RUNNING WILD: Machtpolitische Interessen, geflügelte Pferde und rauchende Köpfe

RUNNING WILD: Machtpolitische Interessen, geflügelte Pferde und rauchende Köpfe

Neues RUNNING WILD-Album = Neues Interview! Diese Formel trifft auf Rock´n´Rolf Kasparek und mich schon seit der Death Or Glory-Scheibe zu! Aber da der 43-jährige Hamburger immer etwas Interessantes zu erzählen hat (und das nicht nur über Veränderungen im Bandgefüge), freue ich mich immer wieder auf die Möglichkeit eines kleinen Plauschs. Der Anlass für unser kleines Gespräch übers Telefon am 24.01.2005 war die Veröffentlichung des dreizehnten RUNNING WILD-Studioalbums Rogues En Vogue und der Gitarrist, Sänger, Produzent, Bassist, Mischer, Studioeigentümer, Komponist, Texter und Ton-Ingenieur von RUNNING WILD hatte (mir) einiges zu erzählen. Was, das könnt ihr den folgenden Zeilen entnehmen.

Rolf, Du hast erstmalig ein RUNNING WILD-Album in Deinem eigenen Jolly Roger-Sound-Studio aufgenommen. Wo liegen denn die Unterschiede im Vergleich zu den Arbeiten in anderen (= fremden) Studios, in denen Du ja auch sehr oft zu Gast warst?

Der erste und sehr wichtige Unterschied ist natürlich die zur Verfügung stehende Zeit, denn ein eigenes Studio gibt einem eben die Möglichkeit an den vorbereiteten Songs so lange wie nötig zu feilen. Man steht nicht mehr unter dem Druck, nach sechs Wochen im Studio und dem vollen Ausnutzen eines jeden Tages mit dem Album fertig sein zu müssen. Man hat halt immer im Hinterkopf, dass jeder Tag und jede Minute Geld kostet. Das fällt nun flach, denn ich bin fertig, wenn ich fertig bin. Und wenn mir an einem Tag nach drei Stunden die Birne raucht, dann ist das überhaupt kein Problem. Der zweite Unterschied ist natürlich, dass nicht immer ein Ton-Ingenieur vor Ort sein muss, denn auch dessen Aufgaben habe ich auf Rogues En Vogue erstmalig übernommen. Das ist zwar auf den ersten Blick eine echte Mehrarbeit, aber andererseits konnte ich so viel relaxter arbeiten. Es war z.B. das erste Mal, dass ich mich derart konsequent um den Gesang kümmern konnte, was zur Folge hatte, dass in fast jedem Stück mehrstimmige Chöre zu hören sind.

Besteht aber nicht auch die Gefahr des Verzettelns, wenn man so lange an den Songs rumschrauben kann, wie man will?

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Gitarrist, Sänger, Produzent, Bassist, Mischer, Studioeigentümer, Komponist, Texter und Ton-Ingenieur in einem – Rolf Kasparek

Nein, denn ich habe mir im Laufe der Jahre eine sehr konzentrierte Arbeitsweise angewöhnt, d.h. die Gefahr mich zu verzetteln, besteht eigentlich nicht. Es hat auch wirklich nur deshalb solange gedauert, weil man sich natürlich erstmal in seinem eigenen Studio einfinden und einarbeiten muss. Ich musste immer wieder Dinge verändern, neu gestalten oder umbauen, so dass die Aufnahmen auch eine Art Lernprozess darstellten.

Ich meinte mit Verzetteln auch eher, dass man versucht einen Song noch perfekter zu machen und nicht merkt, dass der Song bereits perfekt ist und nicht besser zu machen ist.

Nein, wenn mir nicht gerade gravierende Fehler und Mängel auffallen, passiert das eigentlich nicht, auch wenn aktuell wir den Titelsong zweimal abgemischt haben. Es ist aber nicht so, dass ich anfange, den ersten Song noch mal zu überarbeiten, wenn ich mit dem letzten Song fertig bin.

Nichtsdestotrotz hast Du Dir erstmalig in der Bandgeschichte zwischen zwei Studioalben drei Jahre Zeit (in der immerhin eine Live-DVD/CD und eine neu eingespielte Best of-Scheibe erschienen) gelassen…

Richtig, die Songs sind in einer sehr langen Phase entstanden, denn ich hatte noch nie drei Jahre lang Zeit, Material zu sammeln. Das hatte den Vorteil, dass ich für etwa 27 Titel lockere Grundideen hatte, von denen ich die dreizehn besten für das Album auswählte. Bisher war es halt immer so, dass die Anzahl von Songs auf den Alben zu hören waren, zu denen ich vorher die Grundidee hatte.

