Omnium Gatherum live in München 2026

OMNIUM GATHERUM, FALLUJAH, IN MOURNING: Konzertbericht – Backstage Halle, München – 20.02.2026

Immer nach vorne blicken: Selbst der kurzfristige Ausfall ihres Sängers kann OMNIUM GATHERUM nicht erschüttern, die auch in München auf ihre langjährige sowie treue Fangemeinde zählen können.

Es steckt eine simple Weisheit im Titel ihres aktuellen Studioalbums: Stets nach vorne blicken, nie zurück. Was „May The Bridges We Burn Light The Way“ (2025) betont vollmundig wiedergibt, entspricht tatsächlich der Philosophie OMNIUM GATHERUMs, die selbst in Ausnahmesituationen nicht den Kopf in den Sand stecken. Ausgerechnet Sänger Jukka Pelkonen musste kurz vor Tourstart seine Teilnahme absagen: Ernsthafte gesundheitliche Gründe machten eine schnelle Behandlung nötig.

Um vor dieser Hiobsbotschaft jedoch nicht gänzlich zu kapitulieren, sorgten die Finnen mit Henry Hämäläinen (SHADE EMPIRE, HALYSIS) für kurzfristigen Ersatz. Glück im Unglück also zumindest für die Fans der Melodic Death Metal-Band, die später noch dem unfreiwillig Zuhausegebliebenen beste Genesungswünsche schicken sollen. Zunächst aber dürfen sich die Münchner:innen in der nicht ausverkauften, doch letztlich ordentlich gefüllten Backstage Halle über ein ungewöhnliches Vorprogramm freuen.

Damit meinen wir weniger die durchaus im melodischen Death Metal beheimateten IN MOURNING, sondern das Quartett aus Übersee: FALLUJAH tanzen mit ihrem modernen wie technischen Progressive Death Metal heute etwas aus der Reihe, können allerdings durchaus eine stattliche Zahl eigener Anhänger hinter sich wissen.


IN MOURNING

In Mourning live in München 2026

Für die Rolle des Anheizers sind IN MOURNING eigentlich völlig überqualifiziert. Das belegten die Schweden bei ihren Auftritten in der Vergangenheit und zuletzt mit ihrem aktuellen Studioalbum „The Immortal“ (2025), dem das Gespann heute etwas über die Hälfte seiner Spielzeit einräumt. Die schlechteste Wahl ist das nicht, schließlich balanciert der Einstieg „Song Of The Cranes“ souverän zwischen Brachialgewalt und Melancholie.

Zugute kommt dem Quartett, das heute von OMNIUM GATHERUM-Bassist Mikko Kivistöt als zusätzlichem Live-Musiker unterstützt wird, der kristallklare Soundmix im Backstage, wodurch selbst die kleinsten Feinheiten der Gitarren zum Vorschein treten. Wunderbar zu hören ist das in den dreistimmigen Leads von „The Sojourner“, das nach der gefühlvollen Ballade „North Star“ umso eindringlicher zum Nackenworkout einlädt.

Ehrlich und aufwühlend: IN MOURNING sind eigentlich viel zu gut für die Anheizer-Rolle

In Mourning live in München 2026

Hier streift dann auch Sänger Tobias Netzel die Kapuze ab, die zuvor nur phasenweise einen Blick auf die aufwühlende Mimik des Musikers gewährt hatte. Der eigentlich gute Klargesang des Gitarristen in letztgenanntem Stück mag vielleicht nicht jeden Ton in absoluter Perfektion treffen, ist aber durch und durch ehrlich und dadurch umso aufwühlender.

Die Intensität schließlich ziehen IN MOURNING zum Ende hin an, als mit „Thornwalker“ Blastbeats und verstärkt progressive Elemente Einzug erhalten, bevor uns das fantastische „Colossus“ über knapp zehn Minuten einen Abschluss epischen Ausmaßes beschert. Das sympathische Grinsen von Drummer Cornelius Althammer sagt im Anschluss alles: Uns geht es nämlich kaum anders.

IN MOURNING Setlist – ca. 40 Min.

