AHAB: The Call Of The Wretched Sea

AHAB: The Call Of The Wretched Sea

AHAB sind nicht die ersten, die sich der literarischen Vorlage Moby Dick von Hermann Melville angenommen haben – vor zwei Jahren sorgten MASTODON mit ihrem Album Leviathan für einiges Aufsehen. AHAB aber machen keine halben Sachen und haben sich denn auch gleich nach der Hauptfigur benannt und ihr ganzes Bandkonzept darauf abgestimmt.

Die Umsetzungen von AHAB und MASTODON miteinander zu vergleichen, wäre zwar sinnlos – zu unterschiedlich sind diese musikalisch ausgefallen -, tatsächlich aber scheint kein Genre besser dazu geeignet zu sein, die düstere Atmosphäre des Romans einzufangen, als der vom süddeutschen Trio zelebrierte Funeral Doom.

Licht aus, Kopfhörer auf, heißt es, will man die intensive Atmosphäre von The Call Of The Wretched Sea in vollem Maße genießen und aufsaugen: Schwere Riffs, manchmal bewusst disharmonisch, ein wunderbar verhalltes Schlagzeug, die immer wieder eingestreuten, sehr simplen Gitarrenleads und der ultratiefe Grunzgesang von Daniel Droste erzeugen dann eine außerordentlich finstere Stimmung. AHAB ergehen sich aber nicht in reiner Stimmungsmusik, sondern habe echte – wenn auch überlange und keineswegs gewöhnliche – Songs zu bieten, die nicht zuletzt aufgrund der melodischen Leadgitarren einen gewissen Wiedererkennungswert besitzen – und damit den Ergüssen der meisten anderen Funeral Doom-Bands einiges voraus haben.

Was The Call Of The Wretched Sea zudem von dem, was man gemeinhin unter Funeral Doom versteht, unterscheidet und das Album vergleichsweise leicht verdaulich macht, ist die Tatsache, dass das Trio über weite Strecken gar nicht ein derart langsames Tempo einschlägt wie in diesem Genre üblich. In Below The Sun und Old Thunder sowie dem starken The Sermon, das von einem großartigen, eingängigen Hauptriff getragen wird, bewegen sich AHAB nicht nur tempomäßig nahe am gewöhnlichen Death-Doom.

Wirklich neu ist an den Zutaten von The Call Of The Wretched Sea natürlich nichts. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn dafür schafft man es, nicht nur eine dunkle Atmosphäre zu kreieren, sondern auch songwritingtechnisch zu überzeugen. In der Schnittmenge von Funeral Doom und Death-Doom, durchsetzt von guten Hooklines, ist das AHAB-Debüt somit nicht nur für Fans des Genres interessant, sondern auch für diejenigen, die sich mit dieser extremen Spielart des Doom vertraut machen wollen, ohne gleich ins kalte Wasser zu springen.

Veröffentlichungstermin: 29.09.2006

Spielzeit: 67:38 Min.

Line-Up:
Daniel Droste – guitars, voices, synths
Stephan Adolph – bass, background vocals
Christian Hector – guitars
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.ahab-doom.de

Tracklist:
1. Below The Sun
2. The Pacific
3. Old Thunder
4. Of The Monstrous Pictues Of Whales
5. The Sermon
6. The Hunt
7. Ahab´s Oath