CRUACHAN: Pagan

CRUACHAN: Pagan

CRUACHAN melden sich mit einem neuen Album zurück, da ist die Freude groß bei allen Metal hörenden Irland-Fans. Auch diesmal fällt der Blick zunächst auf ein wunderbares Cover-Gemälde, welches im Falle von Pagan kein anderer als John Howe, der offizielle Herr der Ringe-Illustrator, gezeichnet hat. Bis auf den abschließenden Bonustrack The Fall Of Gondolin gibt es aber auch weiterhin keine in Fantasywelten schwelgenden Texte. Vielmehr ist auch auf Pagan mal wieder der irische Widerstandskampf das Hauptthema, wobei man sich auf die Auseinandersetzungen mit den Wikingern konzentriert, die gleich in mehreren Stücken thematisiert werden.

Musikalisch hat es eine weitere Rückbesinnung auf alte Tugenden geben. War The Middle Kingdom noch vollkomen frei von Black Metal-Einflüssen, so gab es auf Folk-Lore wieder einige Elemente, die an die Anfangszeiten von CRUACHAN erinnerten. Auf Pagan nun sind diese Einflüsse so stark wie nie zuvor und halten sich mit den rein folkloristischen Kompositionen in etwa die Waage. Beim Titelsong etwa sind nach den im Intro zu hörenden sakralen Gesängen ein hymnisches, schrammeliges Gitarrenriff, das typische Black Metal-Gekreische und schnelle, polternde Drums zu hören, so dass man sich sofort an Tuatha Na Gael, das Debütalbum der Iren, erinnert fühlt. Auf der andere Seite stehen flotte Folk-Rocker wie das mit einer sehr heidnisch wirkenden Flöten- und Gesangsmelodie daherkommende Ard ri na Heireann, bei denen der klare Gesang von Karen und Keith das Klangbild bestimmen, spaßige Trinklieder wie Some Say The Devil Is Dead oder Instrumentalstücke wie 1014 A.D., wo auch die Gastmusiker mit Geige und Cello die Musik noch folkiger gestalten.

Ein bisschen scheinen Mastermind Keith Fay und Sängerin Karen Gilligan allerdings die Ideen auszugehen, denn die Gesangslinie im Opener Michael Collins weist doch sehr starke Parallelen zu Bloody Sunday vom letzten Album auf. Des weiteren ist zu bemängeln, dass Karen in den höheren Tonlagen doch ein relativ dünnes, nicht gerade gut trainert klingendes Stimmchen hat, ein Kritikpunkt, der aber auch für die letzten beiden Alben zutrifft. Woran Pagan aber wirklich krankt, ist die Produktion, bei der man nach der leichten Verbesserung auf Folk-Lore wieder einen Schritt zurück gemacht hat. Die Snare-Drum klingt unglaublich dumpf, noch schlimmer als auf The Middle Kingdom, und die sehr rauhen, kratzenden Gitarren machen auch nicht wirklich Druck. Klar, angesichts der teilweisen musikalischen Rückbesinnung auf das absolut dilettantisch produzierte Debütalbum wirkt eine solche Produktion vielleicht authentisch. Aber damit liegt man produktionstechnisch unter dem Niveau vieler Bands im Demostadium und tut sich letztendlich keinen Gefallen, denn so richtig Atmosphäre will so natürlich nicht aufkommen.

Trotz der erwähnten Mängel ist Pagan ein gutes Album, wenn es auch nicht ganz mit Folk-Lore mithalten kann. Folk Metal-Fans, die knapp bei Kasse sind, sollten also erst einmal abwarten, was das neue SKYCLAD-Album bringt, alle anderen, insbesondere diejenigen, die auch mit den schwachbrüstigen Produktionen der ersten beiden CRUACHAN-Alben keine Probleme hatten, dürfen ohne Bedenken zugreifen, denn Pagan wird sie nicht enttäuschen. Auch die bei CRUACHAN schon üblichen ausführlichen und wie immer sehr interessanten Liner-Notes von Keith Fay wird niemand vergeblich suchen.

Veröffentlichungstermin: 05.04.2004

Spielzeit: 52:31 Min.

Line-Up:
Karen Gilligan – Vocals, Percussion

Keith Fay – Vocals, Electric Guitar, Acoustic Guitar, Keyboards, Bouzouki, Mandolin, Banjo, Bodhrán, Percussion

John Clohessy – Bass, Backing Vocals

Joe Farrell – Drums, Percussion

Gäste:

John O Fathaigh – Irish Flute, Tin Whistles, Low Whistle, Recorder, Bombarde, Live Keyboards

Chris Kavanagh – Vocals (on Some Say)

Diane O´ Keefe – Cello

Tommy Martin – Uilleann Pipes

Michelle O Brien – Fiddle

Produziert von Al Cowen
Label: Karmageddon Media

Hompage: http://www.cruachan.cjb.net

Email-Adresse der Band: Cruachan@ireland.com

Tracklist:
1. Michael Collins

2. Pagan

3. The Gael

4. Ard ri na Heireann

5. The March To Cluain Tairbh

6. Viking Slayer

7. 1014 A.D.

8. Some Say The Devil Is Dead

9. A Thousand Years

10. Lament For The Wild Geese

11. Erinsong

12. Summoning Of The Sidhe

13. The Fall Of Gondolin (bonus)