JETHRO TULL: Living With The Past (Live)

Love It Or Hate It! Der Sound von Jethro Tull definiert sich irgendwo zwischen Gitarrenrock und Flötensymphonie. In Zeiten von Blackmore´s Night & Skyclad sicher auch für Metalheads interessant.

Mit Jethro Tull ist das so eine Sache. „Love It Or Hate It” würde ich normalerweise sagen, dazwischen gibt es nichts. Vielleicht liegt der Unterschied zwischen Gefallen und Ablehnung aber auch in der Art, wie man sich Jethro Tull anhört. Die Briten funktionieren z.B. nicht während einer Party, bei der sich zig trunkene Menschen unterhalten, grölen und feiern und der feine ProgRock als Beschallung läuft. Dann sind Jethro Tull nicht mehr als nerviges Gedudel. Hört man der Combo aber intensiv zu, nimmt sich Zeit für die Vielfalt der Songs am besten in einer entsprechenden Atmosphäre in einem Tull-Konzert, vor dem Kaminfeuer oder vorm Einschlafen, entfaltet sich der Sound als intensiver, folkloristischer, intelligenter Hörgenuss irgendwo zwischen Gitarrenrock und Flötensymphonie.

Dass Jethro Tull in einem Heavy Metal Magazin wie dem Vampster besprochen wird, legitimiert sich nicht nur allein durch die Tatsachen, dass Black Sabbath Gründer Tony Iommi einige Wochen bei Tull gespielt hat oder dass die Band 1988 den Grammy als bester „Heavy Metal Act“ erhielt. Mittlerweile sind die Genre soweit miteinander verwachsen, dass jeder Skyclad, Blackmore´s Night, Gary Moore oder Therion Fan an Jethro Tull gefallen finden kann. Natürlich abgesehen davon, dass die Combo um Frontflötist und Sänger Ian Andersson schon immer als hardrockende Band angesehen wurde und quasi einer der ersten Crossover Acts überhaupt war.

Aber jetzt zu diesem Album. Leider ist die Promoversion dermaßen dünn ausgefallen, dass ich lediglich die CD und eine Tracklist als Infomaterial habe. Entsprechend der Infos aus dem Internet, ergänzt mit meiner persönlichen Einschätzung handelt es sich um verschiedene Liveaufnahmen, von 1989 bis heute. Zwischen den Songs wird gar nicht darauf wert gelegt, eine Konzertatmosphäre aufzubauen. Jeder Song hat astreine Soundqualität und das Publilkum ist wenn überhaupt nur kurz zu Beginn und zum Ende eines jeden Songs zu hören. Damit erfüllt „Living With The Past“ ähnlich wie das `71er Werk „Living In The Past“ eher BestOf Charakter. Die Songauswahl weiß allerdings mit einigen Überraschungen aufzuwarten. So kommt mit ‚The Habanero Reel’ ein Stück von Ian Andersons Solowerken zum Zuge, ‚Wond`ring aloud’ und ‚Life Is A Long Long Song’ wurden zusammen mit einem Streicherquartett intoniert und ‚Some Day The Sun Won´t Shine For You’ wurde bei einem einmaligen Event im Januar 2002 in der Jethro Tull Urbesetzung von 1968 eingespielt. Damit werden die Tull Liebhaber überaus zufriedengestellt. Für alle anderen und Neueinsteiger (für die sich dieses Album ebenfalls anbietet) gibt es die Evergreens ‚Aqualung’, ‚Locomotive Breath’, ‚Sweet Dream’ und ,Nothing Is Easy’.

Als Die Hard Fan wird man sich das Album eh kaufen und selbst und detaillierter entscheiden, welche Stärken und Schwächen das Album aufweist, ob die fehlende Härte zugunsten der ruhigen Atmosphäre ins Gewicht fällt, oder wie gut die Songauswahl gelungen ist. Für aufgeschlossene Metalfans und Jethro Tull Nichtkenner ist „Living With The Past“ ein interessantes ProgRock Scheibchen, mit dem die eigene CD-Sammlung aufgewertet wird. Mittlerweile ebenfalls veröffentlicht ist eine DVD mit dem gleichen Titel dieser CD.

Jens Koch

Spielzeit: 75:13 Min.

Line-Up:
Ian Anderson (g./v./Flute/Bouzouki/Mandolin/Harmonica)

Martin Barre (g./Flute)

Andrew Giddings (key.)

Jonathan Noyce (b.)

Doane Perry (d./perc.)

Label: Eagle Rock / Edel

Homepage: http://www.jethrotull.com

Tracklist:
01. Intro

02. My Sunday Feeling

03. Roots To Branches

04. Jack In The Green

05. The Habanero Reel

06. Sweet Dream

07. In The Grip Of Stronger Stuff

08. Aqualung

09. Locomotive Breath

10. Living In The Past

11. Protect And Survive

12. Nothing Is Easy

13. Wondring Aloud

14. Live Is A Long Song

15. A Christmas Song

16. Cheap Day Return

17. Mother Goose

18. Dot Com

19. Fat Man

20. Some Day The Sun Wont Shine For You

21. Cheerio