DEAD SILENT SLUMBER: Entombed In The Midnight Hour

DEAD SILENT SLUMBER ist das Soloprojekt von NAGLFAR-Vocalist Jens Rydén. Die Musik ist facettenreich und geht in eine ähnliche Richtung wie CHILDREN OF BODOM. Die Gitarrensoli verleihen den Songs eine besondere Note, in erster Linie überzeugt mich das Album aber durch den hohen Spaßfaktor!

Was ist denn nun das? Black-Gitarren-Poser-Metal-Rock? So in etwa waren meine Gedanken, als ich den jungen Mann mit den langen Haaren und umgehängter E-Gitarre auf den Promo-Fotos zu Gesicht bekam. (“Spielt Gil jetzt Black Metal”, war der nächste Satz, der mir einfiel) Dieser Eindruck setzte sich dann auch beim Opener “In the Glare of the Moon” fort, der ziemlich partymäßig rüberkommt und bei dem ich auch ein Riff von ALICE COOPERs “Bed of Nails” herauszuhören glaube. Doch hey, der Song hat echt was, geht geil ab und vor allem gegen Ende macht das Ding gewaltig Druck.

Womit haben wir es nun also bei DEAD SILENT SLUMBER zu tun? DEAD SILENT SLUMBER ist das Soloprojekt von NAGLFAR-Vocalist Jens Rydén, und hier ist das Wort Soloprojekt auch wörtlich zu nehmen. Rydén hat hier nahezu komplett alles selbst gemacht, vom Bass und Gitarrenspiel, über die Vocals und Keyboards, der in diesem Fall wirklich gut geratenen Computer-Drum-Programmierung bis hin zum Logo- und Coverartwork. Nur hier und da hat Rydén auf Gastmusiker zurückgegriffen, wie etwa bei den weiblichen Vocals auf der düster-bombastisch angelegten Ballade “Entombed in the midnight hour”.

DEAD SILENT SLUMBER scheinen ein Faible für Gitareensoli zu haben

Nachdem dieser Punkt geklärt ist, kann ich also wieder zurück zur Musik kommen. Während der Opener wie bereits beschrieben noch recht partymäßig daherkommt, sind bei “Reborn in the Seed of Death” enorme SAMAEL-Einflüsse auszumachen, vor allem, was diesen gewissen Drive des Songs angeht, aber auch die Melodiebögen sind eher typisch für die Schweizer.

Bei “Smell the Incense” wird dann zum ersten Mal deutlich, dass “Entombed In The Midnight Hour” eben doch auch ein Gitarristen-Album ist. Rydén scheint ein Faible für traditionelle Gitarrensoli zu haben, aber hey, dieses Faible lebt er auf erstaunlich hörenswerte Weise aus und gleichzeitig gibt dies dem Album eine besondere Note. Die Soli sind melodisch und eingängig und mit einer ganzen Portion Gefühl gespielt. Und da ist es mir ganz egal, ob gewisse Musiker so ein Solo schon nach dem ersten Hören nachspielen können, sowas finde ich einfach gut.

Teilweise sind die Songs auf “Entombed In The Midnight Hour” zu überladen

Auch den Titelsong veredelt Rydén mit einem schönen Gitarrensolo, was hervorragend zu der Akustikgitarre, dem Cello (ich glaub mal, das es eins ist) und der weiblichen Stimme passt. Im Übrigen besitzt die Ballade eine sehr schöne Atmosphäre, auch wenn sie mir nicht wirklich Gänsehaut verpasst.

Im weiteren Verlauf des Albums wird jedoch deutlich, dass auch bei DEAD SILENT SLUMBER das IN FLAMES- / CHILDREN OF BODOM-Syndrom zum Tragen kommt. Insgesamt sind die Songs einfach zu überladen und bestimmte Parts sind den einzelnen Songs nur schwer zuordenbar. Hinzu kommt, dass Rydén mit seinem Geschreigrunzkreische auf die Dauer etwas nervt, da dieses nicht gerade abwechslungsreich ausgefallen ist.

Der Vergleich mit CHILDREN OF BODOM kann übrigens des Öfteren herangezogen werden, da die Musik von DEAD SILENT SLUMBER in eine ähnliche Kerbe schlägt.

“Entombed In The Midnight Hour” macht Spaß

Es ist wirklich gut, dass das Album bereits nach sieben Songs zu Ende ist, denn ich befürchte, dass es sonst den ein oder anderen Hänger erlitten hätte. Rydén hat gut daran getan, dass er den Songs immer wieder mit ausgefallenen Ideen einen gewissen Wiedererkennungswert vermittelt, wie etwa bei “Raising the Suicide Chalice”, bei dem zu den oben genannten Einflüssen noch THE KOVENANT hinzugefügt werden kann.

Dennoch, “Entombed in the midnight hour” hat was, wobei ich das Album nicht ganz so ernst nehmen kann, wie es Rydén und Hammerheart wohl gerne hätten. Bei mir überwiegt auf dem Album eindeutig der Spaßfaktor und Spaß macht das Album auf jeden Fall!

Veröffentlichungstermin: 22.11.1999

Spielzeit: 39:16 Min.

Line-Up

Jens Rydén – alles

Produziert von Nils Johansson
Label: Hammerheart

DEAD SILENT SLUMBER “Entombed In The Midnight Hour” Tracklist

1. In the Glare of the Moon
2. Reborn by the Seed of Death
3. Smell the Incense
4. Entombed in the Midnight Hour
5. Blood Collapse
6. Raising the Suicide Chalice
7. Lick the Wound