KING DIAMOND: Nürnberg, Hirsch, 07.06.2006

Der King live ist sein Geld wert, das steht absolut fest. Schade, aber vielleicht auch gut, dass sich so wenige Gelegenheiten ergeben, einmal im Leben sollte man den King als echter Metalhead aber auf jeden Fall live gesehen haben.

Wenn der König in die Stadt kommt sollte man eigentlich erwarten, dass die roten Teppiche ausgerollt werden und der Hofstaat sich in Ehrfurcht versammelt. Bei unserem Metal-Kini hat sich der Wind allerdings offensichtlich etwas gedreht. Zunächst dauerte es recht lange, bis KING DIAMOND in Deutschland ein paar wenige Hallen für die Europatour buchen konnten, und so wie man mitbekommen hat, verlief der Kartenvorverkauf in Nürnberg leider auch nur schleppend. An diesem Mittwoch-Abend hat dann letztendlich doch eine gute Schar im Nürnberger Hirsch zusammengefunden, die, wie man später feststellen konnte, auch ordentlich Lärm zu machen im Stande war, von einem Ausverkauf war man dennoch weit entfernt.

Selbst Schuld, kann man da nur sagen, denn wer nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst: der King in großartiger Konstitution, eine hochmotivierte und versierte Begleitband, eine grandiose Show und eine Top-Songauswahl.
Insgesamt hat der King zwar einige seiner Alben vollkommen außen vorgelassen, oder vorlassen müssen, dennoch war dieser Auftritt gespickt mit Hits, die jeweils in Blöcke aufgeteilt wurden. Und so gehörte der erste Teil der Show ausschließlich seiner bezaubernden Abigail, komplett hinter einer Umzäunung vorgetragen. Funeral führte in die Show ein, der King betrat die Bühne und schlüpfte sofort in die verschiedenen Rollen seiner Geschichte. Postwendend war eine fantastische Stimmung da, das Publikum machte richtig mit und die Musiker gingen voll nach vorne los. Vor allem Hal Patino wirkte hinter den Gittern manchmal fast schon wie ein wildes Tier, das nur auf den rechten Zeitpunkt wartete, auszubrechen. Arrival und Mansion in Darkness waren die ersten richtigen Songs und King Diamond zeigte sich wirklich in hervorragender stimmlicher Verfassung. Nichtsdestotrotz lag er vor allem bei den höheren Passagen gegen später auch mal ordentlich neben der Spur, aber das tat der Begeisterung keinen Abbruch. Immer mehr Showelemente kamen zum Einsatz und neben dem King agierte immer öfters eine Tänzerin auf der Bühne, die an diesem Abend wesentliches Element der Bühnenshow sein sollte. So konnten wir durch sie zunächst Zeuge der Geburt von Abigail werden, bevor sie mit Mansion in Sorrow von Abigail 2 ihre Widergeburt in Lebensgröße feiern durfte. Erst mit dem Outro Sorry Dear und somit dem Abschluss des Abigail-Teils wurden die Zaunattrappen von der Bühne genommen und das Publikum hatte freie Sicht auf die Band.
Mit Come to the Sabbath stiegen KING DIAMOND mit einem MERCYFUL FATE-Song in den zweiten Teil des Sets ein, um mit Eye of the Witch zurück zum eigenen Material zu kehren und den einzigen Song des grandiosen The Eye-Albums zum Besten zu geben. Oh Mann, an diesem Abend wurde man sich einmal mehr darüber bewusst, was für geniale Musik durch KING DIAMOND bereits entstanden ist. Diese vielen Wendungen, die die Songs erst so richtig überragend machen, diese filigranen Gitarrenteile und Bassläufe, diese hervorragende Stimmung. Das sind echte Göttergaben und dass King Diamond auch heute noch musikalisch etwas zu sagen hat, ohne sich modernen Strömungen anzubiedern, und nicht auf Ewig hinter seinen alten Glanztaten her laufen muss, wurde auch gleich mit The Puppet Master bewiesen. Zu den Klängen von Blood to Walk kam erneut die Tänzerin auf die Bühne, diesmal in knappem Kleidchen und mit Maske auf dem Gesicht. Einst war sie meine Lieblingsmarionette, weiß der King zu berichten, während sie regungslos in zusammengefallener Körperhaltung auf der Bühne sitzt, bis der King sie zum Leben erweckt und sie mit staksigen Bewegungen über die Bühne tanzt. Richtig ergreifend war natürlich auch das Duett zwischen dem King und Livia Zita, die als Backgroundsängerin über den gesamten Zeitraum der Show hinweg neben der Bühne stand, während der King mit seiner maskierten Tänzerin ein ergreifendes So Sad zelebrierte. Conspiracy stand als nächstes auf dem Programm, von dem man erneut leider nur einen Song, Sleepless Nights – was sonst -, zu hören bekam, welcher aber ebenfalls vor allem durch den grandiosen Mittelteil für Gänsehaut sorgte. Mit Welcome Home kehrte man in der Geschichte zu den Anfängen von Them zurück, bei dem natürlich die Oma im Rollstuhl nicht fehlen durfte, die sich vom King so einiges gefallen lassen musste, aber auch ordentlich gegen das Publikum zickte. Herrlich! Ja und damit verabschiedete sich der King auch schon von der Bühne und man wollte es gar nicht wahr haben, dass man schon zum Ende dieses famosen Auftritts kam.

Laut erschallten die Diamond-Chöre im Nürnberger Hirsch und die Rückkehr des King wurde begeistert beklatscht. Wie man das von ihm gewohnt ist, bedankte er sich von ganzem Herzen bei seinem Publikum und brachte überdeutlich zum Ausdruck, wie viel ihm die Anerkennung bedeutet. Und dann folgte mit The Invisible Guests der zweite Song vom Them-Album, um danach mit Halloween nochmal ganz tief ins Archiv zu greifen und einen der ganz großen DIAMOND-Hits ins Publikum zu schmettern.

Erfreulicherweise ließ sich der King danach einmal mehr zu einer Zugabe breitschlagen, allerdings forderte er hierbei das Publikum zugleich auf, entsprechend beim Gesang mitzumachen. Und tatsächlich teilte er die Vocals zu Evil schön zur Hälfte zwischen Publikum und ihm selbst auf und KING DIAMOND lieferten eine göttliche Version des MERCYFUL FATE-Klassikers. Hammergut. Es hätte wirklich noch Stunden so weiter gehen können, aber leider war damit dann auch tatsächlich Schluss für diesen Abend.

Der King live ist sein Geld wert, das steht absolut fest. Schade, aber vielleicht auch gut, dass sich so wenige Gelegenheiten ergeben, einmal im Leben sollte man den King als echter Metalhead aber auf jeden Fall live gesehen haben.