Kann es sein, dass Du beim Songwriting viele halbgare Songideen zu einem dann gut klingenden Song zusammenfügst?

Jein, denn diese Grundideen waren wirklich Grundideen für komplette Titel. Einige dieser Ideen sind ja auch schon etwas älter, wobei die für The War die älteste ist bzw. die erste Grundidee war, die ich für einen Song hatte. Es gibt da auch keine Formel, denn es ist mir auch schon passiert, dass ich an einem Song gearbeitet habe und dann eine neue Idee hatte, die – z.B. wie im Falle von Skeleton Dance – in einem komplett neuen Song endete.

Erstmalig ist Schlagzeuger Matthias Liebetruth auf einem regulären RUNNING WILD-Album zu hören, der allerdings seine Schlagzeugspuren NICHT bei Dir im Studio einspielte!

Richtig, denn auch Matthias hat mittlerweile sein eigenes Studio, für das er sich finanziell und arbeitstechnisch mächtig ins Zeug gelegt hat. Das gab mir und uns eben die Möglichkeit, in mehreren Studios gleichzeitig am Album zu arbeiten. Auch Peter hat seine Parts in seinem eigenen Home-Studio aufgenommen, und wenn man dann noch das Gesangsstudio hinzurechnet, haben wir – manchmal sogar gleichzeitig – für Rogues En Vogue in vier verschiedenen Studios gearbeitet.

Kriegen die beiden denn von Dir irgendwelche Vorgaben oder haben sie, zumindest was ihre Parts angeht, freie Hand?

Die Grundideen kommen natürlich schon von mir, aber um diese herum kommen viele Ideen von Matthias selbst. Das Gleiche gilt auch für Peter, der zu den Stücken eigentlich immer zwei, drei verschiedene Versionen eingespielt hat und mir dann letztendlich die Wahl gelassen hat, welche Version am besten zu dem jeweiligen Stück passt.

Und warum ist Peter denn nur bei vier Songs zu hören?

Das hat den Grund, weil ich im Vorfeld einigen Leuten die Stücke mit meinen Bass-Spuren vorgespielt habe und die dann echt begeistert waren, wie gut Bass und Gitarre miteinander harmonieren.

Dann ist es ja nicht mehr weit, bis Du auch das Drumming übernimmst…

Nee, das wird mit Sicherheit nicht passieren (lacht) und beim Bass wird es auch immer wieder Sachen geben, die Peter spielen wird. Das mache ich wirklich von dem jeweiligen Song abhängig, denn wenn ich merke, dass mir ein Song bass-technisch nicht liegt und ich mir einen abbreche, werde ich nicht auf Krampf den Bass einspielen.

Running
Entgegen den Angaben auf der Homepage werden RUNNING WILD 2005 sehr wohl auf Tour gehen

Auf der Homepage war zu lesen, dass es zum neuen Album keine Tour geben wird!

Das stand da? Nun, das ist mir neu. Nein, es wird wahrscheinlich im Mai eine Tour geben, wobei ich aber noch keine konkreten Daten nennen kann, da ich mich im letzten Jahr von der Agentur All Access getrennt habe und mich im Moment nach einer neuen Konzert-Agentur umsehe.

Werden denn auf der nächsten Tour wieder Matthias Liebetruth, Peter Pichl und Bernd Aufermann mit Dir auf der Bühne stehen?

Kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht sagen, da ich aufgrund der recht losen Planungen zum momentanen Zeitpunkt noch keinen Musiker buchen kann. Sicher ist nur, dass Matthias Liebetruth dabei sein wird und auch Peter gerne dabei sein würde.

Erneut hast Du auf ein bebildertes Booklet verzichtet!

Der einzige Grund ist, dass das Cover für sich wirken soll. Das Artwork sieht so edel aus, dass ich mich zusammen mit der Plattenfirma dazu entschlossen habe, das Booklet nicht durch zusätzliche Fotos aufzupeppen.

Was hat es mit dem französisch-englischen Albumtitel Rogues En Vogue auf sich?

Rogues ist ja die englische Bezeichnung für das Wort Schurke und En Vogue bedeutet eben im Blickpunkt stehen. Und diese im Blickpunkt stehenden Schurken sind für mich eben aktuell die Leute, die für den Irak-Krieg verantwortlich sind oder die Mitglieder unseres Parlaments.

