmei, Akustik-Gitarre, Bouzouki
Herr Samoel – Gitarre, Akustische Gitarre, Bouzouki
El Silbador – Dudelsack, Schalmei, Uilleann Pipe, Whistles, Small-Pipe, Highland-Pipe
Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein: Dudelsack, Drehleier, Schalmei
Luzi das L – Dudelsack, Schalmei, Whsitles
Jean Méchant, genannt der Tambour: Percussion, Gesang
Bruder Frank – Bass, Chapman Stick, Electric Upright
Lasterbalk der Lächerliche – Schlagzeug, Davul

Produziert von Thomas Heimann-Trosien
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.saltatio-mortis.com
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/saltatiomortisofficial

SALTATIO MMORTIS „Sturm Aufs Paradies“ Tracklist

01. Habgier und Tod
02. Hochzeitstanz (Video bei YouTube)
03. Ode an die Feindschaft
04. Eulenspiegel
05. Sündenfall
06. Nachtigall und Rose
07. Gott würfelt nicht
08. Nach Jahr und Tag
09. Orpheus
10. Spiel mit dem Feuer
11. Fiat Lux
12. Der letzte Spielmann
13. Wieder unterwegs

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.