BLIND GUARDIAN: At The Edge Of Time

BLIND GUARDIAN: At The Edge Of Time

BLIND GUARDIAN. Meine erste große Liebe in Sachen Metal. Hach, da könnte man ja glatt mal nostalgisch werden. Mit den letzten beiden Alben habe ich leider völlig das Interesse an den Krefeldern verloren. Ich erinnere mich noch, wie ich zum Release von A Night At The Opera brav zur Autogrammstunde am Veröffentlichungstag gelatscht bin… und dann vom Album doch eher enttäuscht war. Vom Nachfolger habe ich nur wenige Songs gehört, die mich einen großen Bogen um das Album machen ließen. Aber plötzlich ist es wieder da. Das Interesse an BLIND GUARDIAN. Was man so vorab über At The Edge Of Time las stimmte mich irgendwie neugierig, vielleicht fanden meine alten Lieblinge ja noch mal zurück in die Spur.

Eröffnet wird das neue Album mit dem über neun Minuten langen Sacred Worlds, einer neuen Version des Songs, den BLIND GUARDIAN zum Computerspiel Sacred beigesteuert haben. Ein Orchester eröffnet den Song bevor nach anderthalb Minuten E-Gitarre und Drums dazu kommen und zusammen mit dem Orchester eine mächtige Soundwand erzeugen. Diese wird etwas zurück gefahren sobald Hansis Gesang einsetzt, kommt aber pünktlich zum Refrain wieder mit voller Kraft zurück. Aber auch wenn BLIND GUARDIAN hier einiges an Orchester auffahren, kommt das klassische Metal-Instrumentarium nicht zu kurz, da sind so einige klassische GUARDIAN-Leads am Start und natürlich der unverwechselbare, großartige Gesang von Hansi Kürsch. Alleine bei diesem Song passiert so unglaublich viel. Mal bombastisch, mal auf die Fresse, dann ruhig, verträumt. Was für ein Epos! Na das kann ja was werden.

Und wie das was wird! Mit Tanelorn (Into The Void) lassen es BLIND GUARDIAN krachen wie lange, lange, lange nicht mehr, besinnen sich auf ihre Speed Metal-Wurzeln zurück und lassen alles andere außen vor. Das klingt von der Attitüde nach Tales From The Twilight World, nur dass BLIND GUARDIAN natürlich zu keinem Zeitpunkt wirklich retro werden. Hansi lässt sogar ein paar hohe Schreie vom Stapel, die ich ihm so ehrlich gesagt gar nicht mehr zugetraut hätte. Wir sehen uns auf Tour Herr Kürsch! Und mit Ride Into Obsession treten BLIND GUARDIAN das Gaspedal weiter durch, Hansi singt so extrem, wie ich es noch nie von ihm gehört habe. Die Haare sind zwar ab, die Eier sind aber definitiv noch vorhanden. Mit einer solchen Speed-Nummer hätte ich ja ums verrecken nicht gerechnet, auch wenn BLIND GUARDIAN zwischendurch das Tempo geschickt rausnehmen. Zwischen diesen beiden Speed-Krachern haben BLIND GUARDIAN Road Of No Release platziert. Der Song wird über die ganze Länge von einem Klavier begleitet, wechselt vom getragenen Anfang zu heavy rockend und episch, dazu passt auch, dass Hansi gesanglich zwischen gefühlvollem Gesang und Screams wechselt, dazu die üblichen Chöre. Ergibt alles in allem ein weiteres Highlight des Albums.

Mit Curse My Name kommen die Fans der folkigen BLIND GUARDIAN-Stücke auf Ihre Kosten. Der Song wird hauptsächlich von Flöten, Trommeln und einigen anderen Instrumenten dominiert, die E-Gitarre kommt nur mal kurz gegen Ende zum Einsatz. Mit Valkyries gibt es mehr Futter für die Fans klassischer BLIND GUARDIAN-Hymnen mit einem fast schon unverschämt bombastischen Refrain. Sicher ein zukünftiger Klassiker, der live richtig reinhauen wird. In die selbe Kerbe schlägt das folgende Control The Divine, wenn auch der Refrain hier etwas unauffälliger ist. Insgesamt aber ebenfalls ein großartiger Song, so wie man ihn sich von BLIND GUARDIAN auf den letzten zwei Alben mal gewünscht hätte.

Das wunderschöne War Of The Thrones kommt dann komplett ohne Rock-Instrumente aus, wird hauptsächlich von Piano, Streichern, etwas Percussion und Hansis Stimme getragen. Mit dem bereits als Single ausgekoppelten A Voice In The Dark haben BLIND GUARDIAN noch mal eine reinrassige Speed-Nummer mit einem erstklassigen Refrain an Bord. Nicht ganz so hart wie Tanelorn und Ride Into Obsession, trotzdem deutlich von der besten Phase der Band beeinflusst, immer nach vorne treiben. Klasse! Dann leiten BLIND GUARDIAN das Grande Finale ein. Wheel Of Time beginnt mit einem ruhigen, orientalischen Teil. Dann zeigen BLIND GUARDIAN mal eben sämtlicher Konkurrenz, wie man Metal-Band und Symphonie-Orchester perfekt zusammen bringt. Zwar dominiert hier ganz klar das Orchester, angetrieben vom Frederik Ehmkes Power-Drumming, doch auch die Herren Siepen und Olbrich bekommen Platz um sich auszutoben. Und darüber thront wieder mal Hansi Kürsch, der hier gesanglich alle Register zieht.

Um, nachdem ich hier jeden Song einzeln abgefeiert habe, mal zu einem Ende zu kommen: BLIND GUARDIAN liefern mit At The Edge Of Time ihr bestes Album seit mindestens Nightfall In Middleearth ab, wenn ihr mich fragt. Und wenn ihr mich nicht fragt, dann hättet ihr euch das ganze Geseier da oben auch sparen können. So oder so: Alle Fans der Krefelder, ob alt ob neu und generell jeder, der mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann, hat hiermit die Pflicht sich dieses, jetzt schon zu den ganz großen Highlights des Jahres gehörende Album zuzulegen!

Veröffentlichungstermin: 30.07.2010

Spielzeit: 61:18 Min.

Line-Up:
Hansi Kürsch – vocals
André Olbrich – lead guitar
Marcus Siepen – rhythm guitar
Frederik Ehmke – drums

Produziert von Charlie Bauernfeind

Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.blind-guardian.com

MySpace: http://www.myspace.com/blindguardian

Tracklist:
01. Sacred Worlds
02. Tanelorn
03. Road Of No Release
04. Ride Into Obsession
05. Curse My Name
06. Valkyries
07. Control The Divine
08. War Of The Thrones
09. A Voice In The Dark
10. Wheel Of Time

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.