Kommen wir nun zu einigen Textinhalten der neuen Songs. Ich möchte Dich bitten, ein paar Statements zu folgenden Songs abzugeben: Um welchen Krieg geht es im elf-minütigen Epos The War?

Hier geht es um den ersten Weltkrieg bzw. die Vorgänge und Geschehnisse, die diesen Krieg erst möglich gemacht haben.

Ach ja, das tödliche Attentat von Sarajewo auf Erzherzog Franz-Ferdinand und seine Gemahlin Sophie Chotek, die Rechsgräfin von Hohenberg. Franz-Ferdinand war der Thronfolger Österreich-Ungarns und sein gewaltsamer Tod führte zur Julikrise von 1914 und damit zum Ausbruch des 1. Weltkriegs.

Nein, auch nicht. Das geht zurück bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der erste Weltkrieg wurde nämlich aus ähnlichen Gründen wie der Irak-Krieg vom Zaun gebrochen. Offiziell wurde er aufgrund der sich im Irak befindlichen Massenvernichtungswaffen und weil man das irakische Volk befeien wollte, begonnen. Aber es ging einzig und allein um die irakischen Öl-Reserven und –Felder. Der erste Weltkrieg wurde dagegen vom Zaun gebrochen, um die Monarchien zu beseitigen. Es ging um machtpolitische Interessen einer gewissen Gruppe von Leuten und darum, dass die Kolonial-Politik der Deutschen bzw. der Preußen Ländern wie Frankreich, England oder Belgien ebenso ein Dorn im Auge war, wie die Entscheidung von Otto von Bismarck [Hier ein paar Infos aus der Reihe Vampster macht schlau: Otto Eduard Leopold von Bismarck – genannt der Eiserne Kanzler – wurde am 01.04 1815 in Schönhausen im heutigen Sachsen-Anhalt geboren. Er starb am 30.07.1898 in Friedrichsruh bei Hamburg und war der Gründer bzw. erste Reichskanzler des Deutschen Reiches – der Verf.] bzw. Wilhelm II. [Hier ein paar Infos aus der Reihe Vampster macht schlauer :
Wilhelm II. lebte vom 27.01.1859 bis zum 04.06.1941 und war der letzte Deutsche Kaiser und König von Preußen – der Verf.]
keine Schiffe mehr in englischen Werften bauen zu lassen. Das war natürlich insbesondere für die Bänker in London ein hoher wirtschaftlicher Verlust. Damit dürfte eigentlich klar sein, warum es zu diesem Krieg kommen musste. Es ging darum, seine Macht und seinen Einfluss auf Europa weiter auszubauen, wobei es völlig egal war, dass diese Leute in London saßen. Die hätten ihr eigenes Land in die Tonne getreten, da es ihnen nur und ausschließlich um ihre eigenen und persönlichen Interessen ging.

Ist denn der erste Weltkrieg für Dich als Texter interessanter? Oder gibt es über den zweiten Weltkrieg schon genügend Songs/Texte?

Das ist sicherlich auch ein Grund. Aber wenn man andererseits mal hinter die Kulissen blickt, dann wird einem sehr, sehr schnell klar, dass es den zweiten Weltkrieg ohne den ersten nie gegeben hätte, zumal er aus den gleichen Gründen wie der erste begonnen wurde. Auch im Vorfeld des zweiten Weltkrieges ging es um machtpolitische und finanzielle Interessen und im Prinzip ist es so, dass das Dritte Reich von den Leuten finanziert wurde, die u.a. auch für die französische und russische Revolution verantwortlich zu machen sind. Es gibt ja auch den Versailler Friedensvertrag [der am 28. Juni 1919 unterzeichnet wurde, am 10. Januar 1920 in Kraft trat und formell den Ersten Weltkrieg zwischen dem Deutschen Reich und den Mächten der Entente, also dem zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland geschlossenen Abkommen, das die kolonialen Fragen regelte, beendete – der Verf.], in dem schriftlich fixiert wurde, dass Deutschland die Schuld am ersten Weltkrieg trägt, was natürlich völlig falsch ist und gegen die Fakten spricht. Wenn einer an diesem Krieg die Schuld trägt, dann ist es Russland, das sich in einen innerländlichen Konflikt des österreich-ungarischen Kaiserreiches eingemischt hat. Als der Versailler Friedensvertrag unterzeichnet wurde, hat – und dafür gibt es Zeugen – ein französischer Abgeordneter oder ein französisches Delegationsmitglied gesagt Meine Herren, wir haben soeben den Vertrag unterzeichnet, der uns in 30 Jahren den nächsten Krieg garantiert!. Mit anderen Worten: Man hat diesen Vertrag gewollt so formuliert, dass ein zweiter Krieg garantiert und unvermeidlich ist.

