NOVEMBRE: Novembrine Waltz

NOVEMBRE: Novembrine Waltz

Das Bruderpaar Orlando lebt zwar in Italien, doch auf der Sonnenseite des Lebens standen sie in den letzten Monaten wirklich nicht: Massimiliano Pagliuso, der in der Vergangenheit bei NOVEMBRE nicht nur Gitarre spielte, sondern auch am Songwriting beteiligt war, verließ die Band, auch Basser Alessandro Niola stiegt aus. Dazu kamen gesundheitliche Probleme von Schlagzeuger Guiseppe. Dennoch haben es NOVEMBRE geschafft, ein Album aufzunehmen, das dem Vorgänger „Classica“ in einigen Punkten überlegen ist. „Novembrine Waltz“ wirkt stimmiger und reifer als „Classica“, die Band ist ihrem Stil zwar treu geblieben und lässt sich noch immer am ehesten mit dem Etikett „OPETH light“ umschreiben. Doch im Unterschied zu den früheren Veröffentlichungen klingen NOVEMBRE jetzt einfach flüssiger, in den Songs finden sich weniger Brüche, alles fließt friedlich ineinander. was beim ersten Durchgang etwas flach klingt, eröffnet nach längerer Beschäftigung mit der Musik neue Erkenntnisse. „Stille Wasser sind tief“ – dieses Sprichwort umschreibt die Songs der Italiener, die mittlerweile mit neuem Basser als Trio spielen, perfekt.

Am Olymp der Progessive Death-Götter OPETH können NOVEMBRE auch heute nicht kratzen. Müssen sie auch nicht, denn NOVEMBRE sind keine schlechte Kopie. Die Nähe zu OPETH ist zwar deutlich, doch insgesamt verfolgen die Italiener ein anders Ziel. Die überlangen Songs (kein Stück ist unter sechs Minuten lang) sind wie ein ruhiger Fluss, dessen Anblick zum Verweilen am Ufer einlädt. Sanft und beständig fließen so die Tracks, doch ab und zu bilden sich bedrohliche, kalte Strudel. Das Strandgut der angeschwemmten Ideen ist vielfältig und interessant, doch es bleibt nichts zurück, das den harmonischen Eindruck stört. Sämtliche Einfälle wie die schrammeligen Gitarrenharmonien von „Everasia“ oder die düster-doomigen Vocals sowie die traurige Akkordeonmelodie von „Distances“ passen sich perfekt in die Songs ein. Neben acht eigenen Songs ist auf dem Album auch eine sehr nah am Original gehaltene Coverversion von Kate Bushs „Cloudbusting“, das von Ex-THIRD AND THE MORTAL Sängerin Ann-Mari Edvardsen eingesungen wurde.

„Novembrine Waltz“ ist eines der Alben, das mit jedem Durchgang wächst und das man sehr leicht unterschätzt. Unter der vermeintlich glatten Oberfläche finden sich jede Menge interessante und stimmungsvolle Strömungen. Bleibt zu hoffen, dass es die Band bei der nächsten Platte schafft, ihre guten Ideen nicht nur beiläufig vorzutragen sondern richtig herauszuarbeiten. Doch dann geht vielleicht der lakonische Charme, die Unaufgeregtheit von „Novembrine Waltz“ verloren, die dieses Album zu etwas besonderem macht.

Tracklist:

Distances

Everasia

Come pierrot

Child Of The Twilight

Cloudbusting

Flower

Valentine (Almost an Instrumental)

Venezia Dismal

Conservatory Romance

Besetzung:

Carmelo Orlano – Gesang, Gitarre, Keyboards

Giuseppe Orlando – Schlagzeug, Backing Vocals

Demian Crisiani – Bass

Label: Century Media

Spielzeit: 59:54

Veröffentlichungstermin: 22.10.2001

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...