VREID: Es geht weder um Farben noch um die Menstruation

VREID: Es geht weder um Farben noch um die Menstruation

VREID überzeugten vor zwei Jahren mit dem Debüt Kraft. Dieses Jahr zeigte das norwegische Quartett mit Pitch Black Brigade, dass die Band keine Eintagsfliege ist. Nachdem Bassist Hvàll bereits zu Kraft interviewt worden war, war es an der Zeit, den E-Mail-Kontakt mit Gitarrist Ese zu suchen, um mehr über den aktuellen Output zu erfahren.

Pitch Black Brigade hat mich positiv überrascht. Ihr habt weder ein zweites Kraft geschaffen, noch habt ihr all die gute Atmosphäre des Debüts über Bord gekippt. Wie seid ihr allgemein mit den Pressereaktionen auf euer neues Werk zufrieden?

Bis jetzt waren die Reaktionen sehr gut. Wir sind sehr zufrieden mit Pitch Black Brigade und natürlich froh, dass andere diese Meinung teilen.

War der Songwriting-Prozess für das neue Album anders als beim Vorgängerwerk?

Meiner Ansicht nach war er sehr ähnlich. Natürlich wurde Pitch Black Brigade in einer kürzeren Zeitspanne geschrieben, das ist ein Unterschied. Dieses Mal hat Hvàll außerdem jeden Song geschrieben, außer Our Battle, dieses Lied stammt von mir.

Standet ihr unter Druck beim Songwriting aufgrund des erfolgreichen Kraft und der gelungenen Tour mit ENSLAVED?

Extreme Musik zu schreiben hat sehr viel mit Gefühlen zu tun. Für mich persönlich kann ein bisschen Druck schon eine positive Sache sein. Es hilft einem, selbstkritischer gegenüber den eigenen Kompositionen zu sein und ein klares Ziel zu haben. Ich kann hier natürlich nur für mich sprechen und nicht für Hvàll.

Viel Zeit habt ihr euch ja nicht genommen. Wurden einige der Songs für euer aktuelles Album bereits während eurer Tour geschrieben?

Our Battle hatte ich bereits vor der Tour geschrieben. Die restlichen Songs für das neue Album hat Hvàll nach der Tour geschrieben.

Vreid
Es geht im Song um Wut, Visionen und den Willen, zu gewinnen – Ese zu seinem Song Our Battle

Ihr habt ja wiederum einige coole Synth-Melodien auf dem neuen Werk integriert, etwa in Hengebjørki und Eit Kapitell For Seg Sjølv. Wurden diese Passagen von eurem Gastmusiker Buene komponiert und gespielt? Wenn ich mir seinen Namen so anschaue – steht Buene in Verbindung mit der Formation VED BUENS ENDE? Und wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Buene kommt aus dem gleichen Dorf wie ich. Es heißt Leikanger und liegt zwei Meilen von Sogndal entfernt. Er ist ein sehr talentierter Musiker und hat das Album Spinning Plasma mit seinem Techno/Trance-Projekt E-HEAD veröffentlicht. 2004 hat er für das WINDIR-Abschiedsalbum Valfar, ein Windir eine Coverversion von Mørkets Fyrste (vom WINDIR-Debüt Sóknardalr) beigesteuert.
Wir haben Buene einfach die Akkorde für den Song mitgeteilt und Hvàll hat ihm gesagt, was ihm für den Song vorschwebt. Dann hat Buene ein Weilchen daran gearbeitet, den Passagen seine eigene Handschrift und seinen Sound verpasst und wir waren begeistert, als wir das Resultat hörten. Es war einfach unglaublich! Mit VED BUENS ENDE hat Buene trotz seines Namens allerdings nichts zu tun.

Ihr habt das neue Album ja in eurem Studio 1184 aufgenommen. Worin seht ihr die größten Vorteile eines eigenen Studios für die Aufnahmen von VREID? Gibt es hierbei auch Nachteile?

