V.A.: ReCollection

Relapse bieten hier einen sehr guten Überblick über das ganze Labelgeschehen, der für Neu-, Quer- und Schon-längst-drin-Einsteiger gleichermaßen geeignet ist und unterstützen mit diesem Release gerade ihre unbekannteren Bands und Künstler.

Mein Lieblingslabel RELAPSE zählte schon immer zu den Zerstörern der normalen Hirnfunktionen in mir und zum ersten Mal gibt es jetzt nicht nur akustischen, sondern auch optischen Terror zu spüren. Selbst wenn auf den ersten Blick das Tracklisting ein wenig enttäuschend ist – immerhin fehlen NILE, NASUM, MASTODON, BURNT BY THE SUN, DYING FETUS und einige weitere – sollte man sich nicht davon abbringen lassen sich als Fan gepflegten Krachs diese DVD zu kaufen, soviel steht fest.

Doch warum? Liegt es an HIGH ON FIRE, BRUTAL TRUTH und DECEASED? Wohl eher nicht, denn dies sind die einzigen Clips, die sich nicht dem Qualitätslevel der anderen anpassen. Gerade im Fall BRUTAL TRUTH´s ist es sehr schade, schließlich ist der Song Dead Smart eine der großen Perlen dieser Band. In der Überzahl sind definitiv die Highlights auf der ersten ReColletion DVD. So stehen meine Helden NEUROSIS mit zwei Clips auf der Speisekarte, einmal mit einer Live-Version von Locust Star, dass auf dem Ozzfest aufgenommen wurde und die Band somit ohne ihre Visuals auskommen musste. Dadurch kommt die Wut des Stückes verstärkt ans Licht und gerade Dave Edwardson und Scott Kelly agieren derart charismatisch, dass man sich fragt, warum die Videosequenzen eigentlich auf Konzerten verwendet werden. Das erfährt man bei dem Times of Grace-Klassiker Under the Surface, das unglaublich farbenprächtig und psychedelisch und somit noch intensiver als Locust Star ist. Auch die Live-Sequenzen geben für diejenigen, die noch nie die Möglichkeit hatten, NEUROSIS live zu bewundern einen kleinen Eindruck davon.

Apropos psychedelisch: Von ALCHEMIST, den verrückten Sci-Fi-Australiern, stammt das wohl bunteste Video, das jemals von einer harten Band gemacht wurde. Gerade bewusstseinserweiternde Substanzen dürften sich für diesen Clip sehr gut machen. THE DILLINGER ESCAPE PLAN schießen auch den Vogel mit ihrem Song The Mullet Burden und seinen widerlichen, typisch amerikanischen Bildern ab, bringen dabei ihre Intensität durch die verrückten Bilder einer Show sehr gut rüber. Ebenso amüsant sind die Australier BLOOD DUSTER, mit denen ich durch ihre Porno-Scheiße bedingt noch nie viel anfangen konnte. Doch ihr Pornstorestiffi ist eigentlich ein Grund sich die CD Cunt zu holen, immerhin treten die Jungs in Gansta-Outfits auf, veräppeln Fred Durst und haben definitiv einen zu viel an der Waffel. Der Drummer spielt in Rollschuhen, der Sänger trägt Gangsta-Ringe und nebenbei bricht sich der Gitarrist fast sein Bein. Die Musik? Die ist auch äußerst cool, ordentliche Stoner-Riffs mit verdrehtem Grunzgesang. Die Welt kann so schön sein.

Bei TODAY IS THE DAY ist sie das allerdings nicht. Ihr Gitarrenloses Pinnacle ist ein Höllenfeuer, in dem auch die entsprechenden Bilder gezeigt werden. Teilweise aus alten Trash-Filmen, dennoch wirkt es im Kontext mit der Musik einfach fürchterlich. Steve Austin fällt herum wie besessen und scheint der Oberhaupt eines abgrundtief bösen Kultes zu sein, der durchgehende Rotstich im Clip trägt dazu noch bei. Auch bedrückend, aber bedrückend realistisch ist DEAD WORLD´s The Machine, das den Text nicht besser hätte unterstreichen können. Finster, industriell und kalt mutet nicht nur der Song, auch das ganze Video an. Ähnlich agieren auch BENÜMB, die allerdings eher in eine unfreiwillig komische Spalte fallen, was hauptsächlich an Sänger Pete Pontikoffs Bühnenpräsenz liegt, die nicht gerade das ist, was ich mir von Grindcore erwarte. Dafür sind die Szenen von Straßenschlachten und unfairer Polizeigewalt genau das, was von der visuellen Untermalung eines Grindcore-Songs abhängt.

Ansonsten haben noch AMORPHIS zwei Clips vorliegen, zum einen das extrem professionelle Divinity, von dem ich eigentlich eher Sommeraufnahmen als Schnee erwartet hätte, und den Klassiker schlechthin: Black Winter Day. Schon ein wenig älter, daher auch nur semiprofessionell, aber trotzdem sehr ansprechend und im topmodischen Barock-Look gehalten überzeugt es durch Atmosphäre und Stil. UNSANE liefern leider nicht ihr cooles Scrape-Video mit den derben Skateboardunfällen, aber Sick tut es auch, denn es ist – ich bleibe dabei – der beste Song der Band und auch die Gorehounds kriegen ihr Blut. Passt. ALABAMA THUNDERPUSSY wälzen sich inmitten von Motorrädern, bevorzugt vor Südstaatenflaggen und rocken wie junge Götter. Da freut man sich wirklich auf das nächste Album. Ebenso bei UPHILL BATTLE, deren Clip wie CONVERGE´s Downpour nur mit Live-Sequenzen wirkt. Und man merkt hier erst recht, wie schnell der Drummer ist. Fabulös!

Relapse bieten hier einen sehr guten Überblick über das ganze Labelgeschehen, der für Neu-, Quer- und Schon-längst-drin-Einsteiger gleichermaßen geeignet ist und unterstützen mit diesem Release gerade ihre unbekannteren Bands und Künstler. Mit fast einer Stunde Spielzeit und einem übersichtlichem Menü ist auch für Komfort gesorgt. Hinsetzen, Chips bereitstellen, zurücklehnen und wegblasen lassen!

VÖ: bereits erschienen

Ca. 58 Minuten

Relapse Records

www.relapse.com

1. HIGH ON FIRE – Hung, Drawn and Quartered

2. NEUROSIS – LOCUST STAR

3. AMORPHIS – Divinity

4. ALCHEMIST – First Contact

5. UNSANE – Sick

6. ALABAMA THUNDERPUSSY – Motor-Ready

7. UPHILL BATTLE – Ripped off Face

8. THE DILLINGER ESCAPE PLAN – The Mullet Burden

9. BENÜMB – Breathin Life Into Predestined Failure

10. BRUTAL TRUTH – Dead Smart

11. BLOOD DUSTER – Pornstorestiffi

12. TODAY IS THE DAY – Pinnacle

13. DECEASED – Elly´s Dementia

14. AMORPHIS – Black Winter Day

15. NEUROSIS – Under the Surface

16. DEAD WORLD – The Machine