LONG DISTANCE CALLING: Ghost [EP]

Nicht einzelne Songs, nicht die verschiedenen Instrumente, sondern die Atmosphäre ist der große Star auf „Ghost“. Das erreichen LONG DISTANCE CALLING vor allem durch ihr routiniertes Zusammenspiel: Das Quartett agiert auf ihrer Jam-EP hörbar als Einheit.

Der Titel „Ghost“ verspricht nicht zu viel: Selten ist uns ein Intro so sehr durch Mark und Bein gegangen wie der kopflose Reiter „Dullahan“. Eine quietschende Tür, knarzende Holzdielen, verstörende Geräusche und über allem ein gespenstisches Piano, das aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheint. Kurzum, der Auftakt dieser EP ist ein musikalisches Hörspiel, das – einen 5.1 Surround-Mix wäre hier tatsächlich eine Offenbarung – man unbedingt mit Kopfhörern erleben sollte.

„Old Love“ beginnt im Anschluss dagegen geradezu verhalten: ein sanfter Schlagzeug-Beat, ein jazziges Rhythmusfundament. LONG DISTANCE CALLING lassen sich und uns erstmal ankommen, bevor sich der Song immer weiter steigert und zum Ende hin fast abzuheben scheint. Hier wird der Jam-Charakter der EP besonders deutlich, bevor im Folgenden die große Stärke dieser Veröffentlichung immer deutlicher zum Tragen kommt.

Nicht einzelne Songs, nicht die verschiedenen Instrumente, sondern die Atmosphäre ist der große Star auf „Ghost“. Das erreicht das Quartett vor allem durch ihr routiniertes Zusammenspiel: LONG DISTANCE CALLING agieren als Einheit, ganz gleich, ob der grollende Bass in „Black Shuck“ durchs Unterholz streift oder wenig später die klagende Leadgitarre das Szepter an sich reißt. Diese Rollenwechsel lässt die Band einfach geschehen, wodurch es nie zum Bruch kommt.

Konzeptuell ist “Ghost” für LONG DISTANCE CALLING ein Erfolg auf ganzer Linie

„Seance“ nimmt sich daher auch viel Zeit. Der rhythmische Unterbau verbreitet Unbehagen, während gespenstische Gitarren über unsere Köpfe hinwegfliegen. Das Ganze wurde dabei so klar und transparent abgemischt, dass wir uns sofort inmitten der unheimlichen Szenerie befinden, sobald wir nur die Augen schließen.

Konzeptuell ist „Ghost“ somit ein Erfolg auf ganzer Linie. LONG DISTANCE CALLING wissen mit ihrem instrumentalen Post Rock wie gewohnt zu verzaubern, scheuen aber auch nicht punktuell gesetzte Spitzen, wo uns teils schiefe, teils düstere Gitarren einen Schauer über oder an anderer Stelle heimtückisch das Messer in den Rücken jagen („Seance“). „Negative Is The New Positive“ ist daher auch ein passend dunkler Schlusspunkt, der selbst in seinem minimalistischen Mittelteil wahnsinnig viel zu entdecken bereithält – natürlich am besten mit Kopfhörern und bei Kerzenschein im abgedunkelten Raum, aber das versteht sich in diesem Fall quasi von selbst.

Veröffentlichungstermin: 26.02.2021

Spielzeit: 33:18

Line-Up

David Jordan – Gitarre
Florian Füntmann – Gitarre
Jan Hoffmann – Bass
Janosch Rathmer – Schlagzeug

Produziert von Florian Steppke und Jojo Brunn (Mix und Mastering)

Label: Avoid The Light Records

Homepage: http://www.longdistancecalling.de/
Facebook: https://www.facebook.com/longdistancecalling/

LONG DISTANCE CALLING ”Ghost” Tracklist

01. Dullahan
02. Old Love
03. Black Shuck (Video bei YouTube)
04. Seance
05. Fever (Video bei YouTube)
06. Negative Is The New Positive