OOMPH!: Rohstoff [DVD]

Die vier Stunden bieten alles, was man sich als OOMPH!-Fan der jüngeren Jahre nur wünschen kann, zeigen jedoch auch, dass die Band in letzter Zeit ein wenig gleichförmig geworden ist.

Zunächst einmal liefert Rohstoff wirklich alles, was man als OOMPH!-Fan der jüngeren Jahre sich nur wünschen kann: Als Kernstück fungiert ein fast zweistündiges Livekonzert, darüber hinaus ist die DVD pickepackevoll mit allen Videos der Band, jeweils ergänzt durch Making-ofs und Interviews mit der Band. Das ergibt über vier Stunden Material, an dem man sich nach Herzenslust durch das Universum der Norddeutschen zappen kann. Die Masse ist also vorhanden, und um die Klasse ist es ebenfalls gut bestellt, da die Videos allesamt zu den besseren ihrer Art gehören, wie man auch an den unterhaltsamen, weil von der Band ironisch kommentierten Making-of-Clips erkennen kann. Das Livekonzert wird optisch und akustisch hervorragend eingefangen, aus etlichen Blickwinkeln kann man Dero über die Bretter fegen sehen, während seine Mitstreiter eher so interessiert wirken wie bei einer Finanzbuchhaltungsüberprüfung. Diese übertriebene Lässigkeit wirkt nach gewisser Zeit nur noch aufgesetzt, obwohl dadurch Dero alle Freiheiten hat, auf den Brettern die psychopathische Rampensau zu markieren. In dieser Rolle fühlt er sich sichtlich wohl, während sich seine Kommunikation mit dem Publikum in den Pausen auf die üblichen Phrasen und dauerhaftes In-die-Menge-Halten des Mikrofons beschränkt. Spontanität sieht jedenfalls anders aus. Als weiteres Manko kristallisiert sich die inzwischen doch schon sehr deutlich zutage tretende Gleichförmigkeit des OOMPH!-Liedguts heraus: Mit Ausnahme der großen Hits Augen auf und Gott ist ein Popstar wirken fast alle Songs und Texte in der Häufung überaus ähnlich gestaltet. Hier hätten gegebenenfalls ein paar ältere Songs zur Auflockerung und Abwechslung beitragen können, doch Lieder vom genialen Wunschkind-Album zum Beispiel sucht man in der Setlist vergebens. Trotzdem gilt: Für Freunde von Glaube Liebe Tod und Wahrheit oder Pflicht bietet Rohstoff mehr als genug, und Songs wie Supernova oder das Video zu Fieber – mit einer blendend aufgelegten Nina Hagen vor ihrer traurigen Castingshow-Karriere – sorgen letztlich dafür, dass zumindest die mittlere Schaffensperiode des erfolgreichen Trios um die Jahrtausendwende herum ebenfalls gewürdigt wird. Trotzdem ist eine Erkenntnis der DVD mit ihrer Ballung an Songmaterial der jüngeren Zeit, dass OOMPH! gut beraten wären, nicht ein weiteres Mal ausschließlich das erprobte Songwriting-Konzept zu strapazieren. Die Interviews und besonders die Making-of-Passagen bieten wiederum viele unterhaltsame Einblicke ins Bandgefüge der erstaunlich bodenständigen und humorvollen Jungs, so dass Rohstoff trotz der angeführten Schwachpunkte ein absolut lohnenswertes Bandportrait darstellt.

Veröffentlichungstermin: 20.07.2007

Spielzeit: 267:00 Min.

Line-Up:
Dero – Gesang
Crap – Gitarre
Flux – Gitarre
Hagen – Bass (live)
Leo – Schlagzeug (live)
Label: GUN/Sony/BMG

Homepage: http://www.oomph.de

Tracklist:
Live:
Fragment
Träumst du
Unsere Rettung
Keine Luft mehr
Du willst es doch auch
Fieber
Wenn du weinst
Die Schlinge
Sußpernova
Sex hat keine Macht
Mitten in Herz
Das letzte Streichholz
Dein Feuer
Das weisse Licht
Mein Schatz
Dein Weg
Gekreuzigt
Niemand
Augen auf!
Brennende Liebe
Gott ist ein Popstar
Menschsein
Burn Your Eyes

Videos:
Träumst du (feat. Marta Jandova)
The Power Of Love
Gekreuzigt 2006
Die Schlinge (feat. Apocalyptica)
Das letzte Streichholz
Gott ist ein Popstar
God Is A Popstar
Sex hat keine Macht
Brennende Augen (feat. L´Âme Immortelle)
Augen auf!
Niemand
Supernova
Fieber (feat. Nina Hagen)
Das Weisse Licht
Gekreuzigt

Making-of

Interviews