PALE FOREST: Exit Mould

PALE FOREST: Exit Mould

„Wenn das keine Magie ist…“, lauteten meine Gedanken vor nicht einmal zehn Minuten. Ich lauschte der Musik einer norwegischen Band namens PALE FOREST, und ich verlor mich darin. Das darf man ruhigen Gewissens so sagen, denn die Gedanken flogen, und hätte man sie nicht wieder aufgefangen, wären sie vielleicht immer noch fort.

„Would you like to be… on the moon, with a spoon?”

Was für eine Zeile. Ja!, möchte der Hörer der zierlichen, zarten, aber dennoch so kraftvollen Stimme zurufen, denn was versteckt sich in solchen Worten denn anderes als der Wunsch zu fliehen? Wohin, ist letzlich egal – nur weg.

Mit „Exit Mould“ gelingt das. Schon das erste Lied auf diesem Album lädt ein zum Träumen, doch das tun viele, dazu braucht man es nicht. Wenn es aber darüber hinaus noch zum Schweben, Tanzen, Lachen und Weinen einlädt, ja, einfach zum Fliehen von und aus dieser Welt, dann kann man guten Gewissens von einem Werk sprechen, das groß ist. Eindringlich im Ausdruck, sanft und zart in der Ausführung zeigen PALE FOREST, daß Rockmusik weit mehr zu bieten hat als sog. alternative Klänge auf bald nicht mehr existenten Fernsehsendern oder simplem Aggressionsausdruck. PALE FOREST gehen weit darüber hinaus und erschaffen eine Atmosphäre der vollendeten Sehnsucht, einer Sehnsucht nach Wärme, Freiheit, Liebe. Dabei wechseln sich sanfte, wunderbar sanfte Weisen wie das an BJÖRK erinnernde „Urban Walls“ mit kräftigen Gitarrenwänden in „Spiral“ oder wunderschöner Pop-Atmosphäre in „Mr Trenchcoat“ ab – egal, was die Norweger hier beginnen, alles wird wunderbar. Die Musik schwebt durch den Raum, Harmonien erscheinen und vergehen wieder, dann erklingen jazzige Disharmonien, die Gefühle von Unruhe entstehen lassen, die wiederum abgefangen werden von der ungemein schönen Stimme der Sängerin Kristin. Überhaupt – was dieses zierliche Geschöpf hier aus ihren Stimmbändern herausholt, das ist fast besser als alles, was ich bislang an weiblichem Gesang zu Rockmusik gehört habe – soviel Liebe, Hingabe und selbstverständlich auch Erotik liegen in dieser Stimme, daß ich mich nur verneigen kann.

Etwas besonderes wurde geschaffen, etwas wirklich besonderes, ein Werk, das nur wenig gemein hat mit etwaigen Vorbildern; es ist selbst Vorbild. Vorbild für sanfte, getragene und doch niemals langweilige, absolut klischeefreie Rockmusik. So muß das klingen, wenn Sonnenuntergänge Schneetreiben werden. Pure Poesie.

Was bleibt also nach dem Hören eines solchen Albums außer der Gewißheit eines außergewöhnlichen Hörerlebnisses? Vielleicht die Suche nach einem Mehr – das Vorgängeralbum „Of Machines And Men“ kenne ich noch nicht. „Exit Mould“ jedenfalls eignet sich bis dato für so viele Dinge – vielleicht auch zum Fliegen. Ich kann es ja gleich probieren – vielleicht nehme ich einen Löffel mit.

VÖ: November 2001

Spielzeit: 51:58 Min.

Line-Up:
Bernhard – drums

Jarle – Guitar

Kristin – Vocal

Tommy – Guitar

Eivind – Synth/Piano

Lars – Bass

Produziert von Jacob Hansen
Label: Listenable Records

Homepage: http://www.paleforest.no

Tracklist:
1. Stigmata

2. Exit mould

3. Urban walls

4. Nine 8

5. Spiral

6. Revelation

7. …According to X

8. Pale suit of…

9. Mr Trenchcoat

10. These old rags

11. Holy summer

12. Mistaken identity

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.