DEEZ NUTS: Bout It

DEEZ NUTS: Bout It

Dass DEEZ NUTS in vielen Kreisen als Party-Band zählen, muss wohl mittlerweile an den Texten liegen. Alkoholexzesse und Marihuanagenuss, wie sie in „Shot After Shot“ gefeiert werden, passen nicht zum Straight-Edge-Kodex mancher Hardliner. Rein instrumental sind die Australier auf Album Nummer drei dagegen grob in den New Yorker Gassen unterwegs, wo sie in erster Linie auf dicke Hose machen. Das Hardcore-Grundwerk malmt mit wuchtigen Riffs und satter Produktion durch das Wohnzimmer, während der rohe Bass hin und wieder durch das voluminöse Klanggewitter vorsichtige Akzente setzt. Doch zugestanden, das ist mittlerweile Genre-Standard – wie so vieles auf „Bout It“. Mag diese Feststellung unweigerlich einen faden Beigeschmack haben, sollten wir diese, vorsichtig ausgedrückt, stilgetreu-primitive Umsetzung nicht direkt verteufeln.

Am besten sind DEEZ NUTS, wenn sie Kinnhaken im Sekundentakt verteilen

DEEZ NUTS sind vermutlich die Letzten, von denen wir eine groß angelegte Renovierungsaktion erwarten würden. Müssen wir auch nicht, denn dort wo die Mannen um Frontsau JJ Peters Hand angelegt haben, zeigen sicht fast durchweg achtbare Fortschritte im Detail. So fällt der allgemeine Drive der Platte mit dynamischen Songübergängen und knackigen Riffs ungleich aufpeitschender aus. „Keep On“ legt etwa gut vor, „Popular Demand“ schließt mit Groove und einem mächtigen Gitarrenwall im Finale nahtlos an, bevor „Go Fuck Yourself“ dem schleppenden Grundtenor mittels räudiger Vocals zur regelrechten Knochenmühle verhilft. Kleinere Metal-Anleihen, wie sie „Streets Are Watching“ auszeichnen, bringen eine gewisse Würze ins Spiel, den intensivsten Eindruck hinterlassen DEEZ NUTS aber, wenn sie in „What We Eat Don’t Make YOU Shit“ in weniger als anderthalb Minuten Kinnhaken im Sekundentakt verteilen.

„Bout It“ ist nicht frei von abgedroschenen Klischees

Den erwähnten frischen Anstrich gibt es zum Ende schließlich doch: Für die potenzielle Promille-Hymne „Band Of Brothers“ wurde niemand geringeres als ARCHITECTS-Sänger Sam Carter eingeladen, dessen Organ sich im Gangshout-Getümmel hervorragend macht und dem straighten Partygröhler eine Menge Persönlichkeit schenkt. Der Song mag aus dem ansonsten teils abgedroschenen, teils klischeebeladenen „Bout It“ kein ausgesprochen gutes Album machen. Er unterstreicht dafür die Tatsache, dass es außer DEEZ NUTS wohl kaum eine Band gibt, die selbst auf einem Kindergeburtstag die Reise nach Jerusalem in einen knallharten Circlepit um den Küchenstuhl zu verwandeln vermag. Party hard!

Veröffentlichungstermin: 05.04.2013

Spielzeit: 31:46 Min.

Line-Up:
JJ Peters – Vocals
Matthew Realbad Rogers – Guitar
Jon Green – Bass
Alex Salinger – Drums

Produziert von Shane Frisby
Label: Century Media

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/deeznutshardcore

DEEZ NUTS „Bout It“ Tracklist

01. Bout It
02. Shot After Shot (Video bei YouTube)
03. Not A Face In The Crowd
04. Keep On
05 .Popular Demand
06. Go Fuck Yourself
07. Don’t Act Like You Don’t Already Know
08. What We Eat Don’t Make YOU Shit
09. Call To Arms
10. Streets Are Watching
11. Public Service Announcement
12. Unfuckwithable (Video bei YouTube)
13.I.D.K.W.Y.T.Y.A.B.I.K.W.D.G.A.F.A.Y.
14. Life You Live
15. True Colors
16. Band Of Brothers (Video bei YouTube)

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.