FLUCH DER KARIBIK 3: Am Ende der Welt [Filmkritik]

FLUCH DER KARIBIK 3: Am Ende der Welt [Filmkritik]

Irgendwo ist es nachvollziehbar, wenn die ältere Kinogeneration nicht so recht warm wird mit diesem Jack Sparrow, seines Zeichens Pirat, Kapitän der Black Pearl und Held der Disney-Saga „Pirates Of The Caribbean“. Zu weich, zu linkisch, zu tuntig scheint dieser Johnny Depp, als dass er ein Publikum ernsthaft beeindrucken könnte, das mit Errol Flynn und Burt Lancaster über die sieben Weltmeere gesegelt ist.

Doch ähnlich, wie Depp schon 1995 in Jim Jarmuschs „Dead Man“ dem klassischen Western eine neue, höchst eigenwillige Sichtweise abtrotzte, schaffte es 2003 auch der erste Teil von „Fluch der Karibik“, dem Piratenfilm-Genre frischen Wind einzuhauchen. Wobei das weniger der soliden Regie von Gore Verbinski zu verdanken war als Johnny Depp selbst, der seine Sichtweise der Heldenfigur erst gegen die mächtigen Disney-Studiobosse durchboxen musste. Mit Erfolg: Sparrow ist längst eine neue Leinwand-Ikone, der sich jetzt im dritten Teil noch exzentrischer, noch abgedrehter und zwischendrin schon fast psychedelisch („Jetzt werden wir schon von einem Stein verfolgt – das hatten wir auch noch nie!“) präsentiert, den Film aber dennoch nie zu seinem Solostück umfunktioniert. Im Gegenteil: Depp macht sich rar. Taucht erst nach einer guten halben Stunde zum ersten Mal auf und hält sich auch den Rest des Reigens über sehr im Hintergrund.

Aber Gott sei Dank ist ja sonst jede Menge geboten, wird zum Abschluss der Trilogie noch mal das volle Programm aufgefahren. Teil 2 (2006) war nix, beschränkte sich darauf, die Geschichte des ersten Films selbstverliebt noch einmal zu erzählen. Doch mit Teil 3 „Am Ende der Welt“ wird die Fangemeinde nun final versöhnt. Und: Der Kreis schließt sich.

Von einem gigantischen Kranken verschlungen findet sich Sparrow im Jenseits wieder. Derweil machen sich Will Turner (Orlando Bloom) und Elizabeth Swann (Keira Knightley) mit ihrem einstigen Gegenspieler Captain Barbossa (Geoffrey Rush) auf, eine internationale Piratenkonferenz einzuberufen, um Jack zurück ins Leben zu holen. Die verhasste East India Trading Company wiederum hat sich mit dem Fliegenden Holländer Davy Jones (Bill Nighy) zusammengetan und an die Fersen der Helden geklemmt …

Starke Schauspieler, opulente Bilder, wahnwitzige Spezialeffekte, pointierte Gags, blitzsauberes Timing, ein ergreifender Score (Altmeister Hans Zimmer) und schreiend witzige Gastauftritte (ROLLING STONES-Gesichtsruine Keith Richards als Piratenpapa mit Totenkopfring) sorgen für Kurzweil auf Deck. Das ist großes Kino, da kommt keine Flaute auf – trotz satter Überlänge (170 Minuten) und einer reichlich diffusen Handlung, die sich vor allem davon nährt, dass hier jede und jeder eigene Ziele verfolgt und sich die Zweckbündnisse in dieser ewigen Zwangsgemeinschaft quasi im Minutentakt ändern. So geht es mit dem längst lieb gewonnenen Piratenpersonal über das Eismeer, durch die Wüste und über den Rand der Erdenscheibe. Und bei so viel Bewegung bleibt sogar für die obligatorische Lovestory – gerne auch mal Sand im gut geschmierten Action-Getriebe – bemerkenswert wenig Platz.

Das Ergebnis ist ein einziger Bilderrausch: ein kauziger Abenteuertrip mit starkem Fantasy-Einschlag und gepflegtem, familientauglichen Piratengrusel. Oder anders ausgedrückt: Zum Finale noch mal alles richtig gemacht. Mit Verlaub, Herr Kapitän: So macht Popcornkino Spaß!

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.