LEAVES´ EYES: The Last Viking

LEAVES´ EYES: The Last Viking

Es hat sich ja schon mit dem letzten Album „Sign Of The Dragonhead“ (2018) ein Stück weit abgezeichnet. Das Feuer von LEAVES´ EYES beginnt schon langsam zu erlischen. In den über 15 Jahren hat die internationale Band rund um Alexander Krull (ATROCITY) viele Wikinger-Geschichten erzählt und diese oftmals auch musikalisch richtig gut umgesetzt („Vinland Saga“ (2005), „King of Kings“ (2015)).

Mit dem achten Album, „The Last Viking“, haben LEAVES´ EYES nun aber doch eine etwas uninspirierte Scheibe abgeliefert, die musikalisch keinen Roten Faden erkennen lässt. Über eine Stunde lang werden die 14 Songs mit annähernd gleicher Spieldauer aneinander gereiht. Und am Ende zuckt man als Hörer bloß mit den Schultern – das war´s also, das Album.

Dem Gesang von Elina Siirala fehlt es an Charisma und Natürlichkeit

Dass man die alleinige Schuld der neuen Sängerin Elina Siirala (ANGEL NATION) in die Schuhe schiebt, wäre nicht gerecht. Schließlich hat sie auch schon das etwas bessere „Sign Of The Dragonhead“ eingesungen. Doch füllt die Finnin die Fußspuren von LIV KRISTINE nach wie vor nicht aus. Da fehlt es einfach an stimmlichem Charisma – und, was beinahe schwerer wiegt, an einem natürlichen Umsetzen der Vocals-Lines. Denn nicht nur die Stimme wirkt mühsam herausgepresst, auch das Englische mag der Sängerin nicht so einfach über die Lippen kommen. Am ehesten kann die Frontfrau noch im akustischen Interlude „Two Kings One Realm“ überzeugen, wo sie leicht samisch angehaucht dahinträllert.

LEAVES´ EYES hatten schon einmal weit mehr Biss

Aber wie schon gesagt, der Gesang ist es nicht zwingend, der „The Last Viking“ zu einer Enttäuschung macht. Es ist viel mehr die Zahnlosigkeit, die in sehr vielen der Songs zum Tragen kommt. Entgegen dem Titel hat „War Of Kings“ wenig Durchschlagskraft, „Dark Love Empress“ wirkt müde, die Gitarren-Arbeit in „Flames In The Sky“ wirkt uninspiriert und der überlange Titeltrack beginnt zwar durch Samples atmosphärisch, kommt dann aber – bis auf den Abschnitt nach sechs Minuten – kaum in Fahrt. Hinzu kommt mit „Serpents And Dragons“ ein richtiger Ausfall. Als Lichtblick mag noch am ehesten „For Victory“ gelten, wo LEAVES´ EYES wieder kraftvoller agieren.

„The Last Viking“ ist ein zahmer und unentschlossener Abgesang

Mit Pauken und Tropeten haben LEAVES´ EYES den letzten Wikinger nicht besungen. „The Last Viking“ wirkt zahm und unentschlossen. Somit ein enttäuschender Abgesang von einer Band, die viel mehr drauf hätte. Dass das Album u.a. in einem unfangreicheren 2 CD-Digipack sowie als Hardcover-Artbook mitsamt einer Wikinger-Dokumentation auf DVD daherkommt, sollte jedoch lobend erwähnt werden.

Veröffentlichungstermin: 23.10.2020

Spielzeit: 63:48 Min.

Line-Up:
Thorsten Bauer – Gitarre, Bass & Mandoline
Alexander Krull – Gesang, Programming & Samples
Joris Nijenhuis – Schlagzeug
Micki Richter – Gitarre
Elina Siirala – Gesang

Gast-Musiker:
Susanne Dahle Johansen (MØRKE) – Spoken word („Death Of A King“)
Christel Fichtner – Chor
Uwe Fichtner – Chor
Clémentine Delauney (VISIONS OF ATLANTIS, EXIT EDEN, Ex-SERENITY) – Gesang („Black Butterfly“)
Thomas Roth – Schlüsselfidel
Lea-Sophie Fischer – Geige

Produziert von Alexander Krull @ Mastersound Studio, Steinheim

Label: AFM Records

Homepage: http://www.leaveseyes.de

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/leaveseyesofficial

LEAVES’ EYES „The Last Viking“ Tracklist

01. Death Of A King
02. Chain Of The Golden Horn (Video bei YouTube)
03. Dark Love Empress (Video bei YouTube)
04. Serpents And Dragons
05. Black Butterfly
06. War Of Kings
07. For Victory
08. Two Kings One Realm
09. Flames In The Sky
10. Serkland
11. Varangians
12. Night Of The Ravens
13. The Last Viking
14. Break Into The Sky Of Aeon

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Doom / Death / Black / Thrash und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Death Metal, Doom-Death Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Sludge.