Ich muss sagen, ich kann keine Nachteile erkennen in der Arbeit im eigenen Studio oder im Studio 1184. Hvàlls Studio 1184 ist kein Heimstudio, sondern eine professionelle Aufnahmemöglichkeit. Wenn wir dort arbeiten, haben wir die absolute Kontrolle über den Sound und die Produktionsbedingungen – und natürlich haben wir viel mehr Zeit. So wird der Aufnahmeprozess entspannend statt Stress.

Du hast vorhin erwähnt, dass das Studio 1184 ein professionelles sei. Ich nehme an, dass es dann auch anderen Bands zur Verfügung steht. Sind es vor allem Metalbands, die für die Aufnahmen dorthin kommen?

Bis jetzt habe ich mich als Tontechniker um die Demos von ULVHEDNER und COR SCORPII gekümmert – zusammen mit den Bands. Auch das Abmischen und Editieren der WINDIR-DVD lag in meinen Händen. Das Studio eröffnet uns die Möglichkeit, noch mehr mit Musik zu arbeiten. Diesen Mai werden ULVHEDNER ins Studio kommen, um ihr Debüt-Album aufzunehmen. Darauf freue ich mich schon. Bis jetzt haben wir nur Metalbands betreut, aber das Studio 1184 steht natürlich auch anderen Genres offen. Wir würden gerne auch andere Arten von Musik dort aufnehmen.

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Die pechschwarze Brigade, die dem Album das Leben einhaucht – VREID

Das klingt nach viel Arbeit – könnt ihr schon von der Musik allein leben?

Nein, das nicht. Jedes Mitglied von VREID hat einen regulären Job neben der Musik.

Kommen wir auf euer aktuelles Werk zurück. Mich hat der Titel Pitch Black Brigade etwas überrascht, weil eine militärische Assoziation mitschwingt (so wie bei MARDUKs Panzer Division Marduk). Gleichzeitig erinnert mich der Titel an den Sci-Fi Film Pitch Black. Wie seid ihr auf den Titel gekommen und was hat euch dazu inspiriert?

Die militärische Assoziation ist korrekt und gewollt. Viele der Songtexte handeln von Krieg und Hass, ihr Fokus liegt auf dem letzten Jahrhundert. Das Album brauchte eine Brigade, um es lebendig zu machen. Eine pechschwarze Brigade.

Seid ihr allgemein an militärischen Themen interessiert? Spielen nur Geschehnisse aus vergangenen Jahrhunderten eine Rolle oder beeinflusst euch die Tagespolitik ebenfalls beim Schreiben eurer Texte?

Wir interessieren uns sehr für Geschichte, vor allem Kriegsgeschichte. Hvàll schreibt die meisten Lyrics, aber ich denke nicht, dass ich falsch liege, wenn ich sage, dass die Vergangenheit ihn am meisten inspiriert zu seinen Texten.

Du hast ja den Song Our battle geschrieben. Geht es darin um dich bzw. VREID oder um ein anderes lyrisches Ich?

Für mich hat Our battle eine allgemeine Ausrichtung, aber es könnte genauso gut über uns selbst sein. Es geht im Song um Wut, Visionen und den Willen, zu gewinnen – in einem kriegerischen Kontext.

Einen eurer Titel fand ich speziell bizarr: The Red Smell. Um was geht es da? Befasst ihr euch mit Farbenlehre, da der Song gleich nach dem Pitch Black Brigade-Titelsong kommt? Das kann nicht wirklich sein, oder?

Hehehe. Also ich kann dir versichern, es geht weder um die weibliche Menstruation noch um Farben. Ich glaube, es geht einfach nur um Blut.

Texte über die Menstruation von einer Black Metal-Band wären wohl auch mehr als merkwürdig. Zurück zu einem seriösen Thema: Ihr habt für den Titelsong ja auch einen Videoclip gedreht. Wie kam es dazu? Und – da ich den Videoclip auf MTViva noch nicht gesehen habe – was passiert darin?

Im Videoclip sieht man uns im Studio 1184 Musik machen. Dazu kommen einige Filmausschnitte vom Zweiten Weltkrieg. Diese zeigen einen Luftangriff auf Sogn og Fjordane. Wir haben den Videoclip selber editiert und produziert und sind mit dem Resultat mehr als zufrieden. Auf unserer Website kann man den Clip auch herunterladen.

