MASTODON, DOZER und EXTOL: München, Backstage Club – 23.02.2005

Ein absolut gelungener Konzertabend: Drei Bands unterschiedlichster Stilistik harmonierten wunderbar miteinander, boten viel fürs Geld und sorgten für kurzweilige, anspruchsvolle Unterhaltung.

War der Konzertabend zuvor aus diversen, hier nachzulesenden Gründen, eher verpfuscht, so lagen alle meine Hoffnungen ordentlich umgeblasen zu werden, nun auf diesen drei Bands. Die permanent tourenden, nimmermüden Senkrechtstarter MASTODON, die ihre erste Headliner-Tour durch Europa fuhren, die dreckigen Rockschweine DOZER und die eher progressiven Metaller EXTOL. Neben mir fanden sich auch circa 100 andere, offenherzige Musikfreunde ein, um einen fantastischen Abend zu erleben.

EXTOL

Um

Legten sich trotz Grippe & Co. ins Zeug: EXTOL

Punkt 20:30 Uhr kamen EXTOL aus Oslo auf die Bühne, die es nicht gerade leicht hatten, immerhin kam ihr neues, fantastisches Album Blueprint erst am Tag zuvor in die Läden und davon abgesehen kannten die wenigsten überhaupt diese Band. Dementsprechend verhalten begann die Show, sowohl von seitens der Musiker als auch vom Publikum. Dennoch zog die Musik die Hörer in ihren Bann, dieses Wechselbad der Gefühle, aus ungewöhnlichen und melancholischen Melodien und komplexer Thrash Metal-Härte. Das Material stammte ausschließlich vom neuen Album und verschaffte nicht nur der Band einen Achtungsapplaus, sondern auch so manchen Konzertbesuchern ein Kribbeln im Bauch. Mich überkam bei dem wunderschönen Pearl einfach das Bedürfnis meine Freundin zu knuddeln und auch sonst machte sich eine postive Stimmung bemerkbar. Pech hatten EXTOL dennoch. Erstens war der Club bisher nur spärlich gefüllt, nach einer halben Stunde war schon Schluss und trotz der größten Mühe seitens der Band, die sich trotz Grippe und Co. so richtig ins Zeug legte und ihr komplexes Material makellos darbot, wollte das Publikum nicht mitziehen. Dennoch, um den Bekanntheitsgrad zu erweitern und die Vorfreude auf MASTODON zu erhöhen, war dieser Auftritt genau richtig.

Setlist:

1. Void

2. Soul Deprived

3. Gloriana

4. Another Adam´s Escape

5. Pearl

6. The Things I Found

DOZER
Nach einer kurzen Umbaupause wurde es dreckig. DOZER, die schwedischen Könige des Stoner Rock, bliesen zum Angriff und sorgten für breites Grinsen.

Live
Geht ab wie Schnittchen: DOZERs Tommi

Nicht nur die saftigen Riffs, das derbe Geprügel auf den Drums, die herrlichen blueslastigen Basslinien und der Gesang mit viel Rotz und Seele sorgten für perfekte Unterhaltung, denn viel vom Charme DOZERs ist außerdem auf den fülligen Gitarristen Tommi zurückzuführen. Der Typ geht ab wie Schnittchen, präsentierte sich als totaler Rock and Roller und zeigte mehr Bewegung als so manch sportlicher und dürrer Kollege. Dennoch überzeugten DOZER auch rein musikalisch. Mit dem brandneuem Anchor ging es los, das ideal war, um der mengenmäßig inzwischen ordentlich gewachsenen Audienz zu zeigen wo es lang geht. DOZER sind vielleicht nicht gerade die originellste Band im Wüstenrock-Zirkus, aber nicht viele regieren so wie sie. Nicht ein einziger Besucher stand ohne breitem Grinsen im Gesicht da, als die schwedischen Säue die Bühne zerlegten und nicht ein einziger fühlte sich ob der beiden langen Songs Supersoul und Big Sky Theory gelangweilt, im Gegenteil. Hier bewiesen DOZER, dass sie in der Lage sind psychedelische Einflüsse zu verarbeiten und dabei nicht zu kopflastig zu werden. Wow – was für mächtige 45 Minuten!

