SUBSTYLE: Tobias über dumme Autofahrer, Gute und schlechte Zeiten und natürlich FAITH NO MORE

Wusste ich vor einigen Wochen noch nicht, ob ich 10 wirkliche Topalben für den alljährlichen Vampsterabschlusspoll zusammen bekomme, so hat sich dieses Problem innerhalb von ein paar Tagen fast gelöst. Erst beweist der SLIPKNOT-Sänger, dass er nicht nur brüllen kann und veröffentlicht mit STONE SOUR ein erstklassiges Album. Dann zeigen auch die Jungs von DISTURBED, dass „The Sickness“ keine Eintagsfliege war, aber die größte Überraschung sollte wohl aus deutschen Landen kommen: SUBSTYLE, die mit ihrem Debüt schon ein Ausrufezeichen setzen konnten, liefern mit „Out To Lunch“ ein Werk ab, welches sich seit Wochen bei mir in Dauerrotation befindet. Frischer Nu-Rock, irgendwo zwischen FAITH NO MORE und den FARMER BOYS, elf Spitzensongs, von denen jeder einzeln betrachtet ein kleiner Hit ist. Grund genug also mit Keyboarder und Geiger Tobias ein Gespräch zu führen.

Wusste ich vor einigen Wochen noch nicht, ob ich 10 wirkliche Topalben für den alljährlichen Vampsterabschlusspoll zusammen bekomme, so hat sich dieses Problem innerhalb von ein paar Tagen fast gelöst. Erst beweist der SLIPKNOT-Sänger, dass er nicht nur brüllen kann und veröffentlicht mit STONE SOUR ein erstklassiges Album. Dann zeigen auch die Jungs von DISTURBED, dass „The Sickness“ keine Eintagsfliege war, aber die größte Überraschung sollte wohl aus deutschen Landen kommen: SUBSTYLE, die mit ihrem Debüt schon ein Ausrufezeichen setzen konnten, liefern mit „Out To Lunch“ ein Werk ab, welches sich seit Wochen bei mir in Dauerrotation befindet. Frischer Nu-Rock, irgendwo zwischen FAITH NO MORE und den FARMER BOYS, elf Spitzensongs, von denen jeder einzeln betrachtet ein kleiner Hit ist. Grund genug also mit Keyboarder und Geiger Tobias ein Gespräch zu führen.

Seit einigen Wochen ist Eure neue Scheibe in den Läden. Erzähl mal unseren Lesern alles Wesentliche darüber.

Wir sind wirklich sehr happy damit. Wir haben auch gemerkt, dass mehr dahintersteht als beim Debüt, v.a. auch finanziell. Wir konnten uns so das Doppelte an Studiozeit leisten. Wir gehen zwar mit fertigen Songs ins Studio, hatten aber diesmal dann genügend Zeit dort unseren Sound zu verfeinern. Obwohl speziell ich da ein Perfektionist und eigentlich nie richtig zufrieden bin. Die ersten Resonanzen waren total positiv. Das war zwar auch schon beim Debüt der Fall, aber da wurden wir noch zu sehr in die FAITH NO MORE-Ecke gedrängt. Wir mussten auch wahnsinnig viele Interviews geben. Ich habe bisher nur ein schwächeres Review von der Scheibe gelesen und das macht uns schon stolz.

Wie lange wart ihr dann im Studio und wie kam der Kontakt mit Eurer neuen, doch recht bekannten Plattenfirma Motor zustande?

Wir waren 8 Wochen im Studio und danach noch mal zum Mixen. Unser Debüt und auch unsere Liveauftritte mit IN EXTREMO haben wohl einigen Leuten ganz gut gefallen. Unser Manager suchte nach einem neuen Deal für uns und Motor hat dann das Rennen gemacht. Wir dachten uns auch, dass das gut passt, denn die Bands, die bei denen unter Vertrag sind, passen zu uns und auch von der Betreuung ist es optimal. Nicht so wie man es von den großen Majorfirmen kennt. Motor ist wie eine kleine Familie, überschaubar und man hat seine festen Ansprechpartner.

Ihr habt im Sommer, einige Wochen vor dem Release eures Longplayers, eine EP veröffentlicht. Hat sich dies im Enddefekt rentiert, es ist ja keine gängige Praxis mehr heutzutage.

