MANTAR: Pain Is Forever and This Is the End

Eine wüste Mischung aus Punk, Sludge, Metal, Hardcore, Indie- und Grungerock. Alles in einen Sack gesteckt und so oft in die Ecke getreten, dass am Ende ein merkwürdiger und faszinierender Klumpen aus dem zerstörten Gewebe ragt.

„Hang `Em Low (So The Rat Can Get `Em)” taugt dieser Tage durchaus als Mantra, das vieles erträglicher macht. Zumal man die Textzeile nur schwer wieder aus dem Kopf bekommt, zu eingängig und eindringlich ist der gleichnamige Song vom neuen MANTAR-Album “Pain Is Forever and This Is the End“.

„Hang `Em Low (So The Rat Can Get `Em)” ist eines der Highlights der Platte und fasst ganz gut zusammen, wofür das Duo 2022 und nach vier Studioalben steht: Eine wüste Mischung aus Punk, Sludge, Metal, Hardcore, Indie- und Grungerock – alles in einen Sack gesteckt und so oft in die Ecke getreten, dass am Ende ein merkwürdiger und doch faszinierender Klumpen aus dem zerstörten Gewebe ragt.

MANTAR sind eingängiger geworden – und gleichzeitig viel sperriger

Verglichen mit dem Vorgängeralbum “The Modern Art of Setting Ablaze” ist “Pain Is Forever and This Is the End” eingängiger und sperriger, zugänglicher und extremer, melodiöser und rabiater. Nach wie vor da sind diese ganz großen Riffs, mit denen MANTAR auch Kathedralen zum Beben bringen kann. Hanno Klänhardt geifert, schreit, brüllt wie man es kennt, erwartet und liebt – ab und zu mischt sich aber auch sowas wie Resignation in seine Stimme. Drummer Erinç Sakaryas groovt sich souverän durch das musikalische Chaos – sein Schlagzeugspiel ist die fette rote Linie in all dem Wahnsinn, die Songs bewegen sich mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Ihre große Stärke, das eigenständige Songwriting, haben MANTAR mit diesem Album perfektioniert. Auch auf “Pain Is Forever and This Is the End“  ist kein Ton zu viel, die Songs sind reduziert auf das Maximum am Wut, Lärm, Schwärze und haben gleichzeitig eine erstaunliche Eingängigkeit.

“Pain Is Forever and This Is the End“ ist ein Kuriositätenkabinett

An „Hang `Em Low (So The Rat Can Get `Em)” lässt sich vielleicht am besten erklären, was jetzt doch auch anders ist bei MANTAR: der Song ist verstörend, episch, raumfüllend, voller überraschender Wendungen. Er baut sich auf, fällt in sich zusammen, rafft sich wieder auf und wenn man denkt, alles wäre vorbei, bäumt sich der Song ein letztes Mal auf, aggressiver und heftiger als je zuvor, wie im Todeskampf  – und Hanno Klänhardts Gesang ist intensiver denn je.

Bluesrock trifft Black Metal

„Of Frost And Decay“ vereint die alten AC/DC der Bon Scott-Ära mit punkigem Extrem Metal (hat hier jemand DARKTHRONE gesagt?)  – Bluesrock trifft Black Metal, sowas trauen sich sonst nur KVELERTAK.  „Piss Ritual“ erinnert an NIRVANA, bevor sie bei MTV den Hausmeister machten und einen Hit landeten.

Und der Songtitel „Walking Corpse” deutet schon an, wohin es geht: räudiger Old School Death Metal ist angesagt. „Grim Reaping“ eröffent mit einem Stadionrock-Riff, das auch von THE HELLACOPTERS oder gar den von ihnen bestohlenen Bands stammen könnte.  „Odysseus“ ist eine tiefe (und großartige!) Verbeugung vor dem norwegischen Musiker-Kollektiv ÅRABROT – deren Noiserock-Phase lebt in diesem Song wieder auf und für alle, die nicht ganz sicher sind, gibt’s noch ein paar Referenzen im Video an Kjetil Nernes, der treibenden Kraft hinter ÅRABROT. Trotzdem und gleichzeitig klingt jeder Track zu 100 Prozent nach MANTAR, sie verleiben sich einfach ein, was ihnen gefällt und kotzen und rotzen es wieder raus.

“Pain Is Forever and This Is the End“ erfüllte alle Erwartungen und übertrifft sie, überrascht und befremdet – denn mit diesem Album sind MANTAR  wohl endgültig zu Everbody’s Darling in der sonst oft so konservativen Metalszene geworden. Schön, dass sich Mut, Beharrlichkeit und der feste Glaube an das, was man tut, offenbar doch manchmal auszahlt.

MANTAR “Pain Is Forever and This Is the End” Tracklist

Egoisto
Hang ‘Em Low (So the Rats Can Get ‘Em) (Video bei YouTube)
Grim Reaping (Video bei YouTube)
Orbital Pus
Piss RitualOf Frost and Decay
Walking Corpse
New Age Pagan
Horder
Odysseus (Video bei YouTube)

: 15. Juli 2022

Label: Metal Blade Records

Besetzung:
Hanno Klaenhardt – Vocals, Gitarre
Erinç Sakarya – Schlagzeug, Vocals