IHSAHN: The Adversary

IHSAHN: The Adversary

Für alle EMPEROR-Fans wird 2006 ein interessantes Jahr. Zum einen geben sich die norwegischen Black Metal-Revolutionäre ein letztes mal live die Ehre und zum anderen kommt Chefdenker IHSAHN dieses Jahr mit seinem ersten Solo-Streich daher. Und dieser hat es in sich. Dass IHSAHN die Grenzen des Black Metal schon lange zu eng waren, zeigte sich spätestens auf Prometheus – The Discipline Of Fire & Demise, dem finalen EMPEROR-Album, einem progressivem Meisterstück welches bereits eine Art Alleingang des Visionärs der Band war. So war also zu Erwarten dass IHSAHN mit seinem Solo-Debüt mit Sicherheit kein zweites In The Nightside Eclipse abliefern würde.

Stattdessen wird dem Hörer hier die ganze Bandbreite des IHSAHNschen Musikverständnisses und Geschmacks dargeboten. Angefangen beim Opener Invocation, der zu Beginn wie eine weniger bombastische Version des späteren EMPEROR-Sound klingt, im Mittelteil hin jedoch ruhig, nur von Keyboards, cleanen Gitarren und IHSAHNs klarem Gesang getragen wird, bis kurz vor Schluss wieder verzerrte Gitarren und Gekeife einsetzen. Das folgende Called By The Fire beginnt recht flott jedoch gänzlich unblackmetallisch. IHSAHN verzichtet hier fast vollkommen auf Black Metal Gesang und überzeugt mit erstaunlicher stimmlicher Variabilität. Insgesamt geht der Song wohl am ehesten als leicht progressiv angehauchte klassische Metal-Nummer durch.

Homecoming startet sehr ruhig und erinnert mich zu Beginn sogar ein wenig an das letzte Album von SIEGES EVEN. Bei dieser reinen Prog-Rock-Nummer wurden die Vocals von Kristoffer G. Rygg (ex-ARCTURUS) übernommen, dem einzigen Gast auf The Adversary, sieht man einmal von Drummer Asgeir Mickelson (BORKNAGAR/SPIRAL ARCHITECT) ab. Das spricht für IHSAHN, der mit seinem Namen sicherlich jede Menge prominenter Gäste hätte ins Studio locken können, um seinem Album ein wenig kommerziellen Schub zu geben. Doch dies ist nicht die Intention eines Künstlers wie IHSAHN, der hier schlicht und ergreifend seine musikalischen Vorlieben ausleben möchte.

Mit den letzten drei Songs Panem Et Circenses, And He Shall Walk In Empty Places und Will You Still Love Me Now? besinnt IHSAHN sich zum Teil wieder auf seine schwarzmetallische Vergangenheit. Besonders das grandiose And He Shall Walk In Empty Places hätte in anderem Soundgewand durchaus auch auf dem letzten EMPEROR-Album stehen können.

Im krassen Gegensatz zu den stürmischen Vorgängern steht das abschließende The Pain Is Still Mine. Dieses zehnminütige Opus wird Anfangs nur von klassischen Instrumenten wie einem Piano und Streichern getragen. Im weiteren Verlauf gesellen sich Gitarre und Schlagzeug dazu und rücken dem Song durch das technisch begeisternde Spiel der Protagonisten Ihren Stempel auf. Selbst einige Gitarrensoli haben Ihren Platz in The Pain Is Stil Mine gefunden, welches der insgesamt progressivste und eindrucksvollste Song auf The Adversary ist. Gesanglich verzichtet IHSAHN hier gänzlich auf Gekrächze und singt sehr theatralisch, ergänzt durch einige gesanglich an KING DIAMOND erinnernde Passagen, welche es teilweise auf vorherigen Songs ebenfalls zu hören gab. Eine kompositorische Glanzleistung und ein mehr als würdiger, wenn auch unerwarteter Abschluss eines starken Albums.

Insgesamt ist Vegard Sverre Tveitan aka IHSAHN mit seinem Solodebüt ein bemerkenswertes Album gelungen, das sicherlich vielen Gefallen wird, die dem Weg EMPERORs bis zum Ende gefolgt sind. Jene, denen die späteren Alben der norwegischen Legende bereits zu weit ab vom ursprünglichen Black Metal waren, sollte einen großen Bogen um The Adversary machen. Fans wahrhaft progressiver Musik ohne stilistische Grenzen kommen um ein Probehören dieser Scheibe nicht herum.

Veröffentlichungstermin: 28.04.2006

Line-Up:
Ihsahn – vocals, guitar, bass, keyboards (EMPEROR/ex-PECCATUM)
Asgeir Mickelson – drums (BORKNAGAR/SPIRAL ARCHITECT)

Produziert von Ihsahn @ Symphonique Studios / Norwegen
Label: Candlelight Records

Homepage: http://www.ihsahn.com

Tracklist:
01. Invocation
02. Called By The Fire
03. Citizen
04. Homecoming
05. Astera Ton Proinon
06. Panem Et Circenses
07. And He Shall Walk In Empty Places
08. Will You Still Love Me Now?
09. The Pain Is Still Mine

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.