1. Song Of The Cranes
2. Silver Crescent
3. North Star
4. The Sojourner
5. Thornwalker
6. Colossus

Fotogalerie: IN MOURNING


FALLUJAH

Fallujah live in München 2026

Gespannt waren wir im Vorfeld, wie FALLUJAH denn nun vom Münchner Publikum aufgenommen würden. Immerhin nehmen die US-Amerikaner stilistisch betrachtet heute die Außenseiterrolle ein. Der hochmoderne, technische Sound des Quartetts ist darüber hinaus eher fordernd als zugänglich konzipiert, was durch die klanglichen Gegebenheiten in der Halle nicht unbedingt leichter wird. Denn obwohl der Mix zunächst clean und transparent aus den Lautsprechern schallt, gewinnen die Tiefen mit zunehmender Spieldauer immer mehr an Dominanz.

Das macht es Neulingen nicht einfach, zumal Lead-Gitarrist Scott Carstairs in Stücken wie „Radiant Ascension“ kaum mit Fingerakrobatik geizt. Dementsprechend dauert es eine Weile, bis das Eis gebrochen scheint: Der von Frontmann Kyle Schaefer in „Amber Gaze“ geforderte Pit bleibt erstmal aus, dafür jedoch fliegen die Haare in den vorderen Reihen umso leidenschaftlicher.

FALLUJAH sind musikalisch fordernd, dank Frontmann Kyle Schaefer aber auch nahbar

Fallujah live in München 2026

Fans und Kenner FALLUJAHs bekommen indes mit Stücken wie „The Obsidian Architect“ oder „Eden’s Lament“ eine repräsentative Auswahl der letzten beiden Studioalben, die durch einige Klassiker à la „Sapphire“ oder das fast schon obligatorische „The Void Alone“ ergänzt werden. Auch die älteren Stücke meistert der sympathische Frontmann ähnlich souverän wie die teils anspruchsvollen Clean-Vocals, die das jüngere Material veredeln.

Wie sehr der eigenwillige Sound FALLUJAHs auch ohne Live-Bassist den Nerv des Münchner Publikums trifft, ist letztlich schwer zu sagen, wobei der kleine Circlepit im abschließenden „Xenotaph“ zumindest ein gutes Indiz sein dürfte. Wir jedenfalls können uns nicht beklagen.

FALLUJAH Setlist – ca. 50 Min.

1. In Stars We Drown
2. Kaleidoscopic Waves
3. Radiant Ascension
4. Amber Gaze
5. Eden’s Lament
6. Labyrinth Of Stone
7. The Obsidian Architect
8. Sapphire
9. The Void Alone
10. Xenotaph

Fotogalerie: FALLUJAH


OMNIUM GATHERUM

Omnium Gatherum live in München 2026

Dass der Headliner erst nach 22 Uhr die Bühne entert, sind wir im Backstage gar nicht gewohnt, wo oftmals noch vor elf Schicht im Schacht ist. Aber es ist ja Wochenende, weshalb uns zumindest der morgendliche Alarmwecker nicht im Nacken sitzt. Ausgeschlafen scheinen OMNIUM GATHERUM indes schon heute: Mit viel Energie und ungezügelter Spielfreude starten die Finnen in den Abend, den sie mit brandneuem Material und Klassikern quasi gleichmäßig füllen.

Meist kredenzt das Quintett das Liedgut im Wechsel: Auf den kraftvollen Opener „The Last Hero“ folgt etwa ein bewährter Hit wie „Gods Go First“. Die Fans bringt man so schnell auf Touren, während die Band selbst keinerlei zusätzliche Motivation benötigt. Vor allem Mastermind Markus Vanhala genießt jede Sekunde auf den Brettern, während er sich und seine Lead-Gitarre routiniert in Szene zu setzen weiß. Dabei posiert der gut gelaunte Musiker nahezu pausenlos für die Fans, für die Fotografen und wohl auch ein bisschen für sich selbst.

Ersatz-Sänger Henri Hämäläinen erweist sich für OMNIUM GATHERUM als Glücksgriff

Omnium Gatherum live in München 2026

Die Freude nehmen wir Vanhala jedenfalls genauso ab wie seinen Kollegen, die eigentlich unablässig den Kontakt zum Publikum suchen oder – so wie Keyboarder Aapo Koivisto – die Mähne kreisen lassen. Wie natürlich fügt sich sogar Toursänger Henry Hämäläinen in dieses Bild: Wüssten wir nicht um seinen Last-Minute-Einsatz, wir hätten ihn ohne Weiteres als langjähriges Bandmitglied abstempeln können.