Auf lange Sicht denke ich schon. Wir haben dies nicht aus finanziellen Interesse gemacht, sondern hatten vielmehr Songs übrig, die nicht so auf das Albumkonzept gepasst haben und wollten auch die Wartezeit überbrücken. Des weiteren gibt es die EP auch noch als Vinyl.

Die zwei Songs die auf der EP sind, haben ja den Weg auf „Out To Lunch“ nicht gefunden, obwohl sie meines Erachtens auch sehr gelungen sind. Werden die noch mal veröffentlicht?

Nein, denk ich nicht. Die Songs sind veröffentlicht und wer sie haben will soll sie kaufen. Ich finde diese Maxis oder die Singles mit den ganzen Remixes braucht doch kein Schwein und so was wollten wir auf keinen Fall machen. Das ist nichts anderes als Fanverarsche und wer sich von uns die Maxi kauft, bekommt noch 2 bisher unveröffentlichte Songs dazu.

Zwischen der Veröffentlichung der EP und des Longplayers habt ihr drei Auftritte bei grossen Summer-Open-Airs gespielt. Deine Erinnerungen daran.

With-Full-Force war halt vom Zeitpunkt irgendwie blöd. Wir kamen auf die Bühne als die Leute reingekommen sind. Das war schon kacke, aber letztendlich war der Gig ok. Taubertal war supergut. Da spielten wir im Zelt, haben aber schon die Zusage für das nächste Jahr auf der großen Bühne spielen zu dürfen. Das Zelt war total voll, da parallel zu uns nichts spielte, was unsere Fans irgendwie interessiert hat. Wir erreichten dort auch viele Leute die uns noch nicht kannten. Das Summer Breeze war auch supergeil, nur leider habe ich dort clevererweise im Dunkeln meine Geige liegen lassen und merkte dies erst am nächsten Tag in Österreich. Das war nicht ganz so toll, denn ich musste dann den Auftritt nur mit Keyboard bestreiten.

In Hamburg und Oberhausen durftet Ihr für MOTÖRHEAD eröffnen. Wie wurdet Ihr von dem doch nicht gerade als „open-minded“ bekannten Publikum empfangen?

Wir dachten wenn wir nicht beschmissen werden, war es ein super Gig. Wir rechneten mit Ausbuhen und Leuten, die uns den Rücken zukehren. Aber dem war nicht so. Die Leute haben applaudiert und sind ganz gut mitgegangen. Das war total überraschend für uns. MOTÖRHEAD selbst waren auch sehr nett. Klar, Lemmy war nicht viel da – Soundcheck und wieder weg. Aber die anderen waren super nett.

Die Setlist habt ihr aber für diesen Gig schon geändert. Einen Song wie „Cotton Candy Club“ lässt man dann doch lieber außen vor, oder?

Ja, haha. Wir hatten ja nur eine halbe Stunde Zeit und spielten also wirklich nur die Sachen die nach vorne gehen.

Eigentlich sollte ich ja das Interview mit euren Sänger Guido oder Heiwi führen. Kannst Du aber auch trotzdem was zu den Texten sagen?

Ja schon. Ich lese ja unsere Interviews, haha. Doch ich denke schon, was willst Du wissen?

„I am God And This Is My Day“ ist irgendwie ein verdammt cooler Songtitel und ich möchte wissen was hinter dieser Message steckt.

Etwas ganz banales. Du kennst bestimmt diese Schrottsendungen auf RTL 2 wie z.B. „die dümmsten Tiere der Welt“ oder „die schlechtesten Autofahrer Deutschlands“ usw. Da sah Guido einen Amokläufer in Amerika – die Sendung hieß glaub ich „die dümmsten Verbrecher der Welt“ – der stundenlang von Polizisten verfolgt wurde und als man ihn gestellt hat, waren natürlich fünf Kameras auf ihn gerichtet und das einzige was er dann sagte war „I am God And This Is My Day“. Diese Message fanden wir irgendwo total geil, da es zum einen auch leider Leute gibt die so denken. Andererseits ist das auch eine gute Möglichkeit einen Tag zu beginnen.

Und was ist bitte schön der „Cotton Candy Club“?