Worum es in Black Gold geht, dürfte eigentlich jedem klar sein, oder?

Hier geht es natürlich darum, das Öl der Hauptgrund für den Irak-Krieg war. Alles andere, die Massenvernichtungswaffen, die Unterdrückung des Volkes oder die Verbindungen zur Al-Qaida, waren nichts weiter als vorgeschobene Gründe. Mittlerweile dürfte auch jedem klar sein, dass es einzig und allein ums irakische Öl ging – und darum, dass man ein Standbein im Orient braucht, von dem aus man seine politischen Interessen vertreten kann.

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Textlich gibt es auf dem aktuellen Album Rogues en Vogue eine Mischung aus typischen RUNNING WILD-Klischeestoff, historischen Bezügen und der Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen in der Welt.

Auf den ersten Blick dürfte es sich bei Skull & Bones mal wieder um einen Piratensong handeln!

Auf den zweiten Blick auch (lacht). Hier wurde ich etwas durch den Film Fluch der Karibik beeinflusst. Ein typischer Klischee-Song.

Und wer oder was ist ein Angel Of Mercy?

Ich habe die ganze Sache hier mal umgedreht, denn viele Musiker haben halt Songs über einen Angel Of Death geschrieben, der – ich sag das jetzt mal im religiösen Sinne – Armageddon, die Finsternis oder den Untergang bringt. Und ich habe eben von einem Engel geschrieben, der die Sache mit Gnade zu Ende bringt, wobei ich mich da durchaus auf Dinge berufe, die auch im alten Testament stehen.

Und was ist eine Dead Man´s Road?

Das ist eigentlich nur eine andere Bezeichnung für eine Sackgasse (wäre auch ein geiler Songtitel gewesen – der Verf.) oder einen Highway To Hell, auf dem man aber nur deshalb läuft, weil man selbst daran schuld ist. Deshalb gibt es im Text auch eine Aufzählung von Dingen, die auf der Welt einfach schief laufen, z.B. diese Casting-Geschichten und der TV-Wahn, der irgendwelchen Gehirnamputierten die Möglichkeit gibt, sich wie ein Star zu fühlen und aufzuführen. Die Haupttendenz ist eigentlich die, dass es mit der gesamten Menschheit den Bach runtergeht.

Winged and Feathered…

… ist ein Song, der mir ganz spontan eingefallen ist und sich mit der alten Welt der Götter, genauer gesagt mit dem geflügelten Pferd Pegasus befasst.

Wo kann man die Soul Vampires antreffen?

Ganz sicher in unserem Parlament und auch in den Parlamenten und Regierungen vieler anderer Länder. Auch hier kann man wieder Parallelen zu The War ziehen. Es geht also um die Herrschaften, die in irgendwelchen Hinterzimmern sitzen, die Geschicke der Welt leiten und dabei bestimmt nichts Gutes im Schilde führen.

Es gibt ja mit Cannonball Tongue und Libertalia noch zwei Bonusstücke, die es nicht auf das reguläre Album geschafft haben…

… was nichts damit zu tun, dass diese beiden Songs vielleicht B-Ware sind. Nein, es ging einzig und allein darum, das Album mit den Songs so zu bestücken, dass das Ganze konzeptionell funktioniert.

Haben eigentlich Eure Verkaufszahlen auch unter der Download-Problematik gelitten?

Nein, unsere Verkaufszahlen sind eigentlich recht konstant geblieben, was sicherlich daran liegen mag, dass Metal-Fans im Allgemeinen sehr traditionell veranlagt sind und lieber das Original mit Booklet und richtiger CD haben wollen. Ich denke wirklich, dass das hauptsächlich ein Problem aus dem Bereich der populären oder Pop-Musik ist. Einer Musik, die wirklich im wahrsten Sinne des Wortes nur konsumiert wird und bei es meistens nicht um Alben geht, sondern um Singles, die hoch in den Charts stehen. Die Leute sagen sich dann – verständlicherweise sogar – Warum soll ich mir das ganze Album kaufen, wenn mich nur die Single interessiert, die ich mir zwar illegal, aber dafür kostenlos aus dem Internet ziehen kann?

