SALTATIO MORTIS: Das schwarze IXI

SALTATIO MORTIS: Das schwarze IXI

Was haben sich die Jungs nur dabei gedacht? Engagieren einen namhaften Künstler wie Matt Dixon und lassen sich dann im kindlichen Comicstil als Coverfiguren nachzeichnen. Solange sich SALTATIO MORTIS die Kreativität für das eigentliche Werk aufgehoben haben, ist doch alles gut, möchte man entgegnen. Aber auch hier sollten wir keine Quantensprünge erwarten: Das schwarze IXI (sprich: Einmaleins) ist in vielerlei Hinsicht stockkonservativer Mittelalter-Rock, gibt sich aber Mühe, den eng gefassten Rahmen so gut wie möglich mit Leben zu füllen.

Unbekümmert punkig startet Früher war alles besser durch, Krieg kennt keine Sieger schraubt die Dramatik hoch, My Bonnie Mary rockt straight wie unverkrampft durch ein schottisches Traditional und das kantige Wachstum über alles hat eines der dreckigsten Riffs, die SALTATIO MORTIS bislang aus dem Handgelenk geschüttelt haben. Dass dort die Sackpfeifen im Refrain Haydns Nationalhymne zitieren, passt zu den thematisierten Auswüchsen des Kapitalismus wie die deutsche Autolobby zur CDU. Etwas sperrig und eigenwillig bleibt die sarkastische Botschaft auf instrumentaler Ebene dennoch. Beim Blick auf die gerade angeführte Songauswahl sehen wir nichtsdestotrotz, wie dehnbar der Begriff Mittelalter-Rock mittlerweile geworden ist.

Eher klassisches Hitmaterial fährt die Gruppe mit dem schweißtreibenden IX auf, während das trügerische Sandmann sich als schaurig-schöne Gruselballade offenbart. Nicht nur weil die Galgenballade instrumental an FAUN erinnert und Abrakadabra wohl aus SUBWAY TO SALLYs Proberaum ausgebüxt ist, bleiben im Folgenden wirkliche Neuerungen aus. Die dargebotenen Variationen sind vielmehr Schattierungen des Vertrauten; zumal auch das nicht immer gelingt: Nur ein Traum macht es selbigem gleich und ist mit seinem Ende quasi vergessen.

Darüber hinaus lassen SALTATIO MORTIS vielversprechende Gelegenheiten verstreichen. Der ehemals zum Marktmusik-Ensemble gehörende Jean Méchant, genannt der Tambour, greift nun verstärkt zu Saiteninstrumenten, anstatt wie zuletzt auf der Zehn Jahre Wild und Frei-DVD mit Percussioneinsätzen die Rockshow zu veredeln. Zugegeben, SALTATIO MORTIS hatten es in der Vergangenheit an mancher Position nicht leicht – auch auf Das schwarze IXI ist abermals ein neuer Gitarrist zu hören, nachdem Samoel im November 2012 die Band verlassen hatte. Angesichts des Wechseltheaters am Sechssaiter ist die Konstanz, mit der hier musiziert wird, beachtlich – frischen Wind bringt die jüngste Line-Up-Veränderung indes nicht.

Zusammengefasst ist Das schwarze IXI somit gut, zur gleichen Zeit allerdings mindestens genauso routiniert. Insofern hat das bunte Artwork im Nachhinein auch etwas Gutes: Zwischen den stärkeren Outputs Aus der Asche und Sturm Aufs Paradies sticht das farbenfrohe Gesicht des jüngsten Sprösslings deutlich hervor. Kluger Schachzug, meine Herren.

Veröffentlichungstermin: 16.08.2013

Spielzeit: 51:35 Min.

Line-Up:
Alea der Bescheidene – Gesang, Dudelsack, Schalmei, Akustikgitarre, Bouzouki
Till Promill – Gitarre
El Silbador – Dudelsack, Schalmei, Uilleann Pipe, Whistles, Small-Pipe, Highland-Pipe
Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein: Dudelsack, Drehleier, Schalmei
Luzi das L – Dudelsack, Schalmei, Whsitles
Jean Méchant, genannt der Tambour – Gitarre, Akustische Gitarre, Bouzouki, Percussion
Bruder Frank – Bass, Chapman Stick
Lasterbalk der Lächerliche – Schlagzeug, Davul

Produziert von Thomas-Heimann-Trosien
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.saltatio-mortis.com
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/saltatiomortisofficial

Tracklist:
01. Früher war alles besser
02. Wachstum über alles
03. Krieg kennt keine Sieger
04. Der Kuss
05. My Bonnie Mary
06. Sandmann
07. Satans Fall
08. Idol
09. IX
10. Galgenballade
11. Abrakadabra
12. Nur ein Traum
13. Randnotiz

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