HARAKIRI FOR THE SKY: Schönheit in Trauer und Schmerz

Der Fleiss und die Melancholie der Österreicher HARAKIRI FOR THE SKY haben sich auch 2020 nicht verändert – im Januar 2021 erscheint das fünfte Album des Duos. “Maere” ist geprägt von Melancholie und plötzlichen schwarzmetallischen Gefühlsausbrüchen. Zudem gibt es einen Gastauftritt von ALCESTs Neige – Zeit also, mit MS Kontakt aufzunehmen und ihn zu den “Maere”-Hintergründen zu befragen. 

Im Januar 2021 erscheint euer fünftes Album “Maere”. Inwiefern waren die Arbeiten daran anders wegen der Pandemie als bei vorherigen Alben? War es schwieriger, “Maere” zu kreieren als z.B. “Arson”? 

Das Album war zu Pandemiebeginn schon quasi fertig und eingespielt, insofern wird man die Auswirkungen auf uns eher im nächsten Album zu hören bekommen. Die Gesangsaufnahmen waren im Jänner 2020 im Kasten und der Mix war ebenso fertig bevor der ganze Wahnsinn bei uns hier im März angefangen hat. Der Albumrelease wäre ja ursprünglich auch schon früher geplant gewesen, aber das war dann leider nicht mehr realisierbar.

Ihr habt wieder auf Gastmusiker zurückgegriffen und Drummer Krimh (SEPTICFLESH)  ist erneut dabei. Wie kam der Kontakt mit ihm ursprünglich zustande? Wie habt ihr die Aufnahmen mit Krimh gestaltet? Gab es keine Reiserestriktionen? 

Wie schon oben erwähnt war zu dem Zeitpunkt schon alles aufgenommen, selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, wohnt Krimh ja auch in Österreich und es wäre zwischenzeitlich sicherlich machbar gewesen. Vor “Arson” sind wir durch gemeinsame Freunde zu Krimh gekommen und danach einfach in Kontakt geblieben, war wieder großartig mit ihm zusammenzuarbeiten. 

Auf “Maere” hat Neige von ALCEST einen Gastauftritt. Wie kam die Zusammenarbeit mit Neige zustande? Welches ist dein Lieblingssong von ALCEST

Wir sind beide seit Anbeginn ALCEST-Fans und hatten schon lange vor einen Song mit Neige zusammen zu machen, im Laufe der Jahre haben wir uns auch persönlich kennengelernt und sind wirklich froh, dass dies zustande gekommen ist. 

Es ist nicht leicht einen Lieblingssong auszuwählen, wenn ich mich spontan entscheiden müsste wäre es “Ecailles de lune Pt.2”.

Was war die Hauptmotivation hinter dem PLACEBO-Cover? Welche Rolle spielt dieser Song im Leben von HARAKIRI FOR THE SKY?

Wir versuchen bei einem von uns neu interpretierten Song immer etwas aus einem anderen Genre auszuwählen, zudem wir aber textlich einen persönlichen Bezug haben und der auch musikalisch eine ähnliche Stimmung vermittelt wie unsere Songs. PLACEBO ist eine Band, die mich seit meiner Jugend begleitet und das Lied passte einfach für uns beide perfekt.

Ihr hattet als ersten Song “I, Pallbearer” ausgekoppelt und einen Video-Clip dazu gedreht. Wie habt ihr die ProtagonistInnen für das Video ausgewählt? 

Wir haben Leute aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis gewählt, die charakterlich zu der Thematik des Songs passten und sich auch persönlich damit identifizieren konnten. Dadurch ist das Ganze wesentlich intimer und ehrlicher für uns geworden.

Wie definiert ihr Schönheit?

Das ist etwas sehr Subjektives, je nach Gemütszustand wahrscheinlich auch immer Abweichendes und sich unterschiedlich stark Äußerndes. Ein Mensch, dem es gut geht, findet vielleicht Schönheit in allen möglichen Kleinigkeiten, während ein anderer diesen aufgrund seiner Sorgen und Ängste verschlossen ist. Manch einer findet Schönheit in Situationen, die auch mit Trauer und Schmerz verbunden sein können, während das beispielsweise für andere Menschen nicht nachvollziehbar wäre. Sei es ein visueller Eindruck, ergreifende Musik, Poesie oder Erinnerungen, ich wüsste nicht, wie ich das eindeutig definieren könnte…

Das Cover kann so interpretiert werden, dass in jeder Kreatur noch eine andere, versteckte, verborgen ist, die nur mit Gewalt an die Oberfläche gelangt. Bezieht sich das Cover auf einen spezifischen Song auf “Maere”? Wenn ja, auf welchen und inwiefern? 

Auf einen Song spezifisch nicht, aber wenn man die Texte liest wäre das sicherlich eine Option das Cover zu interpretieren. Ich finde, dass dies auch nicht erklärt werden, sondern jedem selbst überlassen sein sollte, was er darin sieht.

Welche Band hat dich/euch ursprünglich zum (Post) Black Metal gebracht? Sind ihre Alben noch immer regelmässig bei euch/dir in der Playliste?

In meinem Fall waren es ALCEST, HERETOIR, WOODS OF DESOLATION und GREY WATERS. Parallel hab ich auch viele Bands wie GOD IS AN ASTRONAUT und IF THESE TREES COULD TALK gehört, beziehungsweise höre ich diese immer noch gerne, das variiert immer nach Situation und Stimmung

Konzerte sind ja noch immer rar gesät und manche Bands produzieren Online Stream-Konzerte. Wie werden HARAKIRI FOR THE SKY “Maere” Anfang 2021 promoten?

Streamkonzerte sind sicher ein netter Kompromiss, kommen aber von der Stimmung nicht ansatzweise an eine tatsächliche Liveshow ran, deshalb ist es schwer diese beiden Sachen zu vergleichen. Wir hoffen auf eine baldigste Rückkehr zur Normalität um endlich wieder Konzerte spielen zu können. Einen Stream will ich auch nicht ausschließen, aber es ist halt kein adäquater Ersatz…hoffen wir das Beste.