Setlist:

1. Anchor

2. Rising

3. Lightyears Ahead

4. Feelgood Formula

5. Supersoul

6. Big Sky Theory

7. NYA

MASTODON
sind wohl eine der tourfreudigsten Bands dieses Planeten und erarbeiten sich langsam aber sicher den verdienten Erfolg.

Live
Sympatisch, aber gleichzeitig extrem diabolisch: MASTODONs Troy

Schön, dass die vier Musiker aus Atlanta auch in München halt machten, um ein für alle Mal zu untermauern warum sie als eine der Bands der Zukunft gehandelt werden. Keine Frage, wer ein Konzeptalbum über Moby Dick schreibt, traut sich was und wer noch dazu den Abend mit einem 14-minütigen Song das Set beginnt, verfügt über das nötige Selbstbewusstsein. Hearts Alive ist aber gerade live ein großartiger Song und um die Meute vor der Bühne auf das, was noch kommen möge vorzuwarnen. Denn nach diesem teilweise sehr ruhigem und psychedelischem Song holten MASTODON den Knüppel aus dem Sack und infizierten ihr Publikum mit großen Riffs, unfassbaren Melodien, hochspannenden Arrangements und Weltklassedrumming. MASTODON kamen, sahen und siegten, rissen das Publikum gnadenlos in ihren Bann und spielten so souverän wie es nur eine Band kann, die enorme Tourerfahrung hat. Gerade Bassist und Sänger Troy Sanders verfügt über eine Ausstrahlung wie sie nur wenige Menschen haben: Sympatisch, aber gleichzeitig extrem diabolisch, spornte er mit seinen Mitstreitern die Menge an, von denen leider nur wenige so richtig abgehen wollten. Dennoch hagelte es frenetischen Applaus auf die Band nieder, die besten Nummern der beiden Alben Remission und Leviathan wie Crusher Destroyer, Mother Puncher, Aqua Dementia, Iron Tusk und natürlich der Hit March of the Fire Ants sorgten für offene Münder. Das lag nicht zuletzt an der Leistung von Schlagzeuger Brann Dailor, der absolut tight und doch verspielt dem anspruchsvollem Songmaterial die richtige Würze mitgab. Nach einer Stunde war der Spuk zwar schon vorbei, doch MASTODON mussten nicht mal die Bühne verlassen, um zur Einsicht zu gelangen, dass eine Zugabe hermusste. Die sympatischen Amis stimmten dann The Bit an, ein MELVINS-Cover, dass wunderschön zeigte, dass man als Metalband nicht nur SLAYER covern kann. Einzig der Sound war bei MASTODON viel zu basslastig, also teilweise sehr matschig und auch viel zu laut. Schade, denn bei den Supportbands passte dies wunderbar. Was solls, in toller Erinnerung wird mir dieser Auftritt allemal bleiben und freudig stimmte auch die Ansage von Troy Sanders, sich bald wiederzusehen. Na dann, bis die Tage!

Live
Untermauerten auch live warum sie als eine der Bands der Zukunft gehandelt werden: MASTODON

Setlist:

1. Hearts Alive

2. I am Ahab

3. Sea Beast

4. Island

5. Crusher Destroyer

6. Megalodon

7. Blood and Thunder

8. Where Strides the Behemoth

9. Mother Puncher

10. Aqua Dementia

11. Iron Tusk

12. March of the Fire Ants

13. Zugabe: The Bit

Ein absolut gelungener Konzertabend: Drei Bands unterschiedlichster Stilistik harmonierten wunderbar miteinander, boten viel fürs Geld und sorgten für kurzweilige, anspruchsvolle Unterhaltung. Noch eine Bitte an MASTODON: Überdenkt mal die Designs eurer Shirts, die waren nämlich unter aller Kanone.

Layout: Uwe