DARK FORTRESS: Séance

Düstere, majestätische Klangwelten – und doch kein zweites "Stab Wounds"…

Nachdem DARK FORTRESS Black Attakk den Rücken gekehrt haben und bei Century Media untergekommen sind, erscheint endlich der Nachfolger des überzeugenden Werkes Stab Wounds. Séance weist eine professionelle, transparente Produktion auf, bei der jedoch die einzelnen Elemente zum Teil nicht zusammenpassen wollen: Ein viel zu sauberes, ja überproduziertes Drumkit trifft auf recht rohe, saftige Gitarren, was in einem etwas merkwürdigen Soundbild mündet. Hier hätte der Schlagzeugbereich ruhig etwas authentischer ausfallen dürfen, um zum flotten Gitarrensound zu passen.

Musikalisch geben sich die Landshuter noch immer gewohnt düster und melancholisch. Das Keyboard bewegt sich größtenteils im Hintergrund und fällt weder positiv, negativ noch besonders auf. Von der Atmosphäre her schwimmen DARK FORTRESS mehr und mehr im Fahrtwasser von SATYRICON und den neueren Zeiten von MAYHEM. So erinnert unter anderen die Dissonanzzelebration von Requiem Grotesque an letztere, während Poltergeist beinahe dreist bei Grand Declaration of War abschaut. Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt indes While They Sleep – zuerst überzeugt eine (hörbare), schleppende Bassline, dann erscheinen irgendwann bizarre Streicher, welche etwas aufgesetzt krank wirken. Überhaupt scheinen DARK FORTRESS eine Vorliebe für zusätzliche Samples und Geräusche zu haben – nicht immer zum Vorteil ihrer Songs: Das Geräusch zu Beginn von Poltergeist ist kaum nötig und auch das Intermezzo Incide hätte man aufgrund der andersweitig aufgebauten Atmosphäre locker weglassen können.

Auffallend ist zudem, dass bis zu Revolution: Vanity keine klaren Grenzen zwischen den Songs zu existieren scheinen: Die Grundtöne gleichen sich zu sehr, überlässt man Séance einige Minuten sich selbst und kehrt dann zurück, meint man, noch beim gleichen Track zu sein, obschon DARK FORTRESS bereits bei der nächsten Komposition angelangt sind. Außerdem fehlt ein wirklich überragender Song, wie dies etwa Rest in Oblivion auf dem Vorgängerwerk war. Daran ändert auch der mit einigen Widerhaken versehene, starke Abgang Insomnia, dessen Beginn allzu frappant an den Song Creeping Suicide der Schweizer PUNISH erinnert, nichts.

Insgesamt hinterlässt Séance also einen zwiespältigen Eindruck. DARK FORTRESS bewegen sich allzeit auf hohem Niveau, schaffen eine düstere Atmosphäre (nicht zuletzt wegen des eindringlichen Gesangs) und sind wohl zurecht in den oberen Sphären der deutschen Schwarzmetallszene situiert. Allerdings zeigt Séance auch, dass zu einem wirklich überzeugenden Werk eben auch songwriterisches Geschick und klar umrissene Songs gehören: In diesem Bereich ist Stab Wounds nach wie vor stärker und besitzt das gewisse, charmante Etwas, welches man bei Séance bisweilen vergeblich sucht.

Veröffentlichungstermin: 30.01.2006

Spielzeit: 62:02 Min.

Line-Up:
Azathoth: Vocals

Asvargr: Gitarren

V Santura: Gitarren

Draug: Bass

Paymon: Keyboards

Seraph: Drums

Produziert von V Santura
Label: Century Media

Homepage: http://www.thetruedarkfortress.com

Email: info@thetruedarkfortress.com

Tracklist:
1. Ghastly Indoctrination

2. CataWomb

3. Requiem Grotesque

4. While They Sleep

5. To Harvest the Artefacts of Mockery

6. Poltergeist

7. REvolution:Vanity

8. Incide

9. Shardfigures

10. Insomnia