Dass Hämäläinen eine Handvoll Lenze weniger auf dem Buckel hat als seine Kollegen, ist sofort zu spüren: Fast schon jugendlich scheint der Elan des Frontmann, der pausenlos jede Ecke der Bühne beackert und eine ähnliche Euphorie ausstrahlt, wie es Shouter Fabian Getto seit dessen Einstieg bei EQUILIBRIUM tut. Doch nicht nur die Chemie stimmt, auch stimmlich ist heute alles im Lot: Die harschen Vocals des Sängers sind dem röhrenden Organ Jukka Pelkonens nicht unähnlich, während der Fronter seinen beiden Gitarristen sogar beim Klargesang in Stücken wie „The Darkest City“ oder „Slasher“ unter die Arme greift.

OMNIUM GATHERUM wissen um den Wert ihrer Hits

Omnium Gatherum live in München 2026

Diesen Einsatz wissen die Münchner Anhänger:innen nach Henris offizieller Vorstellung zu würdigen, nur um im gleichen Moment Jukka Pelkonen im Krankenstand beste Genesungswünsche zu senden. Obgleich aus der Ferne positive Energie als das einzige Mittel erscheint, gibt es davon im Backstage immerhin mehr als genug, so dass sich Shouter Henri sogar zu einem klassischen Schenkelklopfer hinreißen lässt: Der folgende Song, sei der unbekannteste – oder „most unknown“ – Song der Band, teilt er mit Blick auf „The Unknowing“ mit.

Treffsicherer als der Witz ist glücklicherweise die Nummer selbst, die an der Seite von Evergreens wie „Frontiers“ oder dem starken „Reckoning“ ihren Teil dazu beiträgt, die Stimmung in der Halle immer weiter anzufachen, bis zu „Skyline“ die Fäuste selbst in den hinteren Reihen noch nach oben schießen.

Authenthisch und stets greifbar: OMNIUM GATHERUM genießen den Austausch mit den Fans

Omnium Gatherum live in München 2026

Die Partylaune transportieren OMNIUM GATHERUM schließlich in den Zugabenblock, wo „New Dynamic“ dafür sorgt, dass Band und Anhängerschaft endgültig zu einer Einheit verschmelzen. Sinnbildlich dafür ist wieder einmal Markus Vanhala, welcher sich während des Solos spontan den aus dem Publikum entgegengereckten Drumstick schnappt, um damit die Saiten anzuschlagen. Die Erkenntnis, dass sein Plektrum vielleicht doch das geeignetere Werkzeug dafür gewesen wäre, kommt mit einem breiten Grinsen im Gesicht des Gitarristen – und dann dem überraschten Blick, als im Tausch für das kurzzeitig entwendete Souvenir nicht etwa der Musiker selbst, sondern der Hals seines Instruments einen Kuss aus dem Publikum geschenkt bekommt.

Nichtsdestotrotz belegt diese Interaktion, wie greifbar und menschlich die Band auch nach so vielen Jahren im Geschäft noch ist. Keine Allüren, keine aufgesetzten Persönlichkeiten, sondern authentische und schnörkellos präsentierte Musik gab es heute in München zu sehen. Viel zu selten für unseren Geschmack, zumal OMNIUM GATHERUM keineswegs in der Vergangenheit feststecken.

OMNIUM GATHERUM richten den Fokus nach vorne

Omnium Gatherum live in München 2026

Den Fokus richten die Finnen weiterhin nach vorne: Das betont der Titel ihres aktuellen Werks „May The Bridges We Burn Light The Way“ (2025). Was die Formation mit diesem Bild jedoch nicht einfängt, ist der Blick nach nebenan, wo an der Seite der fünf Mannen all jene marschieren, welche ihre Musik in den vergangenen drei Jahrzehnten berührt hat. In München – so sieht es jedenfalls heute Abend aus – sind es überwiegend langjährige, doch dafür umso treuere Weggefährten.

OMNIUM GATHERUM Setlist – ca. 80 Min.

1. The Last Hero
2. Gods Go First
3. Slasher
4. The Darkest City
5. Frontiers
6. Walking Ghost Phase
7. The Unknowing
8. My Pain
9. Reckoning
10. Ignite The Flame
11. Skyline
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12. Luoto
13. New Dynamic
14. New World Shadows

Fotogalerie: OMNIUM GATHERUM

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)