Der militärische Themenkreis beschränkt sich bei euch ja nicht auf die Lyrics und den Videoclip, sondern zeigt sich auch im Coverdesign. Ist dieses Patch Teil des offiziellen VREID Merchandise?

Ja. Dieses Patch ist auf jedem einzelnen Merchandise-Artikel drauf, der in Verbindung zum aktuellen Album steht. Du kannst das Patch als Patch kriegen, hehe.

Allerdings ist hinter dem Patch auch noch ein eisiger Fjord zu sehen, den man wohl leider nicht kaufen kann. Wo habt ihr dieses Foto aufgenommen und wer ist für das ganze Artwork verantwortlich?

Es ist ein Foto aus dem Zweiten Weltkrieg. Unser Sänger Sture hat das Coverdesign gemacht und Per Christian Grov hat die Bilder für uns editiert. Es ist kein hochstehend künstlerisches oder edles Cover, sondern einfach direkt und präzis – so wie ein guter Werbeslogan.

Ihr habt ja nach Kraft den Song As eternity opens für einen IMMORTAL-Tribute-Sampler beigesteuert. Hvàll hat mir im letzten Interview erzählt, dass IMMORTAL für ihn ein musikalischer Einfluss sei. In letzter Zeit gab es ja auch Gerüchte über eine Wiedervereinigung – was denkst du darüber?

Vreid
Du kannst das Patch als Patch kaufen – die Patchmanie greift nicht nur beim aktuellen Album-Cover um sich.

IMMORTAL ist auch eine meiner Lieblingsbands und ich würde sie wahnsinnig gerne wieder live sehen. Meiner Meinung nach eine der besten Live-Bands, die ich je gesehen habe. Zurzeit freue ich mich aber auf I, das Soloprojekt von Abbath (IMMORTAL).

Nach eurem Debüt seid ihr mit ENSLAVED durch Europa getourt. Gab es einen spezifischen Konzertmoment, der besonders erinnerungswürdig ist für dich? Und gab es irgendwelche merkwürdige Dinge, die auf dieser Tour geschehen sind?

Die Tour mit ENSLAVED war auf jeden Fall ein Erfolg. Meine persönlichen Highlights waren die Auftritte in Paris und London. Es war auch sehr unterhaltsam und lustig, mit ENSLAVED zu reisen, da wir sehr gut miteinander auskamen. Für mich persönlich war die Tour sehr speziell, da es meine ersten Auftritte außerhalb Norwegens waren.
Zum Merkwürdigen: Wir haben einen eigenen bizarren Sport namens Treseg entwickelt während der Tour. Bei Treseg geht es um Kreativität, die eigene Segness (eine Übersetzung dieses Wortes liegt nicht vor, eine Schilderung der Aktivität findet sich im Return to Yggdrasill – Live in Bergen-Review – die Verf.) in drei einfachen Schritten zu demonstrieren.

Treseg dürfte wohl die Erklärung für die komischen Bewegungen von euch auf der ENSLAVED-DVD Return to Yggdrasill – Live in Bergen sein. Letzthin habe ich auf euren Live-Plänen eine neue Tour mit ihnen und KHOLD für das Jahr 2006 gesehen. Allerdings liegen KHOLD seit dem INFERNO FESTIVAL auf Eis…

Ich erinnere mich daran, wie wir am Ende der Kraft-Tour mit ENSLAVED darüber gesprochen haben. Da wir zwei Bands so gut miteinander ausgekommen sind und viele Leute uns offenbar zusammen an den Shows sehen wollten, dachten wir uns, dass wir das wiederholen sollten. Allerdings liegt es nicht nur an uns, eine solche Tour zu entscheiden. Da KHOLD derzeit auf Eis liegen, wird es wohl so sein, dass nur wir mit ENSLAVED zusammen im September auf Tour gehen. Auf unserer Website wird es regelmäßig Updates dazu geben.

Kommen wir zur letzten Frage: Wie sieht es aus mit einer Konzert-Tour außerhalb Europas?

Wir hoffen, dass das einmal möglich sein wird. Aber bis jetzt gibt es dazu noch keine Pläne.

Bilder: www.vreid.no