Das kann ich dir auch erzählen. Dem Guido seine Freundin sieht ständig Beverly Hills und diese ganzen Schrottsendungen. Es geht im Prinzip um diese oberflächlichen Societyleute, die sich Silikon in die Brüste einsetzen lassen und nur auf Trends achten. Dieses ganze showmäßige Gehabe, welches immer mehr auch bei uns in Deutschland verbreitet wird, nervt uns halt und das ist eine Kritik an dieser Lebenseinstellung.

Dieses Lied ist ja doch etwas ungewöhnlich mit Finger schnippen und so. Wessen Idee war das oder wie ist der Song entstanden?

Das war eine Idee, die uns erst im Studio gekommen ist. Der Song hatte vorher schon Bläser und der Rhythmus gefiel uns so gut und das Finger schnippen hat sich irgendwie richtig angeboten. Also 3 Mann, inklusive Produzent in die Aufnahmekabine und mit den Fingern geschnippt. War ne lustige Sache.

Die ständigen FAITH NO MORE-Vergleiche, die man in fast jedem Review von Euch liest, nerven die Euch oder steht ihr da über den Dingen?

Kommt halt drauf an wie es die Leute rüberbringen. NICKELBACK oder PUDDLE OF MUD klingen für mich auch wie ALICE IN CHAINS. Und wenn die Leute das als Vorwurf bringen nervt mich das. Der Vergleich an sich ist super. Ich hatte auch mal das Glück auf der Popkomm Billy Gould kennen zulernen und das war schon ein Riesenerlebnis für mich. Guido klingt halt nun mal wie Mike Patton. Wie gesagt, wenn jemand bei einem Review von uns nur von FAITH NO MORE schreibt dann nervt das. Aber was sollen wir machen? Guido rauswerfen und ne Frau einstellen? Dann sagt jeder die klingt wie die Nasic von GUANO APES, haha. Sicherlich sind wir vom gesamten Songwriting einwenig ähnlich. Harte Grooves vermischt mit Pop.

Ihr wart ja schon mit vielen Bands unterwegs. Gab es da schon welche, die Euch als Vorband richtig mies behandelt haben oder war es immer o.k.?

IN EXTREMO war der Hammer, obwohl wir anfangs etwas „Angst“ vor der Tour hatten. Aber wir wurden immer richtig gut aufgenommen. EMIL BULLS sind mittlerweile mit unsere besten Kumpels. Mit PYOGENESIS waren wir früher unterwegs, das war auch nett. DIE HAPPY war o.k. Wir können uns da wirklich nie beschweren.

Jetzt wagt ihr im Herbst eine eigene Headlinertour. Auf Eurer Homepage stehen schon ca. 25 Gigs. Ist dies eigentliche eine richtige Tour oder mehr Einzelgigs, bzw. kommen noch mehr Auftritte dazu?

Ursprünglich war es als Tour geplant, wir wollten uns aber immer die Möglichkeit irgendwo als Support unterzukommen offen halten. Leider wurde daraus bis jetzt noch nichts. Jetzt werden halt die Konzerte gebucht. Bis Dezember sind es jetzt schon 30 Stück. Also, eigentlich ist es eine Tour, irgendwie aber auch nicht, haha.

Ihr geht aber schon noch einen geregelten Job nach, oder?

Wir leben noch nicht 100% von der Musik. Deshalb haben wir alle noch einen geregelten Job, der allerdings nur zweite Priorität hat. Die sind alle so angelegt, das wir von heute auf morgen auf Tour fahren könnten.

Falls es aber keine CD-Brenner geben würde, könntet ihr dann vielleicht von der Musik leben?

Meiner Meinung nach mit Sicherheit. Vielleicht noch nicht jetzt, aber auf alle Fälle viel früher. Du hast bestimmt unseren Spruch „Don`t burn it, buy it“ auf unserer Homepage gelesen. Ich versteh schon die Leute die sich mal ne CD brennen, ich habe ja selbst einen. Ich habe aber keine Flatrate und hole mir für 1000 Mark (er hat wirklich Mark gesagt…der Verf.) Musik auf die Platte. Das regt mich auf. Jeder hat heutzutage einen Brenner und einen Scanner und besitzt dann fast das Produkt so wie es im Laden steht. Ich wünsche mir halt, dass die Plattenindustrie und der Handel da mal reagieren. Traurig ist halt auch, dass nur die Kleinen darunter leiden. Ein Mick Jagger leidet unter der Brennerei nicht. Das Problem ist auch, dass die Leute ein trashiges und mülliges Bild von Musik haben. Schau dir mal die Charts an. Da ist doch auch alles recycled und die ehrlichen Bands, die ihre Songs selbst schreiben, leiden darunter. Aber zurück zum Problem der Brennerei. Total krass fand ich, dass meine Eltern letztes Jahr gebrannte CD`s zu Weihnachten verschenkt haben. Da habe ich schon gemerkt, dass etwas schief läuft.

