RISING INSANE: Porcelain

RISING INSANE: Porcelain

Der erste Schreckmoment kommt noch vor der Play-Taste. Dass der riesige Sprung auf der CD nur aufgedruckt ist, erkennen wir aus dem Augenwinkel zu spät, unser Herz hat da schon einen Schlag übersprungen. Der zweite Blick sorgt schließlich für Erleichterung: Der passende Titel „Porcelain“ löst das Rätsel um den optischen Designkniff wenig später.

Was RISING INSANE visuell sehr stimmig umgesetzt haben, setzt sich musikalisch fort. Der moderne Metalcore pflügt selbstbewusst durch das Genre und schielt in seinen melodischen Momenten auch gerne mal in die Post-Hardcore-Richtung. Anders als jüngst DEADTHRONE wissen RISING INSANE jedoch meist, wann die Grenze zum Kitsch überschritten ist.

Meist spielen RISING INSANE ihre Stärken konsequent aus

„Porcelain“ mag seine Melodien wie in „Neurotic“ oder „The Summary“, bleibt trotz eingängiger Strukturen aber ein kraftvolles Werk. Das Quintett kennt offenbar seine Stärken, wodurch es nur selten ins Straucheln kommt. Arg pathetisch wird es lediglich im Titeltrack oder dem eigentlich guten „Last Fragments“ mit seinen ARCHITECTS-Anleihen, wo im Studio zu locker mit dem Autotune-Regler hantiert wurde. Leider bleibt dies kein Einzelfall: Immer wieder fällt gerade der Klargesang als unangenehm verzerrt und damit künstlich auf, während Aaron Steinekers Screams und Growls ansonsten durchaus zum gehobenen Genre-Standard gehören.

Wie erwähnt spielen RISING INSANE die meiste Zeit ihre Stärken konsequent aus. Obgleich diese nicht unbedingt in der Innovation liegen – Referenzen zu den üblichen Verdächtigen im Metalcore finden wir an allen Ecken und Enden -, verstehen es die fünf Musiker ausgezeichnet, den Genre-Trademarks auf „Porcelain“ versiertes Songwriting zur Seite zu stellen.

„Porcelain“ behält seinen Elan beine durchgehend bei

Mit entsprechend viel Drive und Energie scheuchen uns RISING INSANE somit durch die 45 Minuten, die uns manchmal ein wenig Zucker ums Maul schmieren („The Lost Kids“), oft aber lieber gehörig mit Adrenalin vollpumpen („Silent Screaming“). Da der Synthesizer-Einsatz wie im Breakdown-Inferno „Ignite“ nie zu plakativ wird, behält „Porcelain“ diesen Elan bis auf wenige Momente durchgehend bei. Beschweren wollen wir uns daher nicht – wir sind dankbar für ein versöhnliches Ende, wo uns doch die Platte ursprünglich einen gehörigen Schock versetzt hatte.

Veröffentlichungstermin: 1.11.2019

Spielzeit: 44:03

Line-Up:

Aaron Steineker – Vocals
Sven Polizuk – Guitars
Florian Köchy – Guitars
Ulf Hedenkamp – Bass
Robert Kühling – Drums

Produziert von Sven Polizuk

Label: Long Branch Records / SPV

Homepage: https://www.risinginsane.de/
Facebook: https://www.facebook.com/risinginsaneband/

RISING INSANE „Porcelain” Tracklist

1. The Marks You Left
2. Porcelain (Video bei YouTube)
3. Helpless
4. Neurotic
5. Half Life
6. The Lost Kids
7. Silent Screaming
8. Ignite
9. Last Fragments (Video bei YouTube)
10. Awakening (Video bei YouTube)
11. Born To Live (And Leave Behind)
12. The Summary

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.