Ist das Album eigentlich für Dich schon abgehakt?

Ja, eigentlich seit der Abgabe der Bänder Anfang 2004. Außerdem bin ich schon jetzt schon am Überlegen, was ich an den Rogues En Vogue-Stücken am liebsten anders machen würde (lacht). Aber das ist okay, denn das bedeutet ja, dass eine Weiterentwicklung stattgefunden hat.

Arbeitest Du denn im Deinem Studio ausschließlich mit digitalen Gerätschaften oder produzierst Du auch noch auf die gute (??), alte analoge Art?

Mein Studio ist eine Mischung aus beidem. Auf der einen Seite habe z.B. ich ein Harddisc-Recording-System mit 24 Spuren und eine Stand Alone-Workstation, die ähnlich wie Pro-Tools funktionert, aber kein Computer in dem Sinne ist. Du hast zwar einen Bildschirm, kannst sie aber wie eine Bandmaschine bedienen. Das macht das Ganze für mich deutlich einfacher, wenn ich z.B. die Gitarren-Overdubs einspiele, da ich dann nämlich nicht mit Tastatur und Maus hantieren muss. Ganz grob kann man sagen, dass lediglich die Aufnahmetechnologie digital, alles andere dagegen analog ist, was dann für das Mastering des Albums wieder zurückgewandelt wird.

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Ich plane im Moment nur von Album zu Album, habe aber auch noch eine ganze Menge musikalischer Ideen, die ich gerne verwirklichen möchte.

Die erste RUNNING WILD-Scheibe erschien ja bereits 1984, also vor 21 Jahren. Wie weit blickt man nach einer so langen Zeit noch in die Zukunft. Denkt man da nur noch von Album zu Album oder existiert da vielleicht sogar eine Art Fünf-Jahres-Plan?

Ich plane im Moment nur von Album zu Album, habe aber auch noch eine ganze Menge musikalischer Ideen, die ich gerne verwirklichen möchte. Aber oberste Priorität hat momentan das Suchen und Finden einer neuen Konzert-Agentur. Und auch ein Labelwechsel wird anstehen, da Roques En Vogue das letzte Album für G.U.N. Records war.

Hast Du keine Bedenken, dass das Label – um Roques En Vogue zu einem Erfolg zu machen – vielleicht nicht so viel Gas wie möglich gibt, da sie ja wissen, dass Du die Firma verlassen wirst?

Nein, auch wenn sich das Label sicher nicht so reinhängen wird, als wenn es die erste oder zweite Platte eines Deals wäre. Aber in erster Linie möchte eine Plattenfirma Platten verkaufen, da sie ja durch die Vorfinanzierung eines Albums viel Geld investiert hat, das sie natürlich wieder raus haben möchte. Aber auf der anderen Seite hängt das natürlich auch von der Qualität der Platte ab, und wenn das Label merkt, dass eine Platte richtig gut läuft, dann ist es natürlich motiviert, dafür zu sorgen, dass sie noch besser läuft. Letztendlich lebt ja eine Plattenfirma auch von den Plattenverkäufen.

Nun bist Du ja schon seit über zwei Dekaden im professionellen Musikgeschäft. Wie kann man sich Deinen beruflichen Status vorstellen? Bist Du selbstständiger Unternehmer? Bist Du ein Angestellter der Plattenfirma? Oder ein freischaffender Künstler? Bekommst Du ein festes Gehalt? Oder richtet sich die Höhe der Summe nach der Anzahl der verkauften Platten oder Tour-Einnahmen?

Normalerweise unterschreibt man als Musiker einen Deal über vier oder fünf Alben. Vorher hat man natürlich Vorschüsse ausgehandelt, die meistens zweigeteilt sind. Zum einen handelt es sich dabei meistens um persönliche Vorschüsse, d.h. es wird pro Platte eine bestimmte Summe fixiert und man kann eben festlegen, ob diese Summe in monatlichen Beträgen, in Teilbeträgen oder mit einem Mal auszahlt wird. Dann werden andererseits Geldbeträge zur Verfügung gestellt, die für die Album-Produktion, d.h. damit man die Platte fertig stellen kann, bestimmt sind. Und dann gibt es natürlich Summen, die für eventuelle Videos oder Tour-Supports bereitgehalten werden, wobei die Höhe dieser Summen natürlich von dem Status abhängig ist, den man zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen innehat.