Im Herbst geht ihr ja auf Tour. Denkt ihr der Zuspruch der Leute ist ausreichend, wenn ich bedenke, wer alles im Herbst in Deutschland unterwegs ist.

Wir freuen uns auf jeden Gig und grundsätzlich ist es uns erst mal egal vor wie viel Leuten wir spielen. Es ist unsere erste eigene Headlinertour und wenn ab und zu mal 200 Fans kommen, dann ist das schon o.k.. Aber klar, wir müssen da erst mal realistisch sein und rechnen bestimmt nicht mit ausverkauften Häusern. Wir wollen den gleichen Weg wie DIE HAPPY gehen und ständig on the road sein. In manchen Hallen spielen wir jetzt auch schon zum zweiten- oder drittenmal.

Es gibt aber noch eine Möglichkeit Euren Bekanntheitsgrad schnell zu steigern, wenn ihr wie SUB7EVEN Euch einfach mal eine „Daily-Soap“ aussucht und da mitspielt. Ist oder wäre das ein Thema für Euch?

Ähhh, wir haben da ehrlichgesagt schon ein Angebot bekommen. Es ist noch nicht entschieden ob wir es machen oder nicht. Das Angebot kam von „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“. Wir sind uns aber selbst noch nicht sicher ob uns ein Auftritt dort schadet oder nutzt.

Man kann aber auch in eine „Daily-Soap“ oder Talkshow gehen und dort eine gute Aussage machen.

Wenn Ihr einen Song spielt ist es ja o.k., wenn ihr aber wie SUB7EVEN schon Bier zum Frühstück trinkt, dann wird es halt doch eher peinlich.

Richtig. Auf Mitspielen hätte ich auch keine große Lust. Aber mal einen Song spielen, das wäre wie gesagt schon o.k.. Mal sehen was passiert.

Und was hältst Du von den Hype der um 4LYN gemacht wird, der sich aber scheinbar jetzt auszahlt, da ihre neue Scheibe in den Top 30 eingestiegen ist.

Echt? Das wusste ich noch nicht. Ich gönne es denen aber. Ich habe bei ihnen nie den Eindruck dass der Hype gewollt war. Es ist halt einfach passiert und wurde aufgebauscht. Die Musiker sind aber total nett und wenn die wirklich so hoch eingestiegen sind dann freut mich das.

Wie geht es jetzt weiter mit Euch? Im Herbst die Gigs und was ist dann angedacht?

Ende des Jahres sind wir in Österreich. Die Bucherei der Konzerte geht aber noch weiter bis ins Jahr 2003. Wir werden dann auch irgendwann noch eine Single veröffentlichen und mal schauen was dann passiert. Wir gehen auf jeden Fall noch nicht so bald ins Studio. Erst mal viel Spielen und dann schauen wie es weitergeht. Der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Album war recht kurz. Beim nächsten Album wird er wohl etwas länger sein.

Deine 3 Lieblingsscheiben aller Zeiten:

GOD MACHINE: „One Last Laugh…“, CARTER USM „1992“, ich mache mich gerade total lächerlich ist mir aber egal. Und als drittes: DEAD CAN DANCE alles.

Metal oder Crossover hörst Du also gar nicht?

Doch, total gerne und oft. Nur gehören die Scheiben nicht zu meinen drei Lieblinsscheiben aller Zeiten. Meine Metal-Top-3 wäre: NEUROSIS: „Through Silver In Blood“, von SLAYER alles und von METALLICA alles bis zur „Load“.

Wen möchtest Du gerne mal kennen lernen und warum?

Ich hasse solche spontane Fragen. Elvis.

Dein peinlichster Moment auf der Bühne?

Ja, da gab es schon einiges bei der IN EXTREMO Tour, das gehört aber jetzt nicht hierher, haha.

Deine letzten Worte an Eure Fans unsere Leser.

Danke. Gruss an alle und „Don`t Burn it, Buy it“.