MOLTEN CHAINS: Orisons Of Vengeance

Auf ihrem dritten Album hieven MOLTEN CHAINS ihren Weirdo Metal auf ein neues Level.

MOLTEN CHAINS aus Wien sind für mich bisher die Neuentdeckung des Jahres. Die Band wurde 2017 vom gebürtigen Australier Brenton Weir gegründet, inzwischen sind MOLTEN CHAINS auf Trio-Größe angewachsen. Anfang des Jahres stieß ich durch Facebook und Bandcamp auf die Band und war sofort begeistert. Diese Mischung aus progressivem US Power Metal, Thrash und einem Schuss Avantgarde verliehen der Musik von MOLTEN CHAINS einen sehr eigenen, kauzigen Charme. Da mussten die ersten beiden Alben “In the Antechamber Below”aus 2019 sowie “Torment Enshrined” aus 2020 sofort auf CD her, was direkt über die Band zügig und zu sehr fairem Kurs erledigt wurde.

Bereits im Mai haben MOLTEN CHAINS ihr drittes Album veröffentlicht

Und zu meiner großen Freude stand da schon die Veröffentlichung von Album Nummer Drei kurz bevor. Und inzwischen liegt diese Veröffentlichung schon drei Monate zurück. Aber mein mangelhaftes Zeitmanagement hatte ich ja kürzlich erst thematisiert. Wie auch immer, es ist sicherlich kein Fehler, auch mit dezenter Verspätung auf dieses Album aufmerksam zu machen, denn MOLTEN CHAINS fliegen immer noch ziemlich unter dem Radar, was bei ihrem sehr eigenwilligen Stil aber wohl auch unvermeidbar ist.

“Orisons Of Vengeance” zeigt MOLTEN CHAINS in allen Belangen gereift

Musikalisch gibt es erneut einen wilden Ritt durch klassischen Metal mit vertracktem Riffing an der Grenze zum Thrash und extremen Ausbrüchen. “Hand Of God” eröffnet das Album ohne Umschweife mit hämmernden Drums, vertrackten Riffs und dramatischem Gesang. Was sofort auffällt, ist die Produktion. Klangen die beiden Vorgänger, speziell das Debüt noch sehr rau und ungeschliffen, ist das Klangbild auf “Orisons Of Vengeance” eine ganze Ecke “professioneller”, ohne dabei natürlich auch nur annähernd aalglatt zu klingen. Aber man merkt, dass die Band hier einen deutlichen Sprung gemacht hat. Das gilt auch für den Gesang von Frontmann Brenton “Deathromancer” Weir, welcher sich ebenfalls nochmal deutlich verbessert hat.

MOLTEN CHAINS entfachen ein Inferno aus Riffs und Breaks

Was MOLTEN CHAINS schon in den dreieinhalb Minuten des Openers abfeuern, ist der Wahnsinn, eine wahre Orgie an Riffs und Breaks, begleitet vom eher erzählerischen Gesang. Eine krude Mischung, die aber funktioniert. Nach dem mit Abstand kürzesten Song packen MOLTEN CHAINS mit “Bedevilled By Sorrow” ein achtminütiges Monster aus, welches zwischen straigthem Thrash-Geballer, Midtempo-Mosh und großer Dramatik mit beschwörendem Gesang alles zu bieten hat. Wie ein Strudel saugt uns dieser Song in die Finsternis, die in der Welt von MOLTEN CHAINS herrscht. Ein unglaublich spannender Song, bei dem all die verschiedenen Parts so clever arrangiert sind, dass es trotzdem alles, wie aus einem Guss klingt.

“Orisions Of Vengeance” ist kein easy listening Metal

“Black Mantle” fordert uns noch mehr, diese völlig irre Mischung aus vertracktem Riffing, Blastbeats und exaltiertem Gesang, dem es scheinbar nicht im Traum einfällt, sich an dem zu orientieren, was die Instrumente so spielen, ist nicht einfach zu fassen. Und ausgerechnet diesen Song haben MOLTEN CHAINS als Single vorab veröffentlicht. Auch eine Art, “fuck you” zu sagen. “Crimson Equinox” ergänzt das Repertoire dann um schleppende, fast schon doomige Passagen. Den Abschluss bildet mit “Martyrdom” ein weiterer Achtminüter, ein weiterer Trip, immer weiter hinab in die Finsternis. Nein, MOLTEN CHAINS bieten auch auf ihrem dritten Album trotz professionellerem Sound immer noch keinen easy listening Metal. Man muss schon ein Herz für vertrackten, abgedrehten Heavy Metal haben, der sich einen Scheiß um klassische Strophe-Refrain-Schemata kümmert, um auf diese Band klarzukommen. Ich liebe die Band für ihre völlig kompromisslose Vision, diesen völlig eigenständigen Sound, der sich aber dennoch im Rahmen der klassischen Metal-Stile bewegt, diese aber nimmt und durch den Fleischwolf dreht.

MOLTEN CHAINS haben mit “Orisons Of Vengeance” ein Underground-Highlight erschaffen

Ganz klar, “Orisons Of Vegeance” ist kein Album für die metallischen Massen, sicher nicht der Soundtrack für die nächste Metal-Kreuzfahrt sondern ein Album für Fans herausfordernder, finsterer Musik, der man Aufmerksamkeit schenken muss. Dieses Album funktioniert nicht zur Berieselung nebenbei, hier ist aktives Zuhören gefragt – es lohnt sich. Mit diesem Album haben MOLTEN CHAINS sich nach zwei bereits starken Alben nochmal gesteigert und eines der Underground-Highlights des Jahres abgeliefert.

 

Veröffentlichungsdatum: 06.05.2022

Spielzeit: 35:41

Line Up:
Deathromancer – 6 Strings, 2 Knives, 1 Schrei
Graf Gyula – Strings of 6, an Empress Bewitched
Michi Von Rosenkranz – Skins of Beasts, a Planetary Feast

Produziert von: Thomas Taube @ Five Lakes Studios

Label: Alone Records

Facebook: https://www.facebook.com/moltenchains
Bandcamp: https://moltenchains.bandcamp.com

MOLTEN CHAINS “Orisons of Vengeance” Tracklist

01. Hand of God
02. Bedevilled by Sorrow
03. Black Mantle (Audio bei Bandcamp)
04. Communion (Audio bei Bandcamp)
05. Crimson Equinox
06. Martyrdom