RED TO GREY: "Thrash Or Be Thrashed" oder Haare abschneiden verboten

RED TO GREY: "Thrash Or Be Thrashed" oder Haare abschneiden verboten

Endlich haben auch die bayrischen Powerthrasher RED TO GREY den schon längst verdienten Plattendeal bei BLACK ARROW Records ergattern können. Ihr Labeldebüt hört auf den Namen Wrath Of The Weak und ist ein feines Werk für alles Fans des melodischen Thrash Metals mit progressiven Power Metal-Einflüssen geworden. RED TO GREY sind ein Garant für Power, technische Finessen und passable Aggressivität. Drummer Elmar „Nüssi“ Nüßlein stand Rede und Antwort.

Hi Nüssi! Gratulation zu eurem neuen Output Wrath Of The Weak, welches für mich eine kleine Perle im deutschen Powerthrash-Underground darstellt und gleichzeitig euer Label-Debüt ist.

Danke, wir haben uns ja auch jede erdenkliche Mühe gegeben, was ordentliches in dieser Richtung auf die Beine zu stellen.

Wie kam es zum Deal mit BLACK ARROW Records und gab es noch andere Offerten?

Zum Deal mit BLACK ARROW sind wir um ziemlich viele Ecken gekommen. Wir hatten ja mit unserer Demo-CD Circle Of Pain überall ziemlich gute Kritiken einfahren können und geben auch live immer Vollgas. Wir haben es natürlich erst einmal bei den üblichen Labels, also NUCLEAR BLAST und Konsorten versucht, waren aber irgendwie nicht wirklich erfolgreich mit dieser Strategie, haha. Zu unkommerziell sagte man uns damals immer, wäre unsere Scheibe, die aber im Vergleich zu Wrath Of The Weak noch deutlich mehr Progressive-Elemente enthielt. Im Allgäu haben wir allerdings mit dem Meggy Schneider von ROCKABEND CONCERTS jemanden, der uns immer wieder unterstützt, uns z. B. auch einen Gig mit ANGEL DUST vermittelt hat. Über ihn ist dann irgendwie der Kontakt mit Sönke Lau von BLACK ARROW entstanden.

Seid ihr mit der Arbeit des Labels zufrieden? Werbetechnisch (Anzeigen,etc.) hat man noch nicht sehr viel über Wrath Of The Weak lesen können. Dies macht sicherlich auch die Größe einer Plattenfirma aus. Sehnst Du Dich mittlerweile nicht nach einem größeren Label mit entsprechenden finanziellen Mitteln?

Natürlich hätten wir uns etwas mehr Werbung gewünscht, aber weil Du gerade die Größe des Labels ansprichst: BLACK ARROW ist ja nun doch eher eins von den kleineren. Wir sind aber, und das ist natürlich schon eine gute Sache auf der HAMMER-CD von August 2001 mit einem Song vertreten. Natürlich wäre mir der ROCK HARD-Sampler lieber gewesen, spricht einfach mehr unsere Zielgruppe an. Außerdem war da unsere Plattenkritik besser als im HAMMER, haha. Hier sind wir auch gleich bei Deiner letzten Frage: Natürlich wären wir auch gerne bei BMG Ariola und würden auch gerne so viel Geld verdienen wie METALLICA, kannst Du Dir ja denken.

Wie ich gehört habe, habt ihr für die Produktion eine nicht unerhebliche Summe Geld hinblättern müssen. Wäre es da nicht von Vorteil gewesen mit diesen Mitteln nochmals eine anständige Eigenproduktion unters Volk zu bringen?

Tja, die Zeiten sind hart. Heutzutage musst Du schon was investieren, vor allem wenn Du unkommerzielle Mucke machst. Die goldenen Achtziger sind ja nun Weißgott vorbei, wo man noch holperstolper-Thrash Metal machen konnte, von der Plattenfirma voll finanziert wurde und obendrein auch gleich von Anfang an der große Rockstar war. Wir wollten aber nach unserer ersten Demo-CD auf gar keinen Fall mehr eine Eigenproduktion mehr machen. Wo hätte uns das auch noch hinbringen sollen? Wir hatten beste Kritiken, einen Haufen Zeit, Arbeit und Geld investiert und mussten uns obendrein noch selbst um den Vertrieb kümmern. Das ist ja alles auch ein Zeitproblem und so wollten wir dieses Mal auf jeden Fall Nägel mit Köpfen machen.

Kann es sein, dass sich euer Label BLACK ARROW umbenannt hat. Wenn ja, wie heißt es jetzt und warum diese Namensänderung?Das Artwork von Wrath Of The Weak ist sehr gelungen. Wer zeichnet sich dafür verantwortlich und hat diese Person auch schon durch andere Artworks auf sich aufmerksam gemacht? Was möchtet ihr mit diesem Cover ausdrücken?

Das Cover hat Silvio Fiorese aus Augsburg entworfen und layoutet. Er ist professioneller Grafikdesigner, ein guter Freund der Band, sozusagen unser sechster Mann und hat auch schon das Artwork für Circle Of Pain gestaltet. Wir haben ihm bei der Gestaltung beider Cover völlig freie Hand gelassen. Er hat sich unseren Sound angehört und hatte dann auch sofort Ideen zur visuellen Umsetzung. Es geht halt so in die kalte, technische aber auch surrealistische Richtung. Der Robin, unser Bassist und ich kannten ihn schon von früher, weil er das Coverartwork unserer damaligen Band AEONS END gestaltet hat.

Ihr habt die neue Scheibe Wrath Of The Weak betitelt. Welche Bedeutung steht hinter diesen vier Worten?

Wrath Of The Weak, also der Zorn der Schwachen ist der dritte Song auf unserer Platte. Es geht wohl irgendwie um sozial schwächere Minderheiten, auch der Rock ’n’ Roll und somit der Metal ist ja schließlich mal aus einer solchen hervorgegangen. Prinzipiell wollte der Andy, unser Sänger, da aber einfach einen allgemeinen Revoluzzersong machen.

Wenn wir gerade bei Bedeutungen sind, könntest Du unseren Lesern mal die textlichen Inhalte der einzelnen Songs von Wrath Of The Weak kurz erläutern?

Tja der Andy versucht seine Lyrics prinzipiell so zu gestalten, dass sich jeder so seinen eigenen Reim darauf machen kann. Bei Moralizer , man kann es sich denken, geht es natürlich um Leute mit übertriebenen Moralvorstellungen. „Unconscious“ ist meiner Interpretation nach die ziemlich abgespacte Beschreibung eines Autounfalls, während „Anarchic Pessimist“ einem verstorbenen Kumpel von Andy gewidmet ist.

Das Line-Up von RED TO GREY ist das selbe wie auf der Eigenproduktion Circle Of Pain geblieben. Stelle doch mal die Bandmitglieder vor und erzähle wie ihr zueinander gefunden habt und seit wann es RED TO GREY überhaupt gibt.



Ja, wir sind immer noch in derselben Besetzung wie zu Beginn. Es hat einfach alles von Anfang super gepasst und das ist auch heute noch so. So mussten wir glücklicherweise nicht erst dieses jahrelange Wechselspiel durchmachen, das anderen Bands meist nicht erspart bleibt, sondern konnten uns von Anfang an auf die Musik konzentrieren. Natürlich auch um den damit verbundenen, unvermeidlichen Businesskram. Der setzte dann auch praktisch sofort ein, da wir Circle Of Pain bereits ein halbes Jahr nach Bandgründung im April 1998 aufgenommen haben.

Aber zurück zur eigentlichen Frage: Angefangen hat alles damit, dass unser Bassist Robin Fischer, der Mitte 1998 als Tourbassist mit HAGGARD unterwegs war, nach Beendigung der Tour Leute für eine Band bzw. ein Projekt suchte. Er hatte früher bereits einmal kurzfristig mit Tino Bergamo zusammengespielt. Tino spielte damals noch bei den Münchnern SOPHISTICATION Gitarre. Von dritter Seite wurde ihm dann noch Frank Pané als hervorragender Gitarrist empfohlen und da er mich bereits von AEONS END her kannte, wurde ich als Drummer engagiert. Bei einem Underground-Hardcore-Gig lernten Robin und Frank dann zeitlich genau passend Andy Pankraz kennen und so war die Band komplett.

Robin Fischer und Frank Pané sind auch noch in anderen Combos tätig. Welche sind dies und gibt es da nicht zeitliche Ungereimtheiten bezüglich der Hauptband RED TO GREY? Spielt sonst noch jemand von euch in einer anderen Band?

Ja, der Robin spielt im Moment noch bei einer Mittelalterband namens KUMULU NIMBUS oder so ähnlich. Er hat 1998 zwei Europatourneen mit HAGGARD zusammen gespielt. Das war damals ein bisschen stressig im Studio, als wir Circle Of Pain in Ludwigsburg aufgenommen haben und er sofort nach dem Einspielen seiner Bassparts nach Bochum zum HAGGARD-Gig abreisen musste.

Der Frank spielt außerdem noch bei VALLEY’S EVE, da gibt’s aber praktisch keine Überschneidungen. Neulich sind ein paar Bandproben ausgefallen, während der Produktion des neuen VALLEY’S EVE-Albums, das war’s aber bis jetzt auch schon. Schlimmer war es früher, als er noch bei dieser Hard Rock Cover-Profiband war und fast jedes Wochenende mit denen irgendwelche Gigs spielen musste.

Der Tino hilft im Moment außerdem noch bei den Münchnern RAPTURE aus und der Andy und ich sind im Moment auch so wunschlos glücklich (d. h. keine Zeit, leider).

Da ihr nun ein Label im Rücken habt, gibt es irgendwelche Pläne für eine Tour oder werdet ihr verstärkt Einzelgigs spielen?

Tour wäre natürlich toll. Das sind im Moment aber leider Luftschlösser, so werden wir uns wohl auf diverse Einzelgigs beschränken. Im Herbst soll es auf jeden Fall wieder verstärkt losgehen. Unter anderem ist ein Gig mit TANKARD in Friedrichshafen im Dezember geplant.

RED TO GREY sind „live“ ein Garant für eine ansprechende und energiegeladene Thrash-Show. Cool finde ich auch immer die alten Thrash-Klassiker, die ihr dabei einbindet. Welche Klassiker habt ihr alle in euer Programm aufgenommen und was waren bisher eure größten und coolsten Gigs?

Ja klar, wir lassen es immer krachen und bangen so viel wie es nur irgendwie geht, haha. Ja, wenn man schon nicht reich davon wird dann soll es doch wenigstens Spaß machen, oder? (Keine Frage, Alter…-Psycho)

Das mit den ganzen Klassikern haben wir damals angefangen weil wir diese Songs einfach alle immer schon mal spielen wollten und weil es für eine unbekannte Band natürlich leichter ist, wenn das Publikum wenigstens ein paar Songs kennt. Mit den ganzen Covers die wir schon gespielt haben könnte man übrigens schon fast allein einen Set gestalten. Wir hatten da schon: FORBIDDEN / Through eyes of glass, EXODUS / Brain dead, DEATH / Crystal mountain, IRON MAIDEN / Aces high, SLAYER / Angel of death, OVERKILL / In union we stand, ANTHRAX / Indians. Beim nächsten Gig werden wir auf wohl noch „Painful jokes“ von CHANNEL ZERO (geile, total unterbewertete Band übrigens – Psycho) spielen und irgendwann auch noch mal „Murder in the sky“ von GARY MOORE, das ist dann mal ein bisschen was ausgefallenes.

Unser coolstes Konzert war wohl damals dieses Open Air mit ANGEL DUST im Allgäu.



Gibt es amüsante Stories aus dem RED TO GREY-Lager bezüglich eurer Live-Shows zu berichten?

Hm, nein eigentlich nicht, zumindest nicht im klassischen Sinne, so dass wir z. B. jemanden in Badeschlappen an einer Tankstelle vergessen hätten oder so. Für mich war es jedenfalls immer am lustigsten, wenn ich nicht fahren musste, haha. Tja ich glaube wir müssten wirklich mal auf Tour gehen, damit ich endlich mal einen Fernseher zum Fenster rausschmeißen kann oder was es da sonst noch so für Späße gibt.

Auch ihr seid mit www.redtogrey.de im World Wide Web zu erreichen. Wer hat die Homepage erstellt und denkst Du, die Website hat euch schon promotiontechnisch weitergebracht?

Also die Homepage habe ich zusammen mit einem Bekannten erstellt, d. h. er hat mir gezeigt, wie so was geht, damit ich die dann jetzt immer updaten kann. Der konnte das ganz gut, hat auch die Website von ANGEL DUST gemacht, bzw. verwaltet sie auch heute noch.

Was den zweiten Aspekt betrifft: Ich denke mal schon. Heutzutage musst Du als Band einfach im Web präsent sein, das bietet ja auch so einige Chancen. Ich sehe unsere Site vor allem als Info-Site, d. h. jeder der sich für die Band interessiert, weil er vielleicht gerade unsere Kritik im ROCK HARD gelesen hat, kann sich so Informationen über die Band beschaffen, sich Bilder anschauen oder sich den Opener unseres aktuellen Albums Moralizer downloaden. Natürlich „verirren“ sich sicherlich auch immer wieder Leute zu uns, die über unsere ausgeworfenen Fallstricke (sprich Links) stolpern, haha. Das ist dann natürlich auch eine tolle Sache.

Wie stehst Du zum deutschen Metal-Underground? Gibt es irgendwelche Bands, die unsere Leser auf jeden Fall mal anchecken sollten? Wie steht es mit der Metalszene bei Euch in München bzw. in Bayern allgemein?

Hm, den deutschen Metal Underground kriege ich persönlich ja hauptsächlich übers Internet mit. Da tut sich ja zur Zeit wieder einiges. Hoffentlich gibt’s nicht eines Tages wieder einen totalen Overkill wie 1993 als die Metalszene plötzlich total zusammengebrochen ist. Aber dann sind wir ja auf jeden Fall auch mit Schuld, denn wir machen ja auch fleißig mit, haha.

Bands zum Anchecken? Na da fallen mir natürlich spontan die auf der Link-Sparte unserer Homepage ein, deshalb stehen sie ja auch da, oder?

Zum Thema Metalszene in Bayern muss man natürlich sagen, dass Bayern sehr groß ist. Da kann man natürlich genausowenig alle kennen, wie bundesweit. In München gibt’s aber z. B. durchaus einige coole Bands, unsere Labelkollegen ARMISTICE zum Beispiel oder auch RAPTURE oder HATEFUL AGONY. Sehr schön nachzulesen übrigens auch unter www.unknownmunich.purespace.de oder www.heavyhardes.de, zu diesen Sites gibt’s jedenfalls auch Links von unserer Homepage aus.

Welche drei Alben hast Du Dir zuletzt gekauft und warum?

SCEPTIC – Pathetic Being : weil die genau wie DEATH klingen.

DIMMU BORGIR – Puritanical Euphoric Misanthropia: weil bei denen der neue Schlagzeuger fast so gut ist wie Gene Hoglan.

THE HAUNTED – The Haunted: weil es kracht ohne Ende, fast wie SLAYER in der guten alten Zeit.

Warst Du dieses Jahr auf den großen Festivals (With Full Force, Bang Your Head , Wacken) und wie war Dein Eindruck dieser?

Ja klar, ich war in Balingen und in Wacken. Es war beide Male voll geil, ich war beide Male drei Tage voll und außerdem sind Festivals sowieso immer absolut kult!

Meinst Du, dass RED TO GREY es eines Tages auch einmal schaffen könnten auf einem dieser Festivals zu zocken und dem Publikum eine Lektion wahren Powerthrashs darzubringen?

Das hoffe ich!!!

Gibt es in eurer Heimat irgendwelche Metalclubs und Metalkneipen, die unsere Leser mal besuchen sollten? Und wo gibt es passable Clubs/ Veranstaltungsorte für Undergroundbands? Existiert eigentlich noch das U2 in Mindelheim (cooler Club und cooler Inhaber)?

Ja, das U2 in Mindelheim ist natürlich für die ganz Harten immer eine Reise wert. Da kann man auch spielen. Rockfabrik Augsburg natürlich auch, vor allem freitags. In München gibt’s natürlich meine Stammkneipe, das INSIDE in der Leopoldstraße. Da kann man aber leider nicht auftreten weil es viel zu klein ist. Ansonsten gibt’s in Sonthofen noch das FAITH. Das ist ein cooler Live-Schuppen, klein aber fein. Wir haben dort schon mehrfach gespielt, kann ich an dieser Stelle nur weiterempfehlen.

Da fällt mir noch was zum letzten Song von Wrath Of The Weak ein. Der Anfang von „Anarchic Pessimist“ hört sich sehr nach dem Song Twisted Into Form von FORBIDDEN an. Wenn da mal nicht bayrische Langfinger am Werke waren *g*. Möchtest Du dazu Stellung nehmen?

Da hast Du aber gut aufgepasst. Der Tino wollte Dir dafür schon einen Orden verleihen, dass Du das gemerkt hast. Bisher ist das nämlich noch keinem aufgefallen. Mir übrigens auch nicht, ohne scheiß, und angeblich hat es der Tino auch erst hinterher gemerkt. Aber da war es ja dann leider schon zu spät, haha.

O.K. Nüssi, das wäre es von meiner Seite aus. Hoffe wir sehen uns demnächst mal wieder. Nun kannst Du noch Grüße, Botschaften, Hasstiraden und was Dich sonst noch beschäftigt loswerden. THRASH OR BE THRASHED! *g*

Na klar, natürlich THRASH OR BE THRASHED oder Haare abschneiden verboten, usw. Ach ja und noch was in eigener Sache. Bevor wir demnächst hoffentlich wieder häufiger live zu sehen sein werden, planen wir noch einen Videoclip von Moralizer zu produzieren, der dann natürlich im Internet zu bewundern sein wird. Lasst Euch